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Ausdruckstanz

Enzyklopädieartikel

Ausdruckstanz (auch freier Tanz), Bezeichnung für den in Deutschland um 1910 entwickelten freien, expressiven Tanz, der sich bewusst gegen die akademischen Gesetzmäßigkeiten des klassischen Balletts stellte. In Anlehnung an den deutschen Expressionismus in der Malerei und Literatur entstand der Ausdruckstanz als Protest gegen den unnatürlichen klassischen Tanz. Der Ausdruckstanz war eine Bühnentanzform, die von einzelnen Podiumstänzern dargeboten wurde. Seine erste bedeutende Vertreterin Isadora Duncan (1878-1927) lehnte jegliche Regelung der Bewegungsabläufe ab und erklärte „auf Geheiß ihrer Seele zu tanzen”. Der in seinem Vokabular subjektive und spontane Ausdruckstanz wurde zwischen den beiden Weltkriegen zu einer Mode, die von vielen Dilettanten als eine Art tänzerische Seelenschau aufgeführt wurde. Etwa gleichzeitig stellte Rudolf von Laban (1879-1958) den Ausdruckstanz als eine Bewegungslehre (im Gegensatz zur Positionslehre des klassischen Balletts) auf eine ernst zu nehmende künstlerische Basis. Vor allem die Tanzschöpfungen der Laban-Schülerin Mary Wigman waren von großem Einfluss. Ihre 1920 in Dresden gegründete Schule galt als Zentrum des deutschen Ausdruckstanzes. Um 1930, dem Ende des eigentlichen Ausdruckstanzes, regte Wigman an, von Neuem Künstlerischem Tanz zu sprechen, während andere Choreographen den Ausdruck Freier Tanz bevorzugten. Der in angelsächsischen Ländern German Dance genannte Ausdruckstanz wurde in den USA um 1930 von Martha Graham zum Modern Dance weitergeführt.

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