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Alexander Kluge (*1932), deutscher Filmregisseur, Schriftsteller und Fernsehautor. Mit dem Film Abschied von gestern (1966) verhalf er dem Neuen deutschen Film zu internationalem Ansehen. Kluge wurde am 14. Februar 1932 als Sohn eines Arztes in Halberstadt geboren. Er studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik in Marburg und Frankfurt/Main, 1956 promovierte er zum Dr. jur. Anschließend arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt, wandte sich nach einem Volontariat bei Fritz Lang 1958 aber zunehmend dem Film zu. Ab 1960 drehte Kluge Kurzfilme und avancierte 1962 zur führenden Stimme der Gruppe junger deutscher Filmemacher, die das Oberhausener Manifest unterzeichneten. Zudem setzte er sich für die Subventionierung des künstlerischen Filmes in Deutschland ein. Von 1965 an lehrte Kluge am Institut für Filmgestaltung in Ulm; 1973 wurde er Honorarprofessor an der Universität Frankfurt/Main. Bereits mit seinem ersten Spielfilm Abschied von gestern (1966), für den er u. a. mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet wurde, etablierte sich Kluge – nicht nur wegen des programmatischen Titels – als einer der Protagonisten und Vordenker des neuen deutschen Autorenfilms. Auch seine nächsten Filme fanden viel Beachtung, etwa Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1967; ausgezeichnet bei den Filmfestspielen von Venedig), Die unbezähmbare Leni Peickert (1967) und die beiden eigenwilligen Sciencefictionproduktionen Der große Verhau (1970) und Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte (1971). Zu seinen weiterhin viel beachteten, intellektuell zumeist sehr anspruchsvollen Werken gehören der Thesenfilm über Abtreibung Gelegenheitsarbeit einer Sklavin (1973), die Satire Der starke Ferdinand (1976) sowie die collagenartig aufgebauten Essayfilme Die Patriotin (1979), Die Macht der Gefühle (1983) und Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985). Nachdem Kluge 1974 bereits gemeinsam mit Edgar Reitz den Spielfilm In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod realisiert hatte, beteiligte er sich in der Folge zudem an einigen Gemeinschaftsproduktionen mit anderen Regisseuren. So war er einer der elf Filmemacher, die sich in Deutschland im Herbst (1978) mit dem Deutschen Herbst auseinandersetzten (außerdem u. a. Rainer Werner Fassbinder, Bernhard Sinkel, Alf Brustellin, Edgar Reitz und Volker Schlöndorff). Gemeinsam mit Schlöndorff, Stefan Aust und Alexander von Eschwege entstanden die Kollektivarbeiten Der Kandidat (1980; ein Dokumentarfilm über Franz Josef Strauß) und der mit der Aufrüstung befasste Montagefilm Krieg und Frieden (1982), dessen Spielszenen u. a. von Heinz Bennent, Angela Winkler, Jürgen Prochnow und Bruno Ganz bestritten wurden. In Kluges Schaffen ist die Produktion von Filmen eng mit der von Prosatexten verknüpft. Das zeigen sowohl sein erster Prosaband Lebensläufe (1962) und der Film Abschied von gestern (1966), wie auch spätere Arbeiten, etwa Die Macht der Gefühle (Film 1983, Buch 1984). Sowohl in seinen literarischen Texten als auch im Film, bei dem er nicht selten auch für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich zeichnete, durchbricht Kluge die herkömmlichen dramaturgischen Konzepte. In einer ihm eigenen Technik reiht er dokumentarische Ausschnitte aneinander und stellt sie in neue Zusammenhänge. Durch Montage von Fakten und Fiktion erreicht er eine tiefer gehende Durchdringung der dargestellten Wirklichkeit. Weitere schriftstellerische Arbeiten sind der Roman Schlachtbeschreibung (1964) sowie die Erzählungsbände Lernprozesse mit tödlichem Ausgang (1973) und Neue Geschichten. Hefte 1-18. Unheimlichkeit der Zeit (1977). Kluge verfasste auch theoretische Schriften zu Gesellschaft (zusammen mit dem Soziologen Oskar Negt) und Medien (Bestandsaufnahme – Utopie Film, 1983; Die Zukunft der Aufklärung, 1988). Großes Aufsehen erregte der Autor mit den drei umfangreichen, Historiographisches mit Individuellem verbindenden Erzählwerken Chronik der Gefühle (2000), einer mehr als 2 000 Seiten starken Kompilation kurzer Lebensläufe und Geschichten aus dem 20. Jahrhundert, Die Lücke, die der Teufel lässt (2003), das sich in 500 Miniaturen ebenfalls den großen Ereignissen des 20. Jahrhunderts zuwendet, und Tür an Tür mit einem anderen Leben (2006) mit 350 Erzählungen aus verschiedenen Epochen der Geschichte. Nachdem er sich Mitte der achtziger Jahre vom Filmschaffen zurückgezogen hatte, startete Kluge 1988 ein eigenes TV-Kulturprogramm, in dem er seine Idee eines „Herausgeber-Fernsehens” zu verwirklichen versuchte. Die von seiner Firma DCTP produzierten und oft auch von ihm bestrittenen Sendungen wurden in Form von „Fensterprogrammen” im Programm der Privatsender SAT 1, RTL und VOX ausgestrahlt. Mit seinen unkonventionellen Interviewsendungen zu verschiedensten aktuellen und kulturgeschichtlichen Themen (in der ersten Hälfte der neunziger Jahre fungierte er besonders häufig als Gesprächspartner des Dramatikers Heiner Müller) fand er großen Anklang, wenngleich die Privatsender mehrfach versuchten, die „Quotenkiller” (Helmut Thoma) aus ihrem Programm zu verbannen. Kluge wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Für sein Filmschaffen erhielt er mehrere Filmbänder in Gold und Silber sowie einen Bambi (1967); für seine Fernseharbeit wurde ihm zweimal der Grimme-Preis verliehen. Außerdem erhielt er mehrere Literaturpreise, u. a. den Theodor-Fontane-Preis (1979), den Kleist-Preis (1986), den Lessing-Preis (1989) und den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1993). Für sein vielseitiges, der „literarischen Geschichtsschreibung” gewidmetes Werk wurde Kluge 2003 zudem mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
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