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Freizeit

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Freizeit, Komplementärbegriff zur Arbeitszeit: die dem Einzelnen zur Verfügung stehende Zeit, die weder unmittelbar (bloße Regeneration durch Essen und Schlafen) noch mittelbar (z. B. Fortbildung) der Erwerbs- oder Hausarbeit dient, sondern individuell selbstbestimmt und beliebig gestaltet werden kann.

Zeiten der Nichtarbeit gab es in allen Epochen. Zumeist jedoch dienten sie – anders als z. B. die Muße (griechisch scholé) der Antike – für die Angehörenden nicht privilegierter Klassen allein der Erholung von andauernder, schwerer körperlicher Arbeit. Eigentliche Freizeit beinhaltet aber die Möglichkeit, sie zur Selbstverwirklichung nutzen zu können. Der dazu notwendige Zeitraum konnte erst im 19. und 20. Jahrhundert durch die schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit errungen werden. Als Komplementärbegriff zum Begriff Arbeitszeit ist Freizeit daher an die moderne Industriegesellschaft gebunden. In traditionellen Agrargesellschaften fallen – legt man die heutigen Kriterien für Arbeit und Freizeit an – beide häufig in einem Vorgang zusammen, etwa bei geselligen Handarbeiten während der landwirtschaftlich nicht produktiven Winterszeit.

Im Selbstverständnis des „Freizeiters” ist seine Freizeit frei von den Leistungsanforderungen der (Berufs-)Arbeit und dient der Erholung und Entspannung. Wie Freizeit verbracht wurde, war stets nicht nur an die finanziellen Möglichkeiten, sondern auch an den sozialen Status gebunden: Wer abends eine Oper besuchte, gehörte einer anderen sozialen Schicht an als derjenige, der eine Boxveranstaltung besuchte.

Freizeit scheint allerdings in der postmodernen Konsumgesellschaft zunehmend ihren Charakter als „freie” Zeit zu verlieren; offenbar gehört es immer stärker zum Selbstverständnis weiter Bevölkerungskreise, auch im Freizeitbereich bestimmte „Leistungen” vollbringen zu müssen, die zur Bestätigung oder Steigerung des sozialen Prestiges beitragen. Dazu zählen u. a. der Sport, aber auch die – möglichst exklusive – Wahl des Urlaubsorts, der Vergnügungsaktivität oder des „Hobbys”.

Da Freizeit heute derart als Prestigeobjekt und als schichten- bzw. bildungsbedingte Selbstbestätigung „eingesetzt” wird, spricht man in der Soziologie auch von „Freizeitgesellschaft”. In dieser hat sich mittlerweile ein regelrechter „Freizeitmarkt” und eine dazugehörige „Freizeitindustrie” gebildet, die ihre Kunden mit Spielgeräten, Veranstaltungen, Fanartikeln, touristischen Vergnügungen und Ereignissen sowie überhaupt „Events” aller Art versorgt; sie bildet den kommerziellen Hintergrund für die in der Gegenwartsgesellschaft häufig diagnostizierten „hedonistischen Tendenzen”.

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