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Neue ReligionenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Erneuerungen und Neubildungen; Traditionsübergreifende universalistische Neubildungen; Krisenkulte und prophetische Bewegungen
Die Christian Science wurde von Mary Baker Eddy gegründet, die das Werk verfasste: Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (1875). Eine wesentliche Rolle spielt der ganz praktisch verstandene Gesundheits- und Heilungsgedanke. Gott wird als Geist begriffen, und allein das Geistliche gilt den Anhängern der Christlichen Wissenschaft als Wirklichkeit. Geistliche Kräfte können Krankheiten, seelische Probleme, äußere Widrigkeiten verhindern. Erfahrene Christliche Wissenschafter, die sich hauptberuflich dem Heilen widmen, heißen „Ausüber”. Neben dem „Ausüber” kennt man den „Pfleger” und „Lehrer”, der in Lehre und Anwendung der Christlichen Wissenschaft unterweist.
Eine der problematischsten Neugründungen, deren Religionscharakter als fragwürdig gilt, ist die auf nordamerikanisch-europäischem Hintergrund entstandene Scientology Church (griechisch-lateinisch: Kirche von der Lehre vom Wissen). Die „Scientology-Kirche” wurde von dem Amerikaner Lafayette Ron Hubbard (1911-1986) gegründet. Hubbard war Autor populärer Literatur, bis er mit Hauptwerk Dianetics – The Modern Science of Mental Health (1950; Dianetik: Die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit) die Grundlagen seiner zwischen 1948 und 1950 entwickelten Lehre (Dianetics) vorlegte. Seit etwa 1954 wurde „Dianetics” zur „Scientology” entwickelt. Bei ihr stehen nicht mehr Heilung von Krankheiten und Wiederherstellung von Gesundheit im Mittelpunkt, sondern eine Erkenntnislehre des Ursprungsprinzips menschlichen Lebens schlechthin. Der Mensch besteht aus Body (Körper), Mind (Geist, Sinn, Verstand) und dem „Thetan”. Diese eigentliche Identität des Menschen ist seine ewig-unzerstörbare Geistseele, die sich von Körper zu Körper reinkarniert. Das Ziel von Scientology besteht darin, den Menschen zu einem Operating Thetan, einer Art Übermensch, werden zu lassen. Die rigorosen Techniken und Anweisungen, die (steigenden) Kosten für die Kurse, die tief greifend negativen Auswirkungen dieser Ideologie und die permanenten internen Kontrollen der Mitglieder führten zu immer stärker werdender Kritik. Das Verwaltungsgericht Hamburg entschied am 11. Dezember 1990, dass die Scientology Church „ein auf Gewinnerzielung bedachtes Wirtschaftsunternehmen” sei. Scientology hat eine große Zahl von Tarnorganisationen gegründet und versucht, in Wirtschaftsunternehmungen Fuß zu fassen. Im Frühjahr 1997 beschlossen die Innenminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, die Scientology Church vom Verfassungschutz beobachten zu lassen.
Zu den traditionsübergreifenden universalistischen Neubildungen zählen vor allem die aus dem Islam hervorgegangene Bahai-Religion, der im nördlichen Mekong-Delta verbreitetete, spiritistisch beeinflusste Caodaismus (Cao Dai: Höchstes Wesen) sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen), die nicht länger als christliche Sekte betrachtet werden kann. Auch die von Bhagwan Shree Rajneesh ins Leben gerufene Neo-Sannyas-Bewegung hat ihre hinduistischen Ursprünge weitgehend aufgegeben. Diese stellt eine Synthese von traditionellen östlichen Religionen und westlicher Psychologie dar.
Krisenkulte und prophetische Bewegungen finden sich in verschiedenen Ländern der Dritten Welt. Ein besonderes Beispiel sind die Cargo-Kulte in Ozeanien. In Afrika sind über 6 000 neureligiöse Bewegungen registriert worden, bei denen neben islamisch auch christlich inspiritierte Propheten eine große Rolle spielen. Bedeutsam sind in Schwarzafrika die vor 100 Jahren auf christlichem Hintergrund entstandenen Afrikanischen Gebetsheilungskirchen sowie die Unabhängigen Großkirchen (Die Kirche Jesu Christi auf Erden durch den Propheten Simon Kimbangu; Nazareth Baptist Church; Zion Christian Church) sowie christlich beeinflusste Freiheitsbewegungen. Folgende neue religiöse Bewegungen sind zwar nicht in Afrika beheimatet, gehen aber auf afrikanische Einflüsse zurück: Umbanda und Candomblé in Brasilien; Rastafari in Jamaika sowie andere lateinamerikanische Religionen wie Voodoo, Shango, Kumina und die Spiritual Baptists Trinidad.
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