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Indochinakrieg, Krieg (1946-1954) um das französische Kolonialgebiet Indochina zwischen der kommunistischen Befreiungsbewegung Vietminh und Frankreich. Als Indochinakrieg wird auch die erste Phase des Vietnamkrieges bezeichnet.
1887 hatte Frankreich aus den Ländern Vietnam (Annam, Cochinchina und Tongking) und Kambodscha (seit 1893 auch Laos) sein ostasiatisches Kolonialreich Indochina gegründet. 1940 eroberte Japan Tongking. Die 1941 von Ho Chi Minh gegründete Befreiungsbewegung Vietminh führte unter General Vo Nguyen Giap 1941 bis 1945 einen Guerillakrieg gegen die Besatzungsmacht; bis 1945 hatte Japan jedoch das gesamte französische Indochina erobert. Zunächst ließ Japan die französische Zivilverwaltung intakt, förderte aber die antifranzösisch eingestellten Nationalisten Vietnams. Die Japaner verstießen gegen die Vereinbarungen mit Frankreich, als sie am 9. März 1945 ultimativ die Unterstellung der französischen Truppen unter japanisches Kommando forderten. Die Weigerung der Franzosen, dem nachzukommen, führte zur Inhaftierung französischer Truppen und zur Abschaffung der Zivilverwaltung. Unter japanischer Oberhoheit wurde Vietnam formell für unabhängig erklärt, Kaiser Bao Dai bestieg wieder den Thron und kündigte am 11. März den Protektoratsvertrag mit Frankreich. Nach der Kapitulation Japans am Ende des 2. Weltkrieges (15. August 1945) übernahmen gemäß den auf der Potsdamer Konferenz getroffenen Vereinbarungen nördlich des 16. Breitengrades chinesische, südlich davon britische Truppen die Kontrolle. Bereits am 16. August gründete Ho Chi Minh das „Nationale Befreiungskomitee” („August-Revolution”). Nach dem Einmarsch der Vietminh-Truppen in Hanoi und der Abdankung Bao Dais am 25. August rief Ho Chi Minh am 2. September die „Demokratische Republik Vietnam” aus. Die Unterstützung der 1945 an einer Hungersnot leidenden Bevölkerung Nordvietnams verschaffte dem Vietminh Popularität. Im September brachen in Saigon Aufstände des Vietminh gegen die französische Verwaltung aus. Die im Süden stationierten britischen Truppen konnten die Lage nicht unter Kontrolle bringen und zogen sich zurück; sie sollten durch französische Streitkräfte ersetzt werden. Frankreich begründete sein Engagement damit, dass die wirtschaftliche Kraft der Kolonien für die Erholung Frankreichs nach dem 2. Weltkrieg notwendig sei. Gegen die erneute Besetzung rief der Vietminh am 24. September den Generalstreik aus. Ein Konflikt wurde unausweichlich.
Im Oktober brachen die einmarschierenden Truppen Frankreichs den Belagerungsring des Vietminh um Saigon. Fünf Monate später kontrollierten sie den Süden Indochinas, während sich der Vietminh im Norden halten konnte. Ho Chi Minh war in der Defensive – kein Staat hatte das unabhängige Vietnam anerkannt. Er stimmte daher am 6. März 1946 einem Kompromiss zu: Frankreich erkannte als Gegenleistung für die Stationierung von 25 000 Mann französischer Truppen im Norden die Unabhängigkeit Vietnams im Rahmen der Französischen Union an. Am 31. Mai brach Frankreich das Abkommen: Der französische Oberbefehlshaber rief im Süden eigenmächtig die unabhängige Republik Cochinchina aus. Der ehemalige Kaiser Bao Dai wurde wieder inthronisiert. Im November 1946 brach schließlich der offene Konflikt aus. Französische und Vietminh-Truppen teilten sich die Kontrolle der Hafenstadt Haiphong. Nach mehreren Zwischenfällen und vergeblichen Verhandlungen um die Zollhoheit verlangte der französische Oberbefehlshaber am 23. November ultimativ den Abzug des Vietminh aus Haiphong. Nach Ablauf des Ultimatums bombardierte die französische Marine Haiphong, etwa 6 000 Zivilpersonen (nach Angaben des Vietminh 20 000) kamen dabei ums Leben. Eine Verhandlungslösung des Konfliktes wurde damit unmöglich. Als Reaktion begannen am 19. Dezember 1946 Angriffe des Vietminh auf die französischen Truppen in Hanoi. Im Mai 1947 schlug Frankreich Ho Chi Minh ein Waffenstillstandsabkommen vor. Dieser lehnte ab, da die Bedingungen einer Kapitulation gleichgekommen wären. Im gleichen Jahr bahnte sich ein Wandel in der Politik der USA an. Bis dahin hatten sie eher antikolonialistische Bestrebungen gefördert. Am 12. März 1947 kündigte der amerikanische Präsident Harry S. Truman (siehe Truman-Doktrin) die Unterstützung aller antikommunistischen Bewegungen an. Ho Chi Minh wurde als Vertreter des Weltkommunismus angesehen. Man befürchtete, dass andere Staaten der Region, sollte Indochina kommunistisch werden, dem Beispiel folgen könnten (siehe Dominotheorie).
Die französischen Truppen waren, obwohl besser ausgerüstet, denen des Vietminh unterlegen. Eine entscheidende Wende erhielt der Krieg nach dem Sieg der Kommunisten unter Mao Tse-tung im chinesischen Bürgerkrieg. Durch die Lieferung von modernen amerikanischen Waffen, die von der unterlegenen Armee Chiang Kai-sheks erbeutet worden waren, entwickelte sich der Vietminh von der Guerillatruppe zur regulären Armee. Außerdem unterstützte China Ho Chi Minh durch die Entsendung von Militärberatern. Durch die Offensive des Vietminh verloren die Franzosen wichtige Stellungen an der Grenze zu China. Vor allem durch die Niederlage bei Cao Bang (1950) gerieten die Franzosen in die Defensive. Obwohl Frankreich 300 000 Mann in Vietnam stationiert hatte und Bao Dai 100 000 Mann an vietnamesischen Truppen befehligte, kontrollierte Frankreich im Norden nur noch das Gebiet um Hanoi. In Frankreich wuchs der Unwillen gegen den Krieg, in dem bis 1952 bereits 90 000 Tote zu beklagen waren. Frankreich wandte sich mit der Bitte um Hilfe an die USA, die eine militärische Beratergruppe nach Saigon entsandten. Darüber hinaus leisteten die USA umfangreiche finanzielle Unterstützung (bis Ende des Krieges 2,5 Milliarden US-Dollar, mehr als Frankreich aus Mitteln des Marshallplanes erhielt). 1954 deckten die USA 78 Prozent der französischen Rüstungsausgaben. Im April 1953 konnte Frankreich eine Offensive des Vietminh gegen Laos abwehren. Dennoch beherrschte der Vietminh weite Teile des Landes, lediglich in den größeren Städten konnten die Franzosen ihre Herrschaft erhalten. Im November begann der Vietminh, Belagerungsstellungen um die französische Festung in Dien Bien Phu auszubauen. Am 13. März 1954 begann der Angriff General Giaps auf Dien Bien Phu. In Bedrängnis wandte sich Frankreich an die USA mit der Bitte um direkte militärische Unterstützung. Die amerikanische Regierung lehnte den Einsatz von Bodentruppen ab, erklärte aber ihre Bereitschaft, bei gleichzeitiger Unterstützung durch die Briten Luftangriffe zu starten. Winston Churchill lehnte jedoch jede Beteiligung ab: Am 7. Mai mussten die französischen Truppen kapitulieren. Am folgenden Tag begannen in Genf die Waffenstillstandsverhandlungen, die am 21. Juli 1954 durch ein Abkommen beendet wurden (siehe Indochinakonferenz). Darin wurde vereinbart, dass sich die französischen Truppen nach Süden und die des Vietminh nach Norden zurückziehen sollten, getrennt durch eine Demarkationslinie am 17. Breitengrad. Die Teilung wurde als provisorisch angesehen und sollte im Sommer 1956 durch gesamtvietnamesische Wahlen aufgehoben werden. Der Vertrag schuf keine dauerhafte Friedensregelung für die Region. Zwar zogen sich die Franzosen 1955 gemäß dem Genfer Abkommen aus Nordvietnam zurück, die geforderten Wahlen fanden jedoch nicht statt. Im Süden übernahm mit Hilfe der USA Ngo Dinh Diem die Macht, der eine eigene Armee aufbaute und das Vordringen des Kommunismus zu verhindern suchte. Der Indochinakrieg, der insgesamt zwischen 600 000 und 900 000 Opfer forderte, stellte mit dem etwa gleichzeitig stattfindenden Koreakrieg die erste militärische Auseinandersetzung zwischen Ost und West auf fremden Boden dar (siehe Ost-West-Konflikt).
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