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Windows Live® Suchergebnisse Hermann BahrEnzyklopädieartikel
Hermann Bahr (1863-1934), österreichischer Schriftsteller und Regisseur. Er war ein Wegbereiter der verschiedensten literarischen Strömungen der Moderne vom Naturalismus bis zum Expressionismus. Bahr wurde am 19. Juli 1863 als Sohn eines Notars in Linz geboren. Nach einem Studium der klassischen Philologie, Rechtswissenschaft und Nationalökonomie in Wien, Graz, Czernowitz und Berlin war er 1890 Mitarbeiter an der Freien Bühne von Otto Brahm. Darüber hinaus machte Bahr ausgedehnte Reisen, u. a. nach Paris, Spanien und Marokko. Zwischen 1891 und 1912 hielt er sich dauerhaft in Wien auf. 1894 gründete Bahr gemeinsam mit Heinrich Kanner und Isidor Singer die liberale Wochenzeitschrift Die Zeit, für deren Feuilleton er verantwortlich war. 1899 wechselte er zum Neuen Wiener Tagblatt und war in den Jahren 1906 und 1907 Regisseur bei Max Reinhardt am Berliner Deutschen Theater. 1912 übersiedelte er nach Salzburg. Vier Jahre später wandte er sich dem Katholizismus zu und verfocht von nun an eine altösterreichisch-konservative Position. 1918 war Bahr kurzzeitig Erster Dramaturg am Wiener Burgtheater. 1922 zog er nach München, wo er am 15. Januar 1934 verstarb. Bahrs Dramatik wurde zunächst stark vom Naturalismus geprägt (Die neuen Menschen, 1887). Durch eine Parisreise, die ihn mit den Werken Charles Baudelaires und Maurice Maeterlincks vertraut machte, wandte er sich jedoch von dieser Frühphase ab (Die Überwindung des Naturalismus, 1891). Sein Roman Die gute Schule. Seelenstände illustriert diese Wende zum literarischen Impressionismus eindringlich. Als Kritiker wirkte Bahr nachhaltig auf die Dichter des so genannten Jungen Wien, namentlich auf Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal, und prägte u. a. mit seinem Aufsatz Das unrettbare Ich, in dem er die Thesen Ernst Machs popularisierte und uminterpretierte („Ich bin Ich”), nachhaltig auch die Dichtung der Wiener Moderne. Später wandte er sich dann mit der Schrift Expressionismus (1916) auch von dieser Richtung ab und beeinflusste das expressionistische Pathos einer neuen Menschlichkeit mit dem Roman Oh Mensch! (1910). Neben Romanen (Die Rotte Korahs, 1919) schrieb Bahr über 40 psychologische Theaterstücke, die durch ihre geschickte Dialogführung bestimmt sind (Das Tschamperl, 1898, Die Mutter, 1891, Der Krampus, 1901, Der arme Narr, 1906, Ringspiel, 1907). Von seinen teils sprachwitzigen Gesellschaftskomödien ist heute vor allem noch Das Konzert (1909) präsent.
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