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Windows Live® Suchergebnisse Johann Jakob BodmerEnzyklopädieartikel
Johann Jakob Bodmer (1698-1783), Schweizer Historiker und Schriftsteller. Seine Poetik übte auf die deutschsprachige Literatur des 18. Jahrhunderts großen Einfluss aus. Bodmer wurde am 19. Juli 1698 in Greifensee bei Zürich geboren. Er studierte Theologie, absolvierte eine Kaufmannsausbildung und war von 1725 bis 1775 Professor für helvetische Geschichte und Politik am Gymnasium Zürich. 1737 avancierte er zum Mitglied des Großen Rats der Stadt. Gemeinsam mit seinem Freund Johann Jakob Breitinger (Critische Dichtkunst, 1740) propagierte Bodmer eine Ästhetik, die auf der schöpferischen Phantasie des Künstlers und auf der Darstellung des Emotionalen und „Wunderbaren” basierte, wobei der Begriff der Dichterkraft, anders als etwa in der Genie-Vorstellung des Sturm und Drang, hier noch stark an religiöse Ideen anknüpfte (Critische Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie, 1740). Damit geriet er in Streit mit Johann Christoph Gottsched, der die strengen Normen des französischen Klassizismus als einzig gültige anerkannte. (Zuvor hatte Bodmer in Gottscheds moralischer Wochenschrift Discourse der Mahlern eine verwandte Position vertreten.) Lediglich an dem von Aristoteles adaptierten Gottsched’schen Grundsatz einer Darstellung des „Möglichen” und „Wahrscheinlichen” hielt Bodmer fest. Seine eigenen Ansichten sah er in John Miltons Paradise lost idealtypisch umgesetzt, das er 1732 aus dem Englischen übersetzt hatte. 1750 lud Bodmer Friedrich Gottlieb Klopstock, zwei Jahre später dann Christoph Martin Wieland zu sich ein, zeigte sich von beiden Begegnungen allerdings enttäuscht; auch Wieland war von den Darlegungen des Autors – ebenso wie Gotthold Ephraim Lessing – weniger angetan als von der Forschung bisher angenommen. Trotzdem war er nicht ohne Wirkung und bereitete u. a. die Entdedckung englischer Schriftsteller durch Lessing und Johann Gottfried von Herder vor. Bodmer starb am 2. Januar 1783 auf Gut Schönenberg in der Nähe von Zürich. Über seine poetischen Neuerungen hinaus gilt er außerdem als wichtiger Neuentdecker mittelhochdeutscher Dichtung, was in Proben der alten schwäbischen Poesie (1748), Chriemhildens Rache, und die Klage (1757) und Sammlung von Minnesingern (1758) zum Ausdruck kommt. Mit seinen eigenen religiösen Epen und politischen Schauspielen hatte er beim zeitgenössischen Publikum keinen Erfolg.
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