Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Neue Religionen", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Neue Religionen |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 2 von 3
Neue ReligionenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Erneuerungen und Neubildungen; Traditionsübergreifende universalistische Neubildungen; Krisenkulte und prophetische Bewegungen
Die in die Hunderte gehenden koreanischen Neureligionen haben synkretistischen Charakter, d. h., in ihnen verschmelzen verschiedene Elemente aus den traditionellen Religionen. So verbindet die im 19. Jahrhundert entstandene Tonghak-Bewegung Elemente des Schamanismus, Taoismus, Buddhismus, Konfuzianismus und des Christentums. Aus ihr gingen die Chondogyo (Chondo-Kirche) und Chungsan-kyo hervor. Antijapanisch eingestellt ist der Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Tangun-Kult, der den Ahnherrn Koreas in den Mittelpunkt stellt. Der neureligiöse, überwiegend von Frauen praktizierte Won-Buddhismus verbindet buddhistische Geistlichkeit mit konfuzianischer Familienethik und christlicher Organisation. Im Westen ist die von Sun Myung Mun (*1920) 1954 in Seoul gestiftete Vereinigungskirche bedeutsam geworden. Der aus buddhistischer Tradition stammende Mun konvertierte 1930 zum protestantisch-presbyterianischen Christentum. Aufgrund einer Christusvision hält sich Sun Myung Mun zur „großen Mission” beauftragt, um die angeblich gescheiterte Mission Jesu zu vollenden. Kernbotschaft der in der heiligen Schrift Divine Principle niedergelegten Gedanken Muns ist die Lehre von der Verbindung eines „vollkommenen Mannes” mit einer zur Vollkommenheit erzogenen Eva, um sündlose Kinder zu zeugen. Dadurch erhält der auf Beziehung angelegte Gott eine vollkommene Familie als Objekt seiner Liebe. Korea ist für Mun das „neue Israel”, wo Jesus als „dritter Adam”, als „Herr der Wiederkunft” erscheint, der eine neue, vollkommene Eva ehelicht. Zum physischen Erlöser der gesamten Menschheit wird Mun durch seine Ehe mit seiner Jüngerin Hak-Ja Han.
Die von Friedrich Rittelmeyer (1872-1938) gegründete „Christengemeinschaft” tritt für die „Erneuerung des Christentums” ein. Seit ihrer Entstehung (1922) versteht sie sich als „selbständige christliche Kirche”, die auf der Bibel gegründet ist. Herzstück ist nicht die „Lehre”, sondern die kultische Praxis, die sieben Sakramente. Mittelpunkt des Gottesdienstes ist die „Menschen-Weihehandlung”.
Die Geschichte der apostolischen Gemeinden ist durch zahlreiche Abspaltungen geprägt. Aus dem 1902 von Julius Fischer (1867-1923) gegründeten „Apostelamt Juda” entstanden nach dessen Tod zwei Vereinigungen: Die „Gemeinschaft des göttlichen Sozialismus – Apostelamt Juda”, und das von Hermann Krüger (1869-1933) gegründete, später so genannte „Apostelamt Simeon in Jacobs Geschlecht”, seit 1947 „Apostelamt Jesu Christi” (AJC). Durch Ausschluss der beiden Apostel Carl August Brückner und Max Ecke aus der „Neuapostolischen Kirche” (1921) entstand die „Reformiert-apostolische Gemeinde”, heute „Reformiert-Apostolischer Gemeindebund” genannt. Neben mehreren freien apostolischen Gemeinden in den Niederlanden und in der Schweiz gibt es in Deutschland die „Apostolische Gemeinschaft”. Eine Art Dachverband freier apostolischer Gemeinden stellt die 1956 gegründete „Vereinigung der Apostel der Apostolischen Gemeinden” dar.
Seit dem 19. Jahrhundert entstanden in England und auf dem europäischen Festland religiöse Sondergemeinschaften, bei denen sich eine endzeitliche Ausrichtung (Erwartung der Wiederkunft Christi, des Tausendjährigen Reiches) mit der Erneuerung des frühchristlichen Apostelamtes verband. Durchweg alle Propheten leiten sich von den zwölf englischen Aposteln ab, die zwischen 1832 und 1835 berufen wurden. Die Geschichte der „Neuapostolischen Kirche” beginnt als selbständige Einrichtung seit 1863 mit dem Amt des „Stammapostels”. Unter den weltweit rund 240 Aposteln nimmt er einen überragenden Platz ein. Bei den Neuapostolischen wurde die Bedeutung des Apostelamtes gegenüber den übrigen Ämtern (Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer) immer stärker hervorgehoben. Lehrgrundlage sind die Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben (Neufassung 1993). Erst die Apostel der „Neuapostolischen Kirche” vollenden „das von Jesus begonnene Erlösungswerk”. Die Neuapostolischen kennen drei Sakramente: „Heilige Wassertaufe”, „Heiliges Abendmahl”, „Heilige Versiegelung”. Christus kommt zur Ersten Auferstehung wieder und nimmt alle zu sich, die seine Lehre befolgt haben. Dann wird das Tausendjährige Reich errichtet. Diejenigen, die nicht an der Ersten Auferstehung teilnahmen, werden am Jüngsten Tag gerichtet. Den Erlösten wird „ewige Gemeinschaft (...) mit Gott” verheißen. Weltweit hat die Neuapostolische Kirche über 7,2 Millionen Mitglieder. In Deutschland gibt es über 3 000 Gemeinden.
Die Zeugen Jehovas sind eine der vielen im 19. Jahrhundert in den USA entstandenen adventistischen Gemeinschaften. Ihr Gründer, Charles Taze Russell, gelangte durch intensives Bibelstudium zur Überzeugung, dass die unsichtbare Gegenwart Christi seit 1874, die Sammlung der noch lebenden Auserwählten seit 1878, der Beginn der „Großen Drangsal” seit 1914 angebrochen wären. Statt 1914 korrigierte er sich auf Frühjahr 1918. Jehova regiert seine Gläubigen durch die „Leitende Körperschaft” in Brooklyn. Die bis 1931 verwendete Bezeichnung „Ernste Bibelforscher” verweist darauf, dass die „richtige” Auslegung der (irrtumslosen) Bibel im Zentrum steht. Die „Zeugen Jehovas” lehnen den Genuss von Alkohol nicht, allerdings wohl den Alkoholmissbrauch ab. Die christliche Trinitätslehre lehnen sie ab. Jesus Christus werde am Ende des Tausendjährigen Reiches die Hinrichtungsheere Jehovas in der Schlacht von Harmagedon befehligen. Weltweit gibt es rund 5,8 Millionen Zeugen Jehovas.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |