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Windows Live® Suchergebnisse Reiner KunzeEnzyklopädieartikel
Reiner Kunze (*1933), Schriftsteller. Kunze wurde am 16. August 1933 als Sohn eines Bergarbeiters in Oelsnitz (Erzgebirge) geboren und studierte Philosophie sowie Journalistik in Leipzig, bevor er dort als wissenschaftlicher Assistent tätig war. 1959 wurde er von der Universität verwiesen und musste in einem Produktionsbetrieb und in der Landwirtschaft arbeiten. Dennoch blieb er bis 1968 Mitglied der SED, der er 1949 beigetreten war. 1959 entstand Kunzes an der Lyrik Bertolt Brechts geschulter Gedichtband Vögel über dem Tau. Nach seiner Heirat 1962 zog er nach Thüringen und wandte sich verstärkt dem Schreiben zu. Danach entstanden zahlreiche Gedichtsammlungen – so Widmungen (1963) und Sensible Wege (1969) –, die neben allgemeinen Themen (Liebe, Tod etc.) auch den DDR-Alltag reflektieren und zum Teil nur in der Bundesrepublik erscheinen konnten (Zimmerlautstärke, 1972). 1970 brachte Kunze sein überaus erfolgreiches Kinderbuch Der Löwe Leopold heraus. Nach der Veröffentlichung der Prosasammlung Die wunderbaren Jahre (1976), die er drei Jahre später mit Rolf Boysen, Dietrich Mattausch u. a. selbst verfilmte, wurde er aus dem Schriftstellerverband der DDR des Bezirks Gera ausgeschlossen (am 12. Dezember 1989 erfolgte die Rehabilitierung und die Rücknahme des Akts als „typisches Beispiel für die Willkürjustiz auf Weisung der seinerzeit führenden Partei”): 1977 übersiedelte Kunze in die Bundesrepublik. Hier übertrug er zahlreiche Gedichte aus dem Tschechischen, verfasste weitere Kinderbücher (Das Kätzchen, 1979, Eine stadtbekannte Geschichte, 1982) und brachte u. a. den Lyrikband auf eigene Hoffnung (1981) sowie die Textsammlung eines jeden einzigen leben (1986) heraus. 1990 erschien sein (u. a. gegen Ibrahim Böhme und Sascha Anderson gerichteter) Bericht Deckname „Lyrik” über die Bespitzelung von Künstlern durch ihre Kollegen in der ehemaligen DDR; Grundlage war die Einsicht seiner Stasi-Akte, in deren Rahmen er Hermann Kant öffentlich der Denunziation bezichtigte. 1992 trat Kunze aus der Westberliner Akademie der Künste aus. 1995 kehrte er, nachdem er das PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland aus Protest zeitweilig verlassen hatte, wieder in die Schriftstellerorganisation zurück. Kunzes Texte wurden in über 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, so 1977 mit dem Georg-Büchner-Preis, 1981 mit dem Geschwister-Scholl-Preis, 1990 mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet und 1999 mit dem Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Weitere Werke des Autors sind gespräch mit der amsel (1984), Das weiße Gedicht (1989), Am Sonnenhang (1993) und Ein Tag auf dieser Erde (1998).
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