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  • Jakob Lenz (Biografie)

    Jakob Lenz (Biografie) ... Jakob Michael Reinhold Lenz wurde am 12. Januar 1752 als Sohn des despotischen pietistischen Pastors Christian David Lenz (1720 – 1798) in Sesswegen ...

  • Jakob Michael Reinhold Lenz – Wikipedia

    Jakob Michael Reinhold Lenz (* 12. Januar jul. / 23. Januar   1751 greg. in Seßwegen, Livland [heute Cesvaine, Lettland]; † 24. Mai jul. / 4. Juni   1792 greg. in Moskau ...

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Jakob Lenz

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Die SoldatenJakob Michael Reinhold Lenz: Die Soldaten

Jakob Lenz (1751-1792), Schriftsteller. Mit seinen tragischen Komödien Der Hofmeister oder Vortheile der Privaterziehung (1774) und Die Soldaten (1776) avancierte er zu einem der wichtigsten Vertreter des Sturm und Drang. Darüber hinaus gab er der von Georg Büchner, Christian Dietrich Grabbe und Frank Wedekind geprägten modernen Dramatik ihren entscheidenden Impuls.

Lenz wurde am 12. Januar 1751 als Sohn eines pietistisch geprägten Pastors in Sesswegen (Livland) geboren und wuchs in einem extrem kunstfeindlichen Haushalt auf. Bereits als 15-Jähriger veröffentlichte er das Hexameterepos Versöhnungstod Jesu Christi (1766), das ihm den Ruf eines „seltenen Genies” einbrachte. Im gleichen Jahr noch debütierte Lenz mit dem Auftragsstück Der verwundete Bräutigam auch als Dramatiker. Bevor er 1771 für sechs Monate als Hofmeister tätig war, studierte er ab 1768 Theologie in Königsberg. Seine Erfahrungen als Erzieher junger Adeliger gingen in Der Hofmeister (1774) ein. Vor allem seine genaue Kenntnis der Theaterstücke William Shakespeares, den er neben Alexander Pope während dieser Zeit ins Deutsche übersetzte, fand ihren Niederschlag im eigenen Werk. Ferner schrieb Lenz ein Preisgedicht für Immanuel Kant und trat mit dem Versepos Die Landplagen 1769 erstmals vor ein größeres Publikum. Auf einer Reise nach Straßburg lernte er 1771 Johann Wolfgang von Goethe kennen, der ihm später Kontakte zu Johann Gottfried von Herder (einer Schlüsselfigur des Sturm und Drang) sowie zu Johann Kaspar Lavater ermöglichte. Die Begegnung mit dem Dichterfürsten, dem er von nun an in allem nachzueifern suchte, wurde zum entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. Dies zeigt sich nicht zuletzt in seinen Briefen über die Moralität der Leiden des jungen Werther (1775) sowie im 1776 entstandenen (und 1797 von Schiller posthum in der Zeitschrift Die Horen publizierten) Romanfragment Der Waldbruder. Ein Pendant zu Werthers Leiden, zwei Schriften, die die Selbststilisierung des jungen Dichters als Neuerer der deutschen Literatur in der Nachfolge Goethes illustrieren: Nicht von ungefähr wurden neben Der Hofmeister weitere der 1774 erschienenen Werke zunächst Goethe zugeschrieben, darunter Der neue Menoza. Oder Geschichte des cumbanischen Prinzen Tandi und Anmerkungen übers Theater nebst angehängten übersetzten Stück Shakespeares. Nach der schicksalhaften Begegnung mit Goethe entwickelte Lenz in einem Straßburger Literaturzirkel seine poetologische Position. Während dieser Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt als Begleiter von am Militärwesen und der Stadt Straßburg interessierten Adelssöhnen.

Nach 1774 versuchte Lenz, sich eine Existenz als freier Schriftsteller aufzubauen. In rascher Folge erschienen jene Komödien, die seinen Ruf als herausragender Dramatiker begründeten, allen voran Die Hofmeister, die satirisch-sarkastische Geschichte eines Theologiestudenten und Privaterziehers, der sich nach der folgenreichen Verführung einer Frau reumütig entmannt. Bereits hier wird die später in einer Selbstrezension zu Der neue Menoza eingeklagte tragikomische Mischform zum Verfahren, ein adäquates „Gemälde der menschlichen Gesellschaft” abzuliefern, weil das Volk, für das sie geschrieben werden müsse, „ein solcher Mischmasch von Kultur und Rohigkeit, Sittlichkeit und Wildheit” sei. Tatsächlich ist der Hofmeister die erste Tragikomödie deutscher Sprache. Diese neue, am Werk Shakespeares orientierte Form des Theaters war auch Gegenstand einer Szene in der dramatischen Satire Pandaemonium Germanicum (1775). 1776 folgte Lenz Goethe nach Weimar, musste die Stadt nach Streitigkeiten mit seinem Gönner ein Jahr später allerdings wieder verlassen. In Weimar erschien auch die Komödie Die Soldaten, in die Lenz seine Erlebnisse als Reisebegleiter junger adeliger Militärs und ihrer „Offizierskurtisanen” einfließen ließ. Wie bereits in den ebenfalls sozialkritischen Hofmeistern, so sprengte der Dichter auch hier das seit Aristoteles verbindliche – und von ihm für die Darstellung der komplexen Wirklichkeit als unzureichend erklärte – Gattungsmuster durch einen Aufbruch der drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung und nahm so entscheidende Momente des modernen Dramas vorweg. Darüber hinaus entstanden Petrarch und Zerbin oder die neuere Philosophie.

Eine 1777 erstmals auftretende Geisteskrankheit lähmte die Schaffenskraft des Dichters. (Die im gleichen Jahr veröffentlichte „dramaturgische Phantasey” Der Engländer, die das gespannte Verhältnis des Dichters zu seinem gestrengen Vater reflektiert, wurde bereits früher geschrieben.) Lenz musste sich in Privatpflege begeben, u. a. bei dem Pfarrer Johann Friedrich Oberlin in den Vogesen und bei Goethes Schwager Schlosser in Emmendingen. Während dieser Zeit hielt er sich öfter in der Schweiz und in Riga auf, bevor ihn seine Familie nach Sankt Petersburg abschob. 1781 ging Lenz zu Freunden aus Freimaurerkreisen nach Moskau, wo er völlig verarmt und verwahrlost am 24. Mai 1792 auf der Straße starb. Sein tragisches Schicksal zur Zeit seines Aufenthalts bei Pfarrer Oberlin wurde 1839 von Georg Büchner in der berühmten Erzählung Lenz thematisiert – und die Poetologie des Dichters in einem eingeschobenen Kunstgespräch mit eigenen Ansichten verknüpft. Bertolt Brecht legte 1950, Heinar Kipphardt 1968 eine Bearbeitung der Soldaten vor.

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