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Phönikische ErforschungenEnzyklopädieartikel
Phönikische Erforschungen, die Reisen phönikischer Handels- und Seeleute im 1. Jahrtausend v. Chr. Die Phöniker unternahmen die ersten großen Erkundungsexpeditionen der überlieferten Geschichte. Phönizien lag zwischen den Reichen der Ägypter und der Hethiter und hatte somit eine ideale Lage für den Land- und den Seehandel. Die Phöniker waren für ihr traditionelles Kunsthandwerk (v. a. Glas- und Metallarbeiten) bekannt. Sie lebten in befestigten Stadtstaaten wie Tyros, Sidon oder Byblos. Man vermutet, dass die Phöniker die ersten Seeleute waren, die nach dem Polarstern navigierten. Mit diesem Wissen begannen sie ihre Fahrten auch über das Mittelmeer hinaus auszudehnen. König Salomo von Israel beauftragte Phöniker 950 v. Chr., in Handelsangelegenheiten das Rote Meer zu befahren. Diese Fahrt führte sie wahrscheinlich bis vor die Südwestküste Indiens (wo ihr kultureller Einfluss nachgewiesen werden konnte) und bis Sri Lanka. Sie gründeten u. a. die Stadt Gadir (heute Cádiz) an der spanischen Atlantikküste. Um 600 v. Chr. beauftragte der ägyptische Pharao Necho II. nach dem jüngeren Bericht des griechischen Historikers Herodot eine Gruppe phönikischer Seeleute, Afrika im Uhrzeigersinn zu umfahren (das seiner Annahme nach kaum größer als sein eigenes Königreich war). Necho suchte nach einer Alternative für den Neubau des alten Kanals zwischen Nil und Rotem Meer. Die Expedition benötigte drei Jahre, um die 36 600 Kilometer Küstenlinie Afrikas zu umfahren. Sie legte zwei Zwischenaufenthalte ein (wahrscheinlich nahe dem heutigen Kapstadt und im Senegal), um Weizen einzuladen. Das Fehlen anderer bestätigender Quellen hat einige Historiker veranlasst, Herodots Bericht keinen Glauben zu schenken. Im späten 9. oder frühen 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Phöniker an der nordafrikanischen Küste die Stadt Karthago. Von hier aus wandten sie sich dem Westen zu. Sie errangen die Kontrolle über sämtliche Schiffspassagen durch die Straße von Gibraltar; sie entdeckten Madeira, die Kanarischen Inseln und die Azoren. Zwei Expeditionen im 5. Jahrhundert v. Chr. führten sie noch weiter. Eine folgte unter dem Befehl von Himilco der französischen Küste und erreichte die englische Halbinsel Cornwall. Hier war das Ursprungsgebiet des Zinns, mit dem Phöniker seit Jahren als Zwischenhändler tätig waren. Die zweite Expedition stand unter dem Oberkommando von Hanno, der etwa 30 000 Kolonisten auf einer Fahrt südwärts die afrikanische Atlantikküste entlangführte. Dabei gründeten sie sechs Kolonien, erkundeten die Flussläufe von Senegal und Gambia, um dann an der Küste bis nach Sierra Leone und Kamerun vorzustoßen. Im folgenden Jahrhundert machten griechische Seefahrer den Phönikern ihre Vorherrschaft im Mittelmeer streitig. Die Punischen Kriege endeten mit der Vernichtung Karthagos durch Rom (146 v. Chr.). Damit endete auch die Epoche phönikischer Erkundungen.
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