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Kunst der Aborigines, Bezeichnung für die von den Aborigines Australiens geschaffene Kunst. Erste Höhlenmalereien (siehe Paläolithische Kunst) wurden vermutlich schon vor mehr als 25 000 Jahren im Kimberleygebirge geschaffen. Die Gegenwartskunst der Aborigines beruht noch immer auf einer ähnlichen Symbolsprache und Ikonographie: Von den Anfängen bis noch vor etwa drei Generationen blieb diese wohl nahezu unverändert.
Die Kunst der Aborigines war ursprünglich religiös. Tanz, Musik, Erzählung und Malerei waren thematisch auf diesen Komplex bezogen und stark miteinander verwoben. Das Geistes- und Kulturleben gründete in der Vorstellung einer zyklisch-mythischen Vorzeit, die von Priestern erinnert werden konnte; im Zentrum hierbei stand der Ursprungsmythos. Kultgegenstände (Tjuringa) wurden mit geometrischen Mustern bemalt oder beschnitzt. Überliefert haben sich zudem figürliche Darstellungen auf Felsbildern oder Rindenmalereien. Auch Vollplastiken wurden gefunden. Mit Naturfarben aus Ocker und Holzkohle verziert sind Alltagsgegenstände wie Speere, Schleudern oder Schüsseln aus Rinde. Bis heute wird Körperschmuck aus gefärbten Federn oder Blüten hergestellt und die Tradition des Sandbilds gepflegt, das mit Farben oder Federn am Boden gemalt bzw. arrangiert wird. Durch diesen Rückgriff auf überlieferte Bilder und Zeichen konnte die Kunst der Aborigines die Jahrtausende überleben. Ihre Ursprünglichkeit wirkte etwa auf die Arte Povera in Italien oder die Minimal Art (Siehe auch moderne Kunst und Architektur), aber auch auf Künstler wie A. R. Penck und Richard Long. Der als Traumzeit bezeichnete Schöpfungsmythos gehört in der Kunst der Aborigines zum festen Motivkanon. (Wim Wenders griff dieses Thema in seinem Film Bis ans Ende der Welt auf.) Zu den Besonderheiten der Timi von der Bathurst-Insel und der Melville-Insel gehören Holzskulpturen, die die Gräber der Verstorbenen markierten. Ein wichtiges, immer wieder variiertes Motiv auch der modernen Aborigines-Kunst aus dem Mythenschatz der Walpiri ist der so genannte Traum der fliegenden Ameisen, den Künstler wie Maxie Tjampitjimpa oder Clarice Nampijimpa Poulson wieder aufgriffen und bearbeiteten.
Das Handwerk der Rindenmalerei war offenbar vor allem in Arnhemland weit verbreitet. Aufgrund der Vergänglichkeit des Materials jedoch ist aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert kein Zeugnis erhalten. Die kommerziell in Arnhemland für europäische Siedler geschaffenen Bilder sind, je nach Herstellungsort, in Größe und Stil verschieden. Im Westen um den Alligatorfluss und um Oenpelli etwa eher figurativ, wurde im Osten zumeist auf eher geometrische Entwürfe zurückgegriffen.
Die Ankunft der ersten weißen Siedler Ende des 18. Jahrhunderts beeinflusste auch die Kunst der Aborigines. Assimilationsbestrebungen der Kolonisatoren führten zur Einführung neuer Materialien (Stifte, Papier etc.) und europäischer Traditionen; auf diese Weise entstanden Szenen aus dem Leben der Aborigines für ein englisches Publikum. In den dreißiger Jahren begann der Kunstlehrer Rex Batterbee in einer lutherischen Mission bei Alice Springs, die Aborigines in Aquarellmalerei zu unterrichten: Darunter war auch Albert Namatjira, der 1938 durch eine Einzelausstellung zum ersten bekannten Aborigines-Künstler avancierte, gerade weil er sich stilistisch stark an europäischen Vorbildern orientierte.
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