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Stanislaw Lem

Enzyklopädieartikel

Stanislaw Lem (1921-2006), polnischer Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten Sciencefictionautoren und einer der erfolgreichsten Vertreter der polnischen Literatur im 20. Jahrhundert.

Lem wurde am 12. September 1921 als Sohn eines jüdischen Arztes in Lemberg (heute Lwiw, Ukraine) geboren. Während des 2. Weltkrieges studierte er von 1939 bis 1941 Medizin in seiner Heimatstadt und war anschließend bis 1944 als Automechaniker tätig. 1945 übersiedelte Lem nach Krakau, wo er bis 1948 sein Medizinstudium fortführte. Danach war er als Geburtshelfer tätig, ohne den Arztberuf je auszuüben. Stattdessen wurde er Assistent am Konservatorium Naukozncze in Krakau, wo er wissenschaftliche Literatur aus dem Russischen übersetzte. In dieser Zeit erwarb Lem umfassendes Wissen in den Fächern Physik, Biologie, Kosmologie und Philosophie. Seine schriftstellerische Tätigkeit setzte Mitte der vierziger Jahre ein, zu Beginn der fünfziger Jahre wandte er sich als freier Schriftsteller der Sciencefiction zu. Mit Astronauci (1951; Der Planet des Todes) gab Lem sein Romandebüt in diesem Genre.

Lem verfügte über fundierte Kenntnisse in Naturwissenschaft und Technik, die er in seinen Romanen und Erzählungen phantasiereich mit philosophischen und moralischen Problemen zu einer zeitkritischen Utopie verknüpfte. Dabei wich die anfängliche Faszination vor den Möglichkeiten des Fortschritts immer mehr einem skeptischen Pessimismus. Mit seinen klugen, fortschritts- und technologiekritischen Werken wurde er weltberühmt als Meister der seriösen Sciencefictionliteratur, der er zu erhöhter literarischer Reputation verhalf. Seine philosophisch grundierten, häufig auch humorvollen Arbeiten nahmen technologische Entwicklungen vorweg. Zu den bekanntesten Werken Lems zählen Dzienniki gwiazdowe (1957; Sterntagebücher), Eden (1959; Eden), Śledztwo (1959; Die Untersuchung), Bajki robotów (1964; Robotermärchen), Polowanie (1965; Die Jagd), Golem XIV (1978; Also sprach Golem) und Fiasko (1986; Fiasko). Einige seiner besten Romane wurden verfilmt, darunter der Welterfolg Solaris (1961; Solaris) durch Andrej Tarkowskij 1972 und Steven Soderbergh 2002. Das Werk erzählt von einer Raummission zum Planeten Solaris, der die Besucher von der Erde mit einem intelligenten Ozean konfrontiert, dem einzigen lebenden Wesen dieser fremden Welt.

Mit der umfangreichen zweibändigen Abhandlung Fantastyka i futurologia (1970; Phantastik und Futurologie) setzte sich Lem auch theoretisch mit dem Genre Sciencefiction auseinander. Er gründete die Polnische Astronautische Gesellschaft und verfasste zahlreiche Fachpublikationen zur Kybernetik, Literaturtheorie und Futurologie. Daneben veröffentlichte er eine ganze Reihe von Hörspielen und Fernsehspielen. Lems Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und erreichten oftmals Millionenauflagen. Von 1982 bis 1988 lebte Lem im Exil in Deutschland und Österreich. Er starb am 27. März 2006 in Krakau.

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