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Windows Live® Suchergebnisse Südostasiatisches TheaterEnzyklopädieartikel
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Südostasiatisches Theater, das traditionelle Theater der südostasiatischen Region. Es basiert auf einer reichen Tradition an Tanztheaterformen, die nahezu ausschließlich auf indische Vorbilder zurückgehen (siehe indisches Theater). Die Handlungen sind zumeist den beiden großen indischen Epen Ramayana und Mahabharata entlehnt. Aufführungen lassen sich seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. belegen. Zum klassischen südostasiatischen Theater gehören Tanzdarbietungen, welche traditionell an den Höfen aufgeführt wurden, sowie das dörfliche Volkstheater.
Das älteste indonesische Theater ist das Schattenspiel Wayang Kulit, bei dem die Silhouetten von Puppen vor einer Leinwand betrachtet werden. Seltener ist das Spiel mit dreidimensionalen Holzpuppen (Wayang Golek). Im 18. Jahrhundert wurde auf Java das Wayang Orang (oder Wayang Wong) eingeführt, bei dem die traditionellen Puppenrollen von Schauspielern in glitzernden Kostümen dargestellt werden, die zur Musik des Gamelanorchesters (siehe indonesische Musik) tanzen und singen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieben die Aufführungen auf die Paläste des Landes beschränkt. Heute jedoch arbeitet das Wayang Orang auf einer öffentlich-kommerziellen Basis. Das populärste Volkstheater Javas ist das Ketoprak, ein an die Commedia dell’Arte gemahnendes improvisiertes Lustspiel. Man geht davon aus, dass das zunächst nur in der Provinz Mitteljava gebräuchliche Ketoprak im 19. Jahrhundert aus dörflichen Feiern entstanden ist: Der Name ist von den Holzschlegeln abgeleitet, die zum Reisdreschen verwendet werden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man in Java, Handlungen aus dem Wayang Orang zu adaptieren. Vom holländischen Kolonialtheater beeinflusst, wanderte das Ketoprak in die Bühnenhäuser und übernahm deren technische Möglichkeiten. Auf Ostjava führen Ludruk-Truppen improvisierte Stücke mit zeitgenössischen Themen auf. Weibliche Rollen werden immer noch von männlichen Schauspielern dargestellt.
Das Theater auf Bali findet in einem tiefreligiösen Kontext statt, in dessen Rahmen Gebete gesprochen und Opfer dargebracht werden. Anders als das benachbarte Java wurde Bali nie islamisiert: Dementsprechend liegt dem dortigen Theater eine eigene Prägung des Hinduismus zugrunde. Bali besitzt ein breites Spektrum an Tanz- und Dramenformen, die gewöhnlich bei Tempelfesten zur Begleitung des Gamelanorchesters aufgeführt werden. Dabei haben sich dort immer neue Ausdrucksstile ausgebildet. Im Bali-Theater spielen Masken eine bedeutende Rolle. Auch steigert sich die Darstellung der Schauspieler oft zur Trance, wie beim Barong, das rituell den Kampf zwischen Gut und Böse darstellt: Wenn die hässliche Hexe Rangda die Männer aus dem Dorf zwingt, ihre Schwerter gegen sich selber zu richten, entwickelt der Barong, ein mythisches Wesen, eine Kraft, die dies verhindert. Im Ketjak, das in den dreißiger Jahren entstand, sitzen bis zu 200 Männer im Kreis, gestikulieren mit den Armen und imitieren in ihrem Singsang die Laute von Affen. Im Zentrum dieser Gruppe stellen Tänzer eine bekannte Szene aus dem Ramayana dar, in der die Königin Sita von Ravana entführt wird, um schließlich von Hanuman und seiner Affenarmee befreit zu werden. Eine der exklusivsten Theaterformen Balis ist das Tari Topeng, bei dem jeder Schauspieler mehrere Personen darstellt, indem er verschiedene Schnitzmasken (Ganzverhüllung) trägt. Ihre Handlungen werden häufig von Komödianten interpretiert, die Halbmasken tragen und ihre Dialoge im Stil der Commedia dell’Arte improvisieren.
Das klassische Thai-Tanztheater entstand im 14. Jahrhundert parallel zu dem im benachbarten Kambodscha. Lakon Nai ist ein höfisches Tanztheater, das nur von Frauen aufgeführt wird, die sowohl männliche wie weibliche Rollen spielen. Die Darstellerinnnen in edlen Kostümen sprechen ihren Text, derweil ein Frauenchor sie begleitet. Ein Pi-Phat-Musikensemble aus Bambusxylophonen, Gongs, Becken und Trommeln untermalt das Geschehen. Auch das Lakon Nai, das vermutlich auf das kambodschanische Lakon Kbach Boran zurückgeht, wird ausschließlich von Frauen aufgeführt. Das Khon ist ein (ebenfalls höfisches) Tanztheater, das ursprünglich allerdings nur von Männern aufgeführt wurde. Diese trugen kunstvoll geschnitzte Masken mit hochaufragenden Kronen. Heute spielen auch Schauspielerinnen die weiblichen Rollen sowie die der vornehmen männlichen Helden. Die Handlungen stammen aus der Thai-Version des Ramayana. Das kambodschanische Gegenstück hierzu ist das Lakon Khol, wie das Khon ein Maskentanz, der von Männern aufgeführt wird. Das höfische Schattentheater Nang Yai wirkt wie eine gigantische Variante des Wayang Kulit. Die lebensgroßen Lederpuppen werden von mindestens zehn Puppenspielern bedient, die hinter einer riesigen Leinwand verborgen sind. Heute werden die Stücke nur noch selten aufgeführt. Die kambodschanische Version des Nang Yai heißt Nang Shek. Ein kleines thailändisches Schattentheater mit Puppen ist das Nang Talung, das dem Wayang Kulit sehr ähnlich ist. Die populäre thailändische Volksoper Likay entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals wurde sie noch am Hof gespielt. Heute reisen Wanderbühnen durchs Land, die die Tänze und Gesänge improvisieren. Das populäre Volkstheater Kambodschas ist das Lakon Bassak, das Legendenstoffe auf der Bühne verarbeitet.
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