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Bertelsmann AG

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Bertelsmann AG, führender Medien- und Entertainmentkonzern Europas mit Sitz in Gütersloh. Die dezentral organisierte Unternehmensgruppe umfasst zahlreiche Fernseh- und Radiosender, TV-Produktionsfirmen, Buch- und Zeitschriftenverlage, Buch- und Musikclubs sowie Online- und Industriedienstleister.

Die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft mit der Bertelsmann AG als Holding ohne eigene operative Geschäftstätigkeit an der Spitze gliedert sich in sechs Unternehmensbereiche mit mehr als 400 Firmen: RTL Group (Nummer eins im europäischen Rundfunkgeschäft; zu 90,4 Prozent in Bertelsmann-Besitz), Random House (weltgrößte Buchverlagsgruppe, 100 Prozent), Gruner + Jahr (führendes Zeitschriftenhaus Europas, 74,9 Prozent), BMG (Bertelsmann Music Group, einer der drei größten Musikverlage der Welt, Dach von Sony BMG Music Entertainment, 50 Prozent, und BMG Music Publishing, 100 Prozent), Arvato (Mediendienstleister, 100 Prozent) und Direct Group (weltweit führende Betreiberin von Buch- und Musikclubs, 100 Prozent). Zum Bertelsmann-Konzern gehört ferner die 1977 von Eigentümer Reinhard Mohn gegründete Bertelsmann Stiftung, die seit ihrem Bestehen rund 548 Millionen Euro für gemeinnützige Projekte zur Verfügung gestellt hat.

An der Bertelsmann AG beteiligt sind die Bertelsmann Stiftung (76,9 Prozent) und die Familie Mohn (23,1 Prozent); beider Stimmrechte werden von der 1999 gegründeten Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) ausgeübt. Gesellschafter der BVG sind der Aufsichtsratsvorsitzende der Bertelsmann AG, ein weiteres Aufsichtsratsmitglied, der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG sowie drei Vertreter der Familie Mohn.

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Unternehmensgeschichte

Gegründet wurde das Unternehmen mit hauseigener Buchdruckerei am 1. Juli 1835 von dem Gütersloher Drucker Carl Bertelsmann (1791-1850), der mit seinem Verlagsprogramm die religiöse Erweckungsbewegung der evangelischen Gemeinden in der Region Minden-Ravensberg unterstützte, aber auch allgemeinbildende Bücher und zwei Zeitungen herausgab. Unter Sohn Heinrich (1827-1887), der den C. Bertelsmann Verlag durch Ankauf anderer Verlage und Verlagssegmente erweiterte, traten neben die Theologie auch Belletristik, Philosophie und Pädagogik. Nach seinem Tod baute sein aus einer Pastorenfamilie stammender Schwiegersohn Johannes Mohn (1856-1930), der in der protestantischen Missionsbewegung aktiv war, das Haus zu einem führenden missionswissenschaftlichen Verlag auf.

Dessen Sohn Heinrich Mohn (1885-1955) orientierte das Verlagsprogramm am breiten Publikumsgeschmack und brachte neben klassischer Literatur und Trivialromanen zunehmend auch Bücher mit völkischem, nationalsozialistischem und antisemitischem Gedankengut auf den Markt. Zusammen mit Kriegsabenteuerbüchern sorgten diese ab 1934 für einen rasanten Aufstieg des Verlages, der während des 2. Weltkrieges mit den so genannten „Feldausgaben” als größter Buchlieferant der Wehrmacht Produktionsstätten in allen Teilen des besetzten Europa unterhielt.

Nach Kriegsende druckte der Verlag im Auftrag der britischen Militärregierung zunächst Schulbücher. 1947 gab Heinrich Mohn die Firmenleitung an seinen politisch unvorbelasteten Sohn Reinhard Mohn ab, der mit dem Versandbuchhändler Johannes Thordsen die Idee eines Direktvertriebs über einen Buchclub entwickelte. Die Gründung des „Bertelsmann Lesering” (heute: „Der Club Bertelsmann”) 1950 markierte den Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zum deutschen Wirtschaftswunder trug Bertelsmann außerdem mit Fachverlagen, einer eigenen Lexikonredaktion, der Schallplattenfirma Ariola, dem Schallplattenpresswerk Sonopress und einem „Schallplattenring” bei.

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Expansion zum Medienkonzern

Nach dem Aufstieg zum Großunternehmen begann Bertelsmann in den sechziger Jahren seine Expansion über die Landesgrenzen (Gründung und Beteiligung an Buchgemeinschaften wie dem spanischen „Círculo de Lectores”, der österreichischen „Donauland”, „France Loisirs” sowie vergleichbarer Unternehmen in Portugal, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und USA). Im Zuge einer Produktdiversifikation stieß man dabei auch in fremde Geschäftsbereiche vor, u. a. mit einer Hühnerfarm. Mit dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr erfolgte 1969 der Einstieg ins Zeitschriftengeschäft (seit 1973 Mehrheitsbeteiligung).

Nach der von Reinhard Mohn 1971 vollzogenen Umwandlung des Unternehmens in eine managementgeführte Aktiengesellschaft wurde die Internationalisierung zum weltweit tätigen Medienkonzern vorangetrieben. Meilensteine waren dabei der Erwerb der US-Verlage Bantam Books (zu diesem Zeitpunkt der größte Verlag weltweit), Doubleday und Dell (1986 zu einer Verlagsgruppe zusammengefasst), der Kauf von Plattenlabels wie Arista und RCA (1987 zur BMG Bertelsmann Music Group zusammengefasst) und die Übernahme des größten englischsprachigen Buchverlages Random House (1998). Über die Ufa Film- und Fernseh-GmbH und ihre Beteiligung an RTL Plus 1984 war Bertelsmann von Anfang an im deutschen Privatfernsehgeschäft aktiv, das zu einem der wichtigsten Standbeine avancierte. 1997 entstand durch Fusion mit der Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT) zur CLT-Ufa das größte private Fernsehunternehmen Europas, das nach Verschmelzung mit der britischen Pearson TV als RTL-Group im Jahr 2000 an die Börse ging.

Nach 1990 expandierte Bertelsmann in Ostdeutschland und Mitteleuropa mit Clubs, Zeitschriften, Druckereien und im Tageszeitungsgeschäft und fasste 1997 mit dem ersten Buchclub Shanghai auf den asiatischen Wachstumsmärkten Fuß. Gleichzeitig startete der Konzern mit dem Einstieg bei America Online, (AOL), dem Onlinedienst AOL Europe, dem Netzwerk-Dienstleister Mediaways (beide 2000 abgestoßen), dem Kauf der führenden deutschen Multimedia-Agentur Pixelpark, der Gründung des internationalen E-Commerce-Shops Bertelsmann Online BOL (2002 abgestoßen) und dem Informationsportal Wissen.de seine Multimedia- und Internetoffensive.

In einer Phase der Konsolidierung veräußerte Bertelsmann 2003 die Fachverlagsgruppe Bertelsmann Springer und akquirierte den Münchener Heyne Verlag. Mit der Übernahme des weltweit größten unabhängigen Musikunternehmens Zomba wurde 2002 die globale Marktposition der BMG gestärkt, die seit 2004 mit Sony Music in einem Joint Venture für Tonträger verbunden ist (Sony BMG Music Entertainment). Der Bertelsmann-Konzern, der weltweit mehr als 88 000 Mitarbeiter beschäftigt, wies 2006 einen Vorjahresumsatz von circa 17,9 Milliarden Euro und einen Überschuss von rund 1,7 Milliarden Euro aus.

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