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Maßwerk

Enzyklopädieartikel

Maßwerk, geometrisch konstruierte („gemessene”) Schmuckform der Gotik ohne gegenständliche Bedeutung. Das Maßwerk besteht aus Kreisen oder Kreissegmenten. Ursprünglich diente es zur Unterteilung der Bogenspitze großer Fenster. Später wurde es zur Gliederung von Wandflächen und Giebeln, als Blendmaßwerk sowie für Brüstungen als durchbrochenes Maßwerk verwendet. Bereits in der romanischen Baukunst des 12. Jahrhunderts wurde das Bogenfeld über zwei, unter einem gemeinsamen Bogen zusammengefassten Fenstern durch eine einfache Rundöffnung durchbrochen. Zur Entstehung des Maßwerkes trug auch das Rundfenster bei, das sich von einer gestanzten Lochaufteilung über das Speichenrad zur Fensterrose entwickelte. Die wichtigste Grundform ist der Pass, ein Kreisteil zwischen den Nasen des Giebels. Bestehen die Einzelelemente aus Spitzbogen, spricht man vom Blatt. Eine Sonderform ist die Fischblase, mit der größere Figuren zusammengesetzt werden können. Als die ältesten Maßwerkfenster gelten die Fenster der Chorkapellen der Kathedrale von Reims in Frankreich (1211-1227). In den Hauptländern der Gotik, Frankreich, Deutschland und England, verschwindet gegen Ende des 12. Jahrhunderts der Kreis allmählich, und gespitzte Formen treten auf. In der Spätgotik wird das Maßwerk immer reicher und komplizierter, das deutsche Maßwerk dieser Zeit ist oft asymmetrisch. Als neue Form erscheint die Fischblase, die in Frankreich flammenartig in die Länge gezogen wird (Flamboyantstil). Die englische Variante, die nur Stabwerk verwendet und die Senkrechte betont, heißt Perpendicular Style. In der Neugotik des 19. Jahrhunderts tritt das Maßwerk als Ornamentform wieder vermehrt auf.

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