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Jakob van Hoddis

Enzyklopädieartikel

Jakob van Hoddis, eigentlich Hans Davidsohn, (1887-1942), Schriftsteller. Mit seinem Gedicht „Weltende” (1911) schrieb er das wohl berühmteste Gedicht des Expressionismus.

Van Hoddis wurde am 16. Mai 1887 in Berlin geboren. Nach einem Studium der Architektur (1906/07), Altphilologie und Philosophie in Jena und Berlin gründete er 1909 mit dem Erwin Loewenson und dem Aktivisten Kurt Hiller den frühexpressionistischen Berliner Neuen Club, in dessen Neopathetischem Cabaret u. a. sein Freund Georg Heym und Ernst Blass lasen. Sein 1911 in der Zeitschrift Der Demokrat abgedrucktes, revolutionär-antibürgerliches Gedicht „Weltende” sorgte für erhebliches Aufsehen und prägte mit seinem urbanen Reihungsstil die gesamte Lyrik des Frühexpressionismus: „Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, / In allen Lüften hallt es wie Geschrei, / Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei / Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut. // Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen / An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. / Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. / Die Eisenbahnen fallen von den Brücken”.

Vielen galt „Weltende” als „Eröffnung der expressionistischen Lyrik” (Hiller) überhaupt. Die meisten der 70 weiteren, oftmals schwermütig-ironischen und metaphorisch-visionären, aber auch mit schwarzem Humor durchsetzten Gedichte erschienen in den Avantgardezeitschriften Die Aktion von Herwarth Walden und Der Sturm von Franz Pfemfert. 1915 verschlimmerte sich der geistige Gesundheitszustand von van Hoddis drastisch. Nach zahlreichen Aufenthalten in Sanatorien wurde er von den Nationalsozialisten als „lfd. Nr. 8” aus der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt in Bensdorf-Sayn bei Koblenz nach Polen verschleppt und vermutlich am 30. April 1942 vergast.

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