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Windows Live® Suchergebnisse Albert EhrensteinEnzyklopädieartikel
Albert Ehrenstein (1886-1950), österreichischer Schriftsteller. Er war eine der zentralen Gestalten des Wiener Expressionismus. Ehrenstein wurde am 23. Dezember 1886 im Wiener Stadtteil Ottakring geboren und lebte lange Zeit als freier Schriftsteller und Literaturkritiker in Berlin. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, schrieb er bereits während seiner Gymnasialzeit erste Satiren. 1910 machte ihn das Gedicht „Wanderers Lied”, das sein Förderer Karl Kraus in seiner Zeitschrift Die Fackel veröffentlichte, mit einem Schlag berühmt („ ,Töte dich!’ spricht mein Messer zu mir. / Im Kote liege ich; / hoch über mir, in Karossen befahren / meine Feinde den Mondregenbogen”). 1911 erschien Ehrensteins bedeutendste Erzählung Tubutsch mit Illustrationen von Oskar Kokoschka. Es folgten zahlreiche Reisen, u. a. nach Afrika und China. 1932 übersiedelte Ehrenstein aus Angst vor dem aufkommenden Nationalsozialismus in die Schweiz und musste sich 1941 der drohenden Ausweisung durch Emigration in die USA entziehen. Dort führte er bis zu seinem Tod in einem New Yorker Armenhospital am 8. April 1950 ein einsames Leben in Verbitterung. Eine Reihe privater wie politischer Enttäuschungen prägen Ehrensteins Werk. Seine frühen, oftmals pathetisch-mythologischen Gedichte und skurrilen Erzählungen – darunter Der Selbstmord eines Katers (1912, 1919 unter dem Titel Bericht aus einem Tollhaus), Die weiße Zeit (1914) und Der Mensch schreit (1916) – sind herausragende Beispiele des literarischen Expressionismus und stellen zum Teil einen verzweifelt-engagierten Angriff gegen Kriegstreiben und soziales Elend dar („Schwingt endlich den fressenden Hammer / Wider Hirnschädel der Großen!”). In den zwanziger Jahren jedoch wich der aggressiv-politische Duktus immer mehr einem gänzlich resignativen Ton, der jedoch bereits im Frühwerk immer wieder anklang (Briefe an Gott, 1922). Während dieser Zeit beschäftigte sich Ehrenstein vor allem mit Nachdichtungen aus dem Chinesischen. Weitere Werke sind die Erzählungen Nicht da, nicht dort (1916) und Ritter Johann des Todes (1926), die Lyrikbände Den ermordeten Brüdern (1919, mit Essays), Die Nacht wird (1920, mit Novellen), Wien (1921) und Herbst (1923) sowie die Essaysammlungen Menschen und Affen (1926) und die von Moscheh-Ya-akov Ben-Gavriel posthum herausgegebenen Ausgewählten Aufsätze (1961). Am bedeutendsten aber bleibt sicher Ehrensteins Erzähldebüt Tubutsch, in dem die in den Paradoxa ihrer Wiener Umgebung ewig gefangene und tragikomische Titelfigur auch das Lebensgefühl ihres Verfassers zum Ausdruck bringt: „Ich versteh überhaupt nicht, wie ich in diesen Zustand versunken bin. Um mich, in mir herrscht die Leere, die Öde, ich bin ausgehöhlt und weiß nicht wovon.”
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