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Walter Jens

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Walter JensWalter Jens

Walter Jens, Pseudonyme Walter Freiburger und Momos, (*1923), deutscher Schriftsteller, Kritiker und Literaturwissenschaftler. Er ist einer der herausragenden Essayisten der deutschen Literatur nach 1945.

Jens wurde am 8. März 1923 in Hamburg geboren. Von 1941 bis 1945 studierte er Germanistik und Klassische Philologie in Hamburg und Freiburg im Breisgau, u. a. bei Martin Heidegger. Er promovierte über die Tragödien des Sophokles und habilitierte sich 1949 mit einer Arbeit über Tacitus. 1950 kam er zur Gruppe 47. 1956 wurde Jens Professor für Klassische Philologie in Tübingen; 1963 richtete die dortige Universität eigens für ihn einen Lehrstuhl für Allgemeine Rhetorik ein. Ein Jahr später übernahm Jens eine Gastprofessur in Stockholm. Von 1976 bis 1982 war er Präsident des PEN-Zentrums der Bundesrepublik, danach Ehrenpräsident, und von 1989 bis 1997 war er Präsident der Berliner Akademie der Künste. Außerdem ist er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Unter anderem erhielt Jens den Deutschen Jugendbuchpreis (1959), den Lessing-Preis (1968), den Adolf-Grimme-Preis (1984), den alternativen Georg-Büchner-Preis (1989) und den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik (1990).

Bekannt wurde Jens durch seine gesellschaftskritischen Werke, mit denen er vor der Entwicklung totalitärer Gesellschaftsstrukturen warnen wollte, wie die frühe Erzählung Das weiße Taschentuch (1947) oder der Roman Nein. Die Welt des Angeklagten (1950). Häufig griff Jens, wie etwa in der Erzählung Das Testament des Odysseus (1957), auf antike Themen zurück. Daneben schrieb er literaturtheoretische Abhandlungen (Statt einer Literaturgeschichte, 1957) sowie Fernsehkritiken, vor allem in der Wochenzeitung Die Zeit. Bedeutsam sind seine Fernsehspiele Die rote Rosa (1966) und Die Verschwörung (1969). In den siebziger und achtziger Jahren trat Jens auch als wortgewaltiger und häufig geladener Gastredner in Erscheinung.

In den achtziger Jahren publizierte Jens außerdem Der Untergang. Nach den Troerinnen des Euripides (1982) und Die Friedensfrau. Nach der Lysistrate des Aristophanes (1986). Weitere Werke sind Der Blinde (1951), Der Mann, der nicht alt werden wollte (1955), Die Götter sind sterblich (1959), Herr Meister. Dialog über einen Roman (1963), Von deutscher Rede (1969), Der Ausbruch (1974), Republikanische Reden (1976), In Sachen Lessing (1983), Kanzel und Katheder (1984), Momos am Bildschirm: 1973-1983 (1984), Roccos Erzählung (1985), Einspruch. Gegen Vorurteile (1992), Zeichen des Kreuzes. Vier Monologe (1994) und Katias Mutter (2005, zusammen mit Inge Jens).

Jens übersetzte die vier Evangelien. Sie erschienen unter den Titeln Die Zeit ist erfüllt. Die Stunde ist da (Markusevangelium, 1990), Am Anfang der Stall, am Ende der Galgen (Matthäusevangelium, 1991, mit HAP Grieshaber), Und ein Gebot ging aus (Lukasevangelium, 1991) sowie Am Anfang: Das Wort (Johannesevangelium, 1992). Weitere Neufassungen biblischer Texte waren Das A und das O: Offenbarung des Johannes (1987), Die vier Evangelien (1998) und Der Römerbrief (2000). Mit Hans Küng publizierte Jens u. a. Dichtung und Religion (1985), Anwälte der Humanität. Thomas Mann, Hermann Hesse, Heinrich Böll (1989) und Menschenwürdig sterben (1994). Zudem ist er Herausgeber von Kindlers Neuem Literaturlexikon (20 Bde., 1988-1992).

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