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Arbeitswertlehre

Enzyklopädieartikel

Arbeitswertlehre, auch Produktionskostentheorie, zentraler Bestandteil der objektiven Werttheorie in der klassischen Ökonomie, der zufolge der Wert eines Gutes ausschließlich durch die Produktionskosten im Sinne von Arbeitsaufwand bestimmt wird; ihre bekanntesten Vertreter waren Adam Smith, David Ricardo und Karl Marx.

Adam Smith, der Begründer der klassischen Nationalökonomie, ging von der Tatsache aus, dass in einer fortgeschrittenen arbeitsteiligen Gesellschaft jeder Einzelne nur noch wenige Dinge selbst herstellen kann und deshalb zur vollständigen Deckung seines Bedarfs auf den Arbeitsertrag anderer angewiesen ist. Deshalb betrachtete er in seinem Hauptwerk An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (1776) die Arbeitsmenge, über die der Einzelne verfügt oder deren Kauf er sich leisten kann, als Ausdruck von Reichtum oder Armut. Der Wert einer nicht selbst genutzten oder konsumierten, sondern zum Tausch bestimmten Ware sei für ihren Besitzer ebenso groß wie die Menge an Arbeit, die es ihm ermögliche, die Ware zu kaufen oder über sie zu verfügen. Der wirkliche oder reale Preis einer Ware oder einer Dienstleistung – also das, was sie einen Menschen, der sie haben möchte, faktisch kostet – entspricht nach Smith der Anstrengung und Mühe, die er zu ihrem Erwerb aufwenden muss. Der wahre Wert eines Gutes liegt demzufolge in der Arbeit, die zu leisten man sich selbst erspart, indem man sie andere tun lässt. „Was jemand gegen Geld kauft oder gegen andere Güter eintauscht”, so Smith, „erwirbt er mit ebenso viel Arbeit wie etwas, zu dem er durch eigene Mühe gelangt.” … „Nicht mit Gold oder Silber, sondern mit Arbeit wurde aller Reichtum dieser Welt letztlich erworben. Und sein Wert ist für die Besitzer, die ihn gegen neue Güter austauschen möchten, genau gleich der Arbeitsmenge, die sie damit kaufen oder über die sie mit seiner Hilfe verfügen können.” Zwar war sich Smith darüber im Klaren, dass Werte durchaus nicht immer allein aus dem Verhältnis verschieden großer Arbeitsmengen im Sinne von zeitlichen Arbeitseinsätzen ermittelt werden können. Beispielsweise steckt in der einstündigen Ausübung eines Berufes, der zehn Jahre Ausbildung voraussetzt, unter Umständen mehr Anstrengung als in einer einfachen Beschäftigung über einen ganzen Monat. Doch in diesem Punkt setzte er sein Vertrauen auf die ausgleichenden Kräfte des freien Marktes.

Mehr als 25 Jahre nach Smiths Tod formulierte David Ricardo in seinem Werk On the Principles of Political Economy and Taxation (1817) seine Produktionskostentheorie. Ricardo zufolge setzen sich die Produktionskosten aus Arbeitskosten zusammen, die entweder direkt durch menschlichen Arbeitseinsatz oder indirekt durch Kapitalaufwendungen entstehen, beispielsweise durch die Anschaffung von Maschinen, die ihrerseits zuvor von Arbeitern hergestellt worden sind. Der Preis bilde sich daher proportional zu der zur Erstellung des Produkts aufgewendeten Arbeit.

Später griffen Theoretiker der revolutionären Arbeiterbewegung wie Karl Marx die klassische Arbeitswertlehre auf, um sie gegen den Wirtschaftsliberalismus zu wenden. Wenn Arbeit Reichtum schafft, so deren Argument, so schafft sie auch Kapital, das insofern nichts anderes als gestohlene Arbeit ist. In der Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Lager kam es im Anschluss zu einer nachhaltigen Diskreditierung der Arbeitswerttheorie. Bürgerliche Ökonomen müssen sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, durch eine verkürzte und teilweise verfälschende Auslegung bewusst die Banalisierung der unbequemen Marx’schen Thesen zum Wert der Arbeit (Das Kapital, 3 Bde., 1867-1894) betrieben zu haben, um ihnen jeglichen arbeitswerttheoretischen Erkenntniswert absprechen zu können. Entscheidend bleibt für linke Theoretiker der ständige Rückbezug Marx’ auf die Ebene des physischen Produktionsprozesses. Letztlich sei es ihm darum gegangen zu zeigen, wie sich produktionstechnische Gegebenheiten unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen über einzelwirtschaftliche Entscheidungskalküle und deren gesamtwirtschaftliche Rückkoppelungen in Wertrelationen übersetzen und was daraus für die Struktur des Produktionsprozesses und des Verbrauchs und damit letztlich für die Lebensverhältnisse des Einzelnen folgt.

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