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Chinesische Revolution, Auseinandersetzung um die Staatsform und die Macht in China, die mit dem Sturz der Ch’ing-Dynastie 1911 begann und mit der Errichtung der Volksrepublik China 1949 endete.
Nach dem Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05, der die Mandschurei russischem und japanischem Einfluss unterworfen hatte, erklärte sich das chinesische Kaiserhaus auf Druck verschiedener Seiten zu liberalen Reformen in Staat und Gesellschaft bereit, zögerte ihre Umsetzung jedoch immer wieder hinaus. 1911 kam es zu einer Militärrevolte in Wuhan, die bald auf ganz China übergriff und am 12. Februar 1912 zur Abdankung des vierjährigen Kaisers Xuantong führte. Bereits Ende 1911 hatte Sun Yatsen die Republik ausgerufen, am 1. Januar 1912 wurde er zum provisorischen Präsidenten gewählt. Im Kampf um die Macht in China musste Sun Yatsen am 13. Februar 1912 zugunsten von Marschall Yuan Shikai zurücktreten. Sun Yatsen setzte sich im Süden fest und formierte in Opposition gegen die Regierung im Norden die Kuomintang (KMT, „Nationale Volkspartei”). Im Juli/August 1913 versuchte er in einer „zweiten Revolution” seinen Herrschaftsanspruch durchzusetzen. Die Revolution scheiterte; Yuan Shikai verbot die KMT, löste das Parlament auf und wollte sich selbst Ende 1915 als neuen Kaiser etablieren; er wurde jedoch 1916 zur Abdankung gezwungen und zwei Monate später ermordet. Nach Yuan Shikais Tod zerfiel vor allem der Norden Chinas in zahlreiche Herrschaftsbezirke regionaler Warlords, Militärmachthaber, die blutige und lange Bürgerkriege um die Macht führten. Im Süden dagegen gelang es Sun Yatsen ab 1923, mit Unterstützung der UdSSR und der Komintern eine Revolutionsregierung aufzubauen. Zugleich ging er ein Bündnis mit der 1921 gegründeten Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ein und machte die KMT zu einer straff organisierten Kaderpartei. Der sowjetische General Bljucher beriet die KMT bei der Aufstellung einer Armee. 1924 gründete Sun Yatsen die KMT-Militärakademie in Whampoa, an deren Spitze Chiang Kai-shek und Zhou Enlai standen. Sie wurde u. a. von Moskau finanziert. Einige Jahre lang konnten KPCh-Mitglieder zugleich auch der KMT angehören und umgekehrt. Beide Parteien wuchsen schnell, die KPCh vor allem in den südchinesischen Küstenstädten. Anfang 1926 hatte die KMT über 200 000 Mitglieder, die KPCh zählte im April 1927 etwa 57 000 Mitglieder. Nach Sun Yatsens Tod 1925 übernahm Chiang Kai-shek, Vertreter des konservativen Flügels der Partei, die Führung der KMT. Ziel sowohl der KMT als auch der KPCh war die Einigung Chinas. Daher begannen KMT und KPCh gemeinsam 1926 den Nordfeldzug gegen die Warlords; bis April 1927 hatten sie beinahe ganz Mittel- und Südchina unter ihrer Kontrolle und Shanghai erobert, und 1928 war China wieder weitgehend vereint.
Inzwischen war es zu massiven Spannungen zwischen KMT und KPCh gekommen, da die KPCh ihren Einfluss beständig weiter ausbauen konnte. Im April 1927 ließ Chiang Kai-shek im eroberten Shanghai und auch in anderen Städten Massaker unter den Kommunisten anrichten, schaltete die KPCh aus und trieb sie in den Untergrund. Chiang Kai-shek errichtete 1927 in Nanking eine Nationalregierung und leitete im Bereich Wirtschaft einige längst überfällige Reformen ein. Allerdings kamen die Reformen nur einem kleinen Teil der chinesischen Bevölkerung zugute; für die große Masse, die kleinen, in schwierigen Verhältnissen lebenden Bauern, änderte sich nichts. Deshalb fand die KMT-Politik bei der ländlichen Bevölkerung auch praktisch keine Zustimmung. Seit ihrer gewaltsamen Ausschaltung 1927 war die KPCh aus den Städten verdrängt und änderte ihre Strategie: Sie wich von der kommunistischen Doktrin, laut der das städtische Industrieproletariat die Basis der Revolution sein sollte, ab und konzentrierte sich auf die ländliche Bevölkerung, in der sie mit ihrem sozial- und agrarrevolutionären Programm eine umfangreiche Anhängerschaft rekrutieren konnte. Noch 1927 etablierten sich die Kommunisten unter der Führung Mao Tse-tungs in der Provinz Jiangxi, errichteten 1931 die „Chinesische Sowjetrepublik” und führten eine Landreform durch, d. h. sie enteigneten die Großgrundbesitzer und verteilten das Land an die Kleinbauern. Zugleich nahmen sie einen Guerillakrieg gegen die Nanking-Regierung auf. Chiang Kai-shek auf der anderen Seite begann Ende 1930 einen Vernichtungsfeldzug gegen die Kommunisten, obwohl er durch den japanischen Vormarsch in die Mandschurei und die Kämpfe gegen verschiedene Warlords auch an anderen Schauplätzen engagiert war. Nachdem die KPCh von den KMT-Truppen eingekesselt worden war, sah sie sich Ende 1934 gezwungen, Jiangxi zu verlassen. Unter der Führung von Mao Tse-tung und Zhu De begaben sich die Kommunisten auf den Langen Marsch; ein Jahr später erreichten sie, stark dezimiert durch Entbehrungen und ständige Angriffe der Nationalisten (von den etwa 90 000, die in Jiangxi aufgebrochen waren, kamen nur etwa 7 000 ans Ziel), nach einem über 10 000 Kilometer langen Marsch die Provinz Shaanxi im Norden. Diejenigen, die den Langen Marsch und den anschließenden Bürgerkrieg überlebt hatten, bildeten in der Folge den Kern der KPCh und stellten bis in die achtziger Jahre die Führungsriege der Partei. Während des Langen Marsches hatte sich Mao, der vorübergehend in den Hintergrund gedrängt worden war, im Januar 1935 auf dem Plenum des Zentralkomitees in Zunyi gegen die Parteiführung durchsetzen können und war zum Vorsitzenden der Militärkommission der KPCh ernannt worden.
In Shaanxi wurden die verbliebenen kommunistischen Truppen erneut von Chiang Kai-sheks zahlenmäßig weit überlegenen Nationalisten bedroht; ein unvorhersehbares Ereignis, der so genannte Xian-Zwischenfall, rettete sie: Im Dezember 1936 wurde Chiang Kai-shek in seinem Hauptquartier in Xian von General Zhang Xueliang, einem hochrangigen Kommandeur, „verhaftet”. Grund für die Verhaftung waren die zunehmenden Übergriffe Japans auf chinesisches Gebiet. In verschiedenen Regionen Chinas, vor allem in den Städten im Osten, verschärfte sich der Protest gegen den Bürgerkrieg, und man forderte ein vereintes Vorgehen von Nationalisten und Kommunisten gegen den gemeinsamen Gegner, die Japaner. Dieser Forderung verlieh Zhang Xueliang mit der Festnahme Chiang Kai-sheks Nachdruck. Nach langen Verhandlungen einigten sich Chiang Kai-shek und Mao Tse-tung auf einen „Burgfrieden” und einen gemeinsamen Kampf gegen die Japaner. Die KMT erkannte die kommunistische Herrschaft in den Provinzen Shaanxi, Ganzhou und Ningxia mit ihrer neuen Hauptstadt Yan’an an und unterstützte die KPCh etwa drei Jahre lang finanziell. Ein Scharmützel zwischen japanischen und chinesischen Soldaten an der Marco-Polo-Brücke bei Peking im Jahr 1937 lieferte den Vorwand für eine groß angelegte Invasion der Japaner in China ohne Kriegserklärung. Anfang 1939 hatten sie bereits die gesamte chinesische Küste besetzt und die Insel Hainan in der Nähe von Taiwan unter ihre Kontrolle gebracht. Die nationalistische Regierung musste sich zurückziehen und ihren Sitz nach Chongqing in die Provinz Sichuan verlegen. Der KPCh gelang es in diesem zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg, ihr Image, ihre Mitgliederzahlen und ihren Einfluss entscheidend auszubauen. Ein Grund hierfür war, dass sich die Kommunisten im Kampf gegen die Japaner als die kompromissloseren Verteidiger ihres Landes erwiesen, des Weiteren war durch die japanische Besatzung im Osten auf dem flachen Land ein administratives Vakuum entstanden, in das die Kommunisten relativ mühelos eindringen konnten, und schließlich trieben die Japaner mit ihrer restriktiven, von Terror geprägten Politik die ländliche Bevölkerung geradezu in die Arme der KPCh. Von 1937 bis 1941 waren die kommunistischen Truppen Teil der nationalistischen Armee, und zwar als Achte Marscharmee im Norden und als Neue Vierte Armee ursprünglich südlich des Jangtsekiang. 1940 erhielten sie von den Nationalisten weitgehend freie Hand für das Gebiet nördlich des Huang He (Gelber Fluss).
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