Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Tierschutz", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Tierschutz

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Tierschutz

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Tiere hinter GitternTiere hinter Gittern

Tierschutz, Maßnahmen zum Schutz von Tieren, insbesondere wenn diese durch den Menschen bedroht, gequält oder an ihrem natürlichen Verhalten gehindert werden. Zu den Hauptanliegen des Tierschutzes gehören die artgerechte Tierhaltung sowie die Verringerung von Tierversuchen.

Im Unterschied zum Artenschutz und zum Naturschutz konzentriert sich der Tierschutz in erster Linie auf das Wohlergehen einzelner Tiere oder Tiergruppen, weniger auf den Schutz bedrohter Arten. In der Praxis können sich aber die Belange von Artenschutz und Tierschutz überschneiden, etwa wenn Papageien gefährdeter Arten aus ihren natürlichen Lebensräumen entnommen und in engen Käfigen ohne Artgenossen gehalten werden.

Ein Arbeitsschwerpunkt des Tierschutzes ist der Kampf gegen nicht artgerechte Haltungsformen, etwa wenn Tieren der Auslauf versagt wird, wie dies häufig bei der Massentierhaltung und der Mast der Fall ist, aber auch gegen lange Viehtransporte und manche Tötungsmethoden bei der Schlachtung. Der Tierschutz engagiert sich zudem gegen die als Qualzucht bezeichneten Zuchtformen oder Zuchtpraktiken, wie etwa die Züchtung von bestimmten Haustierrassen mit körperlichen Anomalien (z. B. Manxkatzen oder Nackthunde) und gegen das so genannte Kupieren der Rute von Hunden (das in Deutschland weitestgehend verboten ist). Auch Auswüchse im Reitsport und inszenierte Kämpfe mit Tieren wie Stierkämpfe und Hahnenkämpfe, die in vielen Ländern äußerst populär sind, werden angeprangert.

Ein anderer Schwerpunkt der Tierschutzarbeit ist der Einsatz gegen das Töten so genannter Pelztiere wie Robben oder Füchse. Vor allem Raubtiere werden wegen ihres Felles häufig auf qualvolle Weise mit Fallen getötet oder nicht artgerecht in Pelztierfarmen gehalten. Die Eindämmung des Pelzhandels ist deshalb eines der vorrangigen Ziele des Tierschutzes. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das ab 2009 geltende Einfuhrverbot von Hunde- und Katzenfellen in die Europäische Union. Diese aus Asien stammenden Felle sind unter Tarnbezeichnungen wie „Besatz” oder als „Rheumadecken” auf dem Markt, sie werden den Tieren häufig bei lebendigem Leib abgezogen, um die Felle nicht durch vorheriges Töten zu beschädigen. Tier- und Naturschützer wenden sich auch gegen die alljährliche Tötung von Millionen von Zugvögeln z. B. in Italien und auf Malta, ebenso gegen den „Beifang” von Delphinen und Meeresvögeln in Fischernetzen und den kommerziellen Walfang durch Japan und Norwegen.

In Deutschland können gemäß dem Tierschutzgesetz von 1998 Tierquälerei oder das Töten von Wirbeltieren „ohne vernünftigen Grund” mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren geahndet werden. Seit dem 21. Juni 2001 ist hier der Tierschutz im Grundgesetz als Staatsziel festgeschrieben, womit Deutschland Vorreiter innerhalb Europas ist. Die Umsetzung dieses Zieles wurde jedoch wiederholt durch Entscheidungen von Gerichten oder Politikern boykottiert. So erlaubte das Bundesverwaltungsgericht 2006 aus Gründen der Religionsfreiheit das Schächten von Huftieren, d. h., den Tieren ohne Betäubung die Kehle durchzuschneiden, um sie verbluten zu lassen. Zudem wurde das 2001 vom Deutschen Bundestag beschlossene Verbot der Käfighaltung von Legehennen (siehe Batteriehaltung) 2006 vom Bundesrat aufgehoben.

Der 1948 gegründete Deutsche Tierschutzbund ist Dachverband aller deutschen Tierschutzvereine; er engagiert sich neben seinem direkten Einsatz für Tiere vor allem hinsichtlich der Koordinierung von Öffentlichkeitsarbeit und der Einhaltung sowie Verbesserung des Tierschutzrechts. Die von Tierschutzvereinen betreuten Tierheime dienen dem Auffangen und der Weitervermittlung abgegebener, ausgesetzter oder beschlagnahmter Tiere. Dem Schutz von Wildtieren widmet sich u. a. das Komitee gegen den Vogelmord. In Deutschland wird seit 1972 alljährlich der nach seinem Stifter benannte Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis für wissenschaftliche Arbeiten verliehen, durch die Versuche am lebenden Tier ersetzt oder eingeschränkt werden können und die dem Tierschutzgedanken dienen. An der Universität Erlangen-Nürnberg wurde 2003 der erste deutsche Lehrstuhl für Tierschutz in der biomedizinischen Forschung eingerichtet. Im Rahmen dieses Lehrstuhls werden u. a. In-vitro-Methoden (ohne Einsatz lebender Tiere) der experimentell-medizinischen Forschung erprobt.

Ein wichtiger Erfolg des europäischen Tierschutzes war 2005 ein Beschluss der Europäischen Union, den Export lebender Schlachttiere (jährlich allein mehr als 200 000 Rinder) nicht mehr zu subventionieren. Diese Tiere werden – oft unter tierquälerischen Bedingungen – aus EU-Ländern bis in den Nahen Osten (etwa von Norddeutschland nach Beirut) transportiert. Der Beschluss ging insbesondere auf eine Initiative der dänischen EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel zurück und war in Deutschland von der Bundesregierung unterstützt worden.

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft