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    Als Sozialdarwinismus werden Theorien bezeichnet, die die Evolutionstheorie nach Charles Darwin auf menschliche Gesellschaften anwenden und deren Entwicklung als Folge natürlicher ...

  • Sozialdarwinismus

    Sozialdarwinismus . Englisch Social Darwinism; Definition Der Sozialdarwinismus wendet das von Charles Darwin (1809 - 1882) mit Bezug auf die Tier- und Pflanzenwelt formulierte ...

  • Peter Möller - Sozialdarwinismus

    Sozialdarwinismus ... Sozialdarwinismus. Sozialdarwinismus bedeutet die Übertragung der von Darwin erkannten in der Natur wirkenden Evolutionsgesetze auf die menschliche ...

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Sozialdarwinismus

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Charles DarwinCharles Darwin

Sozialdarwinismus, Tendenz innerhalb der soziologischen Theorie, welche versucht, die Prinzipien der biologischen Evolutionstheorie von Charles Darwin auf gesellschaftliche Zusammenhänge zu übertragen.

Mittels dieser Übertragung wird gesellschaftliche Entwicklung als objektive Naturnotwendigkeit interpretiert, die sich als sozialer Auslese- und Anpassungsprozess vollziehen soll. Im Rahmen des Differenzierungsprozesses der gesellschaftlichen Talente entwickeln sich die Begabteren naturgemäß zu Herrschenden, die weniger Begabten werden von ihnen geführt. Menschliche Geschichte wird als „Kampf ums Dasein” interpretiert. Aus der Übernahme biologischer Kategorien entwickelte sich im Laufe der Zeit eine offen rassistische Theorie, die von der objektiven Überlegenheit bestimmter Rassen oder Völker ausgeht und u. a. dem Imperialismus den Boden bereitete.

Mit Darwin selbst lässt sich eine Naturgesetzlichkeit sozialer Entwicklung nicht rechtfertigen, da er sich ausdrücklich auf die Naturgeschichte bezieht. Er liefert dennoch eine ideale Ergänzung zu anderen Strömungen des 19. Jahrhunderts. Der Sozialdarwinismus entsteht als ideologische Gegenbewegung zum liberalen Fortschrittsglauben und entspringt dem Bedürfnis, die offensichtlichen negativen Seiten des Kapitalismus als Naturnotwendigkeiten zu rechtfertigen. Die Urform eines angeblich objektiven sozialen Gesetzes findet sich in der Bevölkerungslehre von Malthus: Nach diesem „Gesetz” nimmt die Nahrungsmittelproduktion in arithmetischer, die Bevölkerung aber in geometrischer Folge zu, was zwangsläufig zu Hungersnot und Armut führt, bis eine steigende Sterbequote des Gleichgewicht wieder herstellt. Dieses Gesetz ist zwar in der Geschichte nicht nachweisbar, als Rechtfertigung für die objektive Notwendigkeit von Not und Elend jedoch ideal.

Auch die im 19. Jahrhundert entstehende Soziologie suchte nach Naturgesetzen der sozialen Entwicklung. Der englische Soziologe Herbert Spencer gilt als einer der Begründer des Sozialdarwinismus. Er konstruierte ein naturwissenschaftliches Weltbild, das die Gesellschaft als Organismus betrachtet, dessen Evolution sich als Transformation vom unzusammenhängenden Homogenen zum wechselseitig abhängigen Heterogenen als beständiger Differenzierungsprozess vollzieht. Die Phrase vom „Kampf ums Dasein” findet sich jedoch bei ihm nicht. Das Verdienst, Machtkämpfe und Kriege zu Konstanten menschlichen Lebens erhoben zu haben, gebührt Ludwig Gumplowizc. Von der Stammesfehde bis zum Kampf zwischen Rassen und Klassen zieht er eine Linie, die genausoviel Fortschritt wie Rückschritt kennt. Ein weiterer Vertreter des Sozialdarwinismus ist Gustav Ratzenhofer.

Den eigentlichen Schritt zum offenen Rassismus und zugleich zur Vulgarisierung des Sozialdarwinismus vollzieht H. St. Chamberlain. Bei ihm werden die „Gesetze der Tierzucht” zur fundamentalen Erklärung für die Überlegenheit einer „reinen Rasse”. Über diese Vermittlung wurde der Sozialdarwinismus zu einer der grundlegenden Strömungen der faschistischen Ideologie. Durch seine Entwicklung zum Rassismus hat der Sozialdarwinismus heute jegliche Popularität verloren; in verschiedensten Ideologien beruft man sich allerdings immer noch auf seine Konzepte. Als Beispiel könnte man die Behauptung anführen, Konkurrenz sei ein naturgegebenes Merkmal menschlichen Verhaltens.

Die Kritik des Sozialdarwinismus setzt schon sehr früh ein. Neben moralischen und religiösen Einwänden findet sich bei so unterschiedlichen Autoren wie Marx und Tönnies auch grundlegende Kritik. Danach stellen die so genannten naturwissenschaftlichen Ansätze des Sozialdarwinismus zur Erklärung gesellschaftlicher Zusammenhänge eine abstrakte Phrase (etwa den „Kampf ums Dasein”), die sich selbst beweist, an die Stelle der realen Untersuchung sozialer Beziehungen. Damit genügen sie aber ihrem eigenen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit nicht. Dem Sozialdarwinismus stehen prinzipiell alle Theorien entgegen, die auf der Erziehungsfähigkeit und dem freien Willen des Individuums beharren.

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