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Windows Live® Suchergebnisse Liberale TheologieEnzyklopädieartikel
Liberale Theologie, theologische Neuorientierung, die aus den geistesgeschichtlichen Strömungen des Rationalismus, insbesondere der Aufklärung, im 19. Jahrhundert hervorging. Bereits Papst Pius IX. bezeichnete diese als die „hauptsächlichen Irrtümer” seiner Zeit, von Pius X. wurde die liberale Theologie u. a. mit dem „Antimodernisteneid” bekämpft. Die evangelische Theologie jener Zeit nahm die liberale Theologie auf. Intern entwickelten sich verschiedene Interpretationen und Lehrmeinungen, die sich in Form eines konservativen, eines progressiven Flügels sowie einer „Vermittlungstheologie” genannten Mitte äußerten. In einigen Landesteilen wurde die liberale Theologie in Deutschland als kirchlicher Liberalismus oder Neuprotestantismus in bestehende Traditionen integriert. Vor allem bei dem Theologieprofessor C. B. Hundeshagen, der 1834 bis 1872 in Bern, Heidelberg und Bonn lehrte, sind darüber hinaus nationalpolitische Anklänge zu registrieren, die auf die revolutionäre geistesgeschichtliche Situation jener Zeit zurückzuführen sind. Die liberale Theologie wurde im 19. Jahrhundert nacheinander von drei Schulen vertreten: der Tübinger Theologischen Schule, der Göttinger Schule und der religionsgeschichtlichen Schule. Hauptvertreter der Tübinger Richtung waren F. C. Baur und J. F. Strauss, in deren Lehre die Hegelsche Geschichtsphilosophie bzw. Metaphysik Eingang fanden. A. Ritschl, der die Göttinger Schule repräsentierte, betrachtete die Metaphysik und die Dogmatik als unvereinbar. Für ihn bestand die wichtigste theologische Aussage in der Ethik als einer „natürlichen” Theologie. Als Folge dieser Auffassung erschienen so genannte „Jesus-Bücher”, die als Lehrmaterial für das Leben gedacht waren. Diese Neigung zur ethischen Betrachtungsweise wurde zwar von den Vorkämpfern der religionsgeschichtlichen Schule, dem Alttestamentler H. Gunkel, dem Neutestamentler W. Bousset und dem Religionsphilosophen E. Troeltsch keineswegs geteilt – u. a. aufgrund von methodischen Übereinstimmungen, dem Interesse an Mythenforschung und der Nichtanerkennung des christlichen Absolutheitsanspruchs sind aber auch sie der liberalen Theologie zuzuordnen.
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