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Ernst Bloch

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Ernst BlochErnst Bloch

Ernst Bloch (1885-1977), deutscher Philosoph.

Ernst Bloch wurde am 8. Juli 1885 in Ludwigshafen geboren. Er studierte neben Philosophie auch Physik und Musik in München und Würzburg, wo er 1907 mit der Dissertation Kritische Erörterungen über Rickert und das Problem der modernen Erkenntnistheorie promoviert wurde. Bloch lebte in der Folgezeit an verschiedenen Orten: u. a. in Berlin (bis 1911), in Heidelberg (1912-1914), dann bis 1917 in Grünwald bei München, danach zwei Jahre in Bern und wieder wechselweise in Berlin und München sowie in Positano, Paris und Wien. Seit den Jahren nach seinem Studium und seiner ersten Publikation Der Geist der Utopie 1918 (überarbeitete Fassung 1923) stand er mit vielen führenden Intellektuellen seiner Zeit in engem Kontakt: u. a. mit Georg Simmel, Georg Lukács, Max Weber, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Bert Brecht und Siegfried Kracauer.

Die letzten Jahre vor der Machtergreifung Hitlers arbeitete er wieder in Berlin und musste 1933 als Jude und Marxist zunächst in die Schweiz, später nach Österreich, in die Tschechoslowakei und nach Frankreich emigrieren. 1938 emigrierte Bloch in die Vereinigten Staaten. Hier schrieb er bis 1947 sein Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung, das erst von 1954 bis 1959 in drei Bänden veröffentlicht wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg erhielt Bloch einen Ruf an die Universität Leipzig. Als überzeugter Marxist wollte er einen Beitrag zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft in der DDR leisten. 1955 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Nachdem er immer mehr mit der offiziellen Gesellschaftspolitik der DDR in Konflikt geriet, wurde er mit einem Publikationsverbot belegt und 1957 als so genannter Revisionist zwangsemeritiert. 1961 floh Bloch über Westberlin nach Tübingen, wo er eine Gastprofessur übernahm, 1967 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ernst Bloch starb am 4. August 1977 in Tübingen.

Im Kern der Bloch’schen Philosophie steht die Auseinandersetzung mit dem Marxismus in Verbindung mit der Tradition der Aufklärung und ihren naturrechlichen Postulaten. Ausgehend von Aristoteles und Hegel orientierte sich Bloch in seinem Denken insbesondere an den Frühschriften des jungen Karl Marx. In seinem Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung versucht Bloch in der Tradition einer christlichen wie jüdischen Eschatologie, Utopie und Hoffnung als wesentliche Motive allen menschlichen Denkens und Handelns herauszuarbeiten. Utopie wird bei ihm nicht als Idealzustand begriffen, sondern als eine Art anthropologische „utopische Funktion” einer immerwährenden Chance zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Für Bloch ist die Utopie als eine wesentliche Voraussetzung des marxistischen Denkens begriffen, das die Verhältnisse, die umfassende Humanisierung des Lebens verhindern, zu überwinden trachtet. Im Zusammenhang dieses Entwurfs des Bewusstseins spricht er vom „Noch-nicht-Bewussten”, das in Beziehung zum „Noch-nicht-Seienden” steht; es ist ein „Vor-Schein” auf das „Noch nicht”, das ein alle Lebensumstände umgreifendes besseres Dasein ermöglichen soll. Im Spannungsfeld tatsächlicher Tendenz und vorweggenommener Latenz, in der unmittelbaren Beziehung von Materie und Utopie entwickelt sich nach Bloch konkret gewordene Utopie, das Prinzip Hoffnung, verwirklicht in der Zukunftserwartung des Marxismus. In einem dialektischen Prozess werden nach Bloch Entfremdung, Erniedrigung und Knechtschaft des Menschen, wie er sie bisher in der Geschichte erlebt hat, aufgehoben werden. Zugleich ist eine Aussöhnung zwischen Natur und Mensch möglich. Um seine Philosophie zu stützen, hat Bloch kulturgeschichtliche Belege aus der großen Tradition der Ideen- wie Religionsgeschichte in seinem Werk verarbeitet.

Zu den wichtigsten Werken Blochs gehören u. a.: Thomas Müntzer als Theologe der Revolution, 1921; Spuren, 1930; Erbschaft in dieser Zeit, 1934; Subjekt-Objekt, Erläuterungen zu Hegel, 1951; Avicenna und die Aristotelische Linke, 1952; Christian Thomasius, 1953; Differenzierungen im Begriff Fortschritt, 1956; Naturrecht und menschliche Würde, 1961; Verfremdungen I und II, 1963/64; Tübinger Einleitung in die Philosophie, 1963/64; Experimentum Mundi, 1975. Posthum erschienen: Tendenz, Latenz, Utopie, 1978; Abschied von der Utopie?, 1980. Eine Gesamtausgabe seiner Werke wurde 1959 begonnen und umfasst 16 Bände, eine Werkausgabe erschien 1978.

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