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Feuilleton

Enzyklopädieartikel
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Honoré de BalzacHonoré de Balzac
Artikelgliederung
1

Einleitung

Feuilleton (französisch: Teil eines Bogens, von feuillet: Blatt, Bogen, Seite), Kulturteil einer Zeitung. Das Feuilleton enthält Kommentare und Berichte aus dem Kultur- und Geistesleben, Theater-, Konzert-, Ausstellungs- und Filmkritiken, Buchbesprechungen, Essays, Glossen, Nachrufe sowie literarische Beiträge (Erzählungen, Fortsetzungsromane, Vorabdrucke, Gedichte etc.). Auch die kleine Prosaform, die für den Kulturteil einer Zeitung geschrieben wurde, wird Feuilleton genannt.

Der anregend gestaltete und auf Publikumswirksamkeit bedachte Stil des Feuilletons wurde während der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert von Karl Kraus in seiner Zeitschrift Die Fackel als oberflächlicher „Feuilletonismus” scharf gebrandmarkt. Auch Hermann Hesse bezeichnet in seinem Roman Das Glasperlenspiel (1943) das 20. Jahrhundert abwertend als „feuilletonistisches Zeitalter”.

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Geschichte

Das Feuilleton als ein fester Bestandteil der Zeitung existiert erst seit dem 22. Juni 1800, als der Kritiker J. L. de Geoffroy seine Bühnenkritiken im französischen Journal des Débats mit einem dicken schwarzen Querstrich vom politischen Hauptteil trennte. Zuvor hatte es im 18. Jahrhundert nur gelegentlich den Zeitungen als loses Blatt beigefügte Betrachtungen über Kunst und Literatur gegeben (z. B. Lessings Das Neueste aus dem Reich des Witzes als Beilage der Voßischen Zeitung, 1751-1755). In Deutschland erschien das in die Zeitung „unter dem Strich” integrierte Feuilleton erstmals 1831 im Nürnberger Correspondenten. Mit der Entfaltung der Tagespresse und der Gründung etlicher Kultur-, Familien- und Frauenzeitschriften seit der Mitte des 19. Jahrhunderts konnte sich das Feuilleton im gesamten europäischen Zeitungswesen etablieren.

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Das französische Feuilleton

Das französische Feuilleton um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde entscheidend geprägt von den kunstvollen Beiträgen namhafter Schriftsteller und Kritiker wie Théophile Gautier, Charles-Augustin Sainte-Beuve (Causeries du Lundi), Honoré de Balzac und Charles Baudelaire, die in oft essayistischer Manier das literarische und gesellschaftliche Leben ihrer Zeit kommentierten. Berühmtheit erlangten auch die Theaterkritiken von Jules Gabriel Janin sowie die Fortsetzungsromane von Alexandre Dumas und Eugène Sue, dessen zehnbändiges Werk Die Geheimnisse von Paris (1842) als erster französischer Roman im Feuilleton einer Tageszeitung erschien. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählten die Philosophen Alain und Gabriel Marcel zu den herausragenden Feuilletonisten.

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Das deutschsprachige Feuilleton

Um 1840 gelangte das deutsche Feuilleton durch die Dichter des Jungen Deutschland und des Vormärz, namentlich durch Heinrich Heine und Ludwig Börne, zu einer ersten Blüte. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelten sich ein Berliner (Adolf Glassbrenner, Theodor Fontane, Julius Rodenberg) und ein Wiener Zentrum des Feuilletons (Ferdinand Kürnberger, L. Speidel, E. Hanslick), die sich beide bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts behaupten konnten (in Berlin: Maximilian Harden, Victor Auburtin, Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky, Peter Gan; in Wien: Peter Altenberg, Hermann Bahr, Alfred Polgar, Egon Friedell, Franz Blei). Weitere bedeutende Feuilletonisten waren bzw. sind Joseph Roth, Siegfried Kracauer, Friedrich Sieburg, Dolf Sternberger, Benno Reifenberg, Willy Haas, Peter Bamm, Marcel Reich-Ranicki, Walter Jens und Hans Mayer. Die wichtigsten zeitgenössischen Feuilletons im deutschsprachigen Raum finden sich in den Zeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung und Frankfurter Rundschau.

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