Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Arabische Philosophie", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Arabische Philosophie |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Arabische PhilosophieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Arabische Philosophie, islamische Philosophie, die Philosophie der arabischen Welt in Nordafrika, ausgehend von der Arabische Halbinsel. Die arabische Philosophie ist nur im Zusammenhang mit dem Islam zu verstehen. In der Zeit vor Mohammed (570-632) existierte auf der Arabischen Halbinsel kaum Schrifttum, erst recht keine eigene Philosophie. Der Koran ist nicht nur das heilige Buch der Muslime, sondern auch jene Schrift, welche die arabische Welt zu einer Einheit formte und ihre geistige wie historische Identität wesentlich verbürgt. Die Muslime selbst bezeichnen die arabische Philosophie mit dem Wort falsafa. Dieser Begriff charakterisiert die griechische Richtung im islamischen Denken. Die Blüte der arabischen Philosophie fällt in die Zeit der größten Ausdehnung der islamischen Kultur. Im Unterschied zur mittelalterlichen Philosophie des Christentums (wo die Philosophie eine die Religion stützende Funktion innehatte) stand die arabische Philosophie im permanenten Konflikt mit der islamischen Theologie. Dies hat seinen Grund vor allem darin, dass für die Offenbarungsreligion des Islam die menschliche Vernunft hinter dem Wort des Propheten notwendig zurücksteht. Der Konflikt mit der Theologie führte deshalb letztlich zu einem fast vollständigen Abbruch der philosophisch-rationalen Tradition.
Unter der Herrschaft des in Bagdad von 813 bis 833 regierenden Kalifen al-Mamun wurde die Übersetzung griechischer Schriften unterstützt. So entstanden durch Hubain Ibn Isaq (809-873) und seinen Sohn Isaq Ibn Hubain (870-910) sehr gründliche Übersetzungen der antiken Mediziner Hippokrates und Galen. Von den griechischen Philosophen wurde (teils aus dem Syrischen, teils aus dem Griechischen) das Werk des Aristoteles fast komplett übersetzt, von Platons Dialogen gelangten Politeia, Nomoi und Timaios in die arabische Welt.
Al-Kindi (801-873), selbst Übersetzer, wird oft als erster muslimischer Philosoph bezeichnet. Er lebte ebenfalls in Bagdad und verfasste angeblich mehr als 270 Werke, von denen die meisten allerdings verschollen sind. Al-Kindis Denken ist von Aristoteles und dem Neuplatonismus geprägt. Es wirft die Frage nach dem Verhältnis von Offenbarungsreligion und Rationalität auf. Um den Konflikt zu harmonisieren, wird Gott als Wahrheit verstanden. Die Lehre des Koran wird als heiliges, die Philosophie als menschliches Wissen gedeutet. Mit den Mitteln der aristotelischen Logik und Metaphysik wird die Realität, aber auch die Offenbarung des Koran, interpretiert. Von Aristoteles übernimmt al-Kindi die Vier-Ursachen-Lehre, wobei Gott als Wirkursache, also als Schöpfergott vorgestellt wird. Die Welt ist mithin nicht ewig. Al-Kindi versteht die Seele als einfache und vom Leib getrennte Entität. Auch der Iraner al-Razi (bis 925), ein hoch angesehener Arzt, der in Bagdad lebte, verfasste etwa 150 Schriften und galt als der strikteste Rationalist unter den islamischen Philosophen. Er lehrte, dass Gott den Menschen die Vernunft gegeben habe und versuchte eine systematische Kritik von Bibel und Koran. In seiner Schrift Zweifel an Proklos kritisierte er den neuplatonischen Gedanken der Ewigkeit der Welt. Al-Razi lehrte einen Atomismus mit fünf Urprinzipien der Welt (Gott, Materie, Seele, Raum, Zeit). Der aus Turkistan stammende al-Farabi (bis 950) lehrte, dass alles Seiende in Notwendiges und Mögliches zu teilen sei, wobei das Notwendige (Gott) die Ursache alles anderen sei, selbst keiner Ursache bedürfe und auch nicht bewiesen werden könne. Al-Farabis Denken ist streng idealistisch: Da Gott als erste Ursache sich selbst erkennender Geist ist, wird er als formgebendes Vorbild aller Realität verstanden. Das Seiende wird in einem Stufenmodell (Gott, acht Sphärengeister, menschliche Vernunft, Seele, Form, Materie) vorgestellt. Diese Stufen beschreiben zugleich den Prozess der menschlichen Erkenntnis. Nach diesem Stufenplan entwickelt al-Farabi in seiner Schrift Der Musterstaat eine politische Theorie des theokratischen Führerstaates. Der Arzt Ibn Sina (lat. Avicenna 980-1037) begriff sich selbst als Schüler al-Farabis und gilt als einflussreichster islamischer Philosoph. Er systematisierte die Lehren seiner Vorgänger und teilte die Wissenschaften nach aristotelischem Muster in verschiedene Disziplinen ein. Sein Hauptwerk Orientalische Philosophie ist größtenteils verloren. Es enthielt eine am neoplatonistischen Vorbild orientierte Emanationslehre, wonach alle Vernunft Ausfluss Gottes ist und die Realität als permanente Ausströmung des ewigen Gottes begriffen wird. Die Erkenntnis ist nach Graden gestuft. Ibn Sina unterschied zwischen externem und internem Wahrnehmungvermögen. Im Anschluss an Ibn Sina versuchte Ibn Hazm (bis 1064) die Logik zur Koranauslegung zu nutzen. Er lehrte, dass die Offenbarung unabhängig von einer besonderen Sprache (und also das Arabische nicht notwendig die Sprache der Offenbarung) sei.
Der vom Sufismus geprägte al-Gazahli (lat. Algazel, 1059-1111) bemühte sich um eine Reinigung der Theologie von aller Philosophie. Gegen die elitäre Position des Ibn Bajjah wandte er ein, wenn die Philosophie nicht für die Massen gut sei, dann sei sie es überhaupt nicht. Bezeichnend sind die Titel seiner Werke Der Erretter aus dem Irrtum und Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften, in denen er 20 Thesen gegen die Philosophie (vor allem al-Farabis und Ibn Sinas) vorbringt. Sein mystisches Spätwerk Die Nische der Lichter (Interpretation der 24. Koransure) vergleicht das wirkliche Wissen mit einem Lichtstrahl, den Gott als Gnadengeschenk in das Herz der Menschen sendet. Mit dem Erfolg des bis heute theologisch einflussreichen al-Gazahli endeten die rationalistischen Bestrebungen im Osten Arabiens.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |