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Windows Live® Suchergebnisse Georg HeymEnzyklopädieartikel
Georg Heym (1887-1912), deutscher Schriftsteller. Er war eine der zentralen Gestalten des Frühexpressionismus. Heym wurde am 30. Oktober 1887 als Sohn eines autoritären Staatsanwalts in Hirschberg (Schlesien) geboren. Bereits zu Schulzeiten (genauer: ab 1899) schrieb er Gedichte und verfasste seit Ende 1904 ein Tagebuch, das er bis zu seinem Tod weiterführte und das inzwischen innerhalb der vierbändigen Gesamtausgabe Dichtungen und Schriften (4 Bde., 1960-1968) zugänglich ist. Das letzte Heft trägt den bezeichnenden Titel Tagebuch des Georg Heym. Der nicht den Weg weiß. Geschult an den Schriften Friedrich Hölderlins, Friedrich Nietzsches, Arthur Rimbauds, Georg Büchners, Heinrich von Kleists und Christian Dietrich Grabbes entstanden 1905 diverse Skizzen und Fragmente, z. B. zu Arnold von Brescia und zur Tragödie Der Feldzug nach Sizilien, einige Jahre später eine Reihe von Sonetten (Berlin 1), in denen Heym in düster-apokalyptischen Bildern die industrielle Großstadtatmosphäre Berlins heraufbeschwor („Beteerte Fässer rollten von den Schwellen / Der dunklen Speicher auf die hohen Kähne. / Die Schlepper zogen an. Des Rauches Mähne / Hing rußig nieder auf die öligen Wellen”). Hier schon entwickelte der Autor einen eigenen Stil der metaphorischen Reihung, der das lyrische Ich in der Beschwörung eines anonymen „Wir” zurückdrängte, analog zur Malerei eine einfache Farblichkeit etabliert und die Lyrik des Frühexpressionismus nachhaltig prägte. Durch diese Lyrik wurde Heym mit dem Kreis des Berliner Neuen Clubs bekannt, in dem die damalige junge Generation von Dichtern sich versammelte. Daneben las er in Kurt Hillers Neopathetischem Cabaret, einem weiteren Forum des Expressionismus. 1911 erschien im Rowohlt-Verlag Heyms erfolgreicher Gedichtband Der ewige Tag. Das im selben Jahr publizierte Gedicht „Der Krieg” („Auferstanden ist er, welcher lange schlief”) spiegelt die allgemeine Kriegsangst anlässlich der Marokkokrise wider. Ein weiteres Gedicht ist „Der Gott der Stadt”, das den Moloch über der Masse thronend individualisiert und zu einer eigenen, dem urbanen Phänomen adäquaten Sprache findet, wenn es das Phänomen der Stadt auch noch durch die mythische Figur dämonisiert. 1912 kam Heyms Lyrikband Umbra vitae heraus. Der Dichter schrieb auch Erzählungen, die 1913 posthum im Sammelband Der Dieb. Ein Novellenbuch veröffentlicht wurden. Herausragend hierbei ist u. a. die Erzählung Der Irre, die den pathologischen, der Realität entfremdeten Helden und seine rauschhaft-dionysische Mordsucht einer rein materialistisch ausgerichteten urbanen Wirklichkeit entgegenstellt, die nun ihrerseits, im verfremdenden Blick des Protagonisten, als Form des sinnentleerten Wahnsinns erscheint. Auch Marathon (1914) wurde aus dem Nachlass herausgegeben. Heyms Gesamtwerk blieb schmal: Am 16. Januar 1912 ertrank er, gerade 24 Jahre alt, in der Havel, nachdem er mit seinem Freund Ernst Balcke dort Schlittschuh gelaufen war.
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