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Nord-Süd-KonfliktEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Mit dem Ende der Diskussion um die Neue Weltwirtschaftsordnung hat sich der Nord-Süd-Konflikt nicht aufgelöst. Im Gegenteil, er dürfte in absehbarer Zeit zum wichtigsten Thema in den internationalen Beziehungen werden. Die Kluft zwischen reichen und armen Staaten ist heute tiefer denn je. Hinzu kommt, dass sich aus der Sicht der Industrieländer eine Reihe von neuen Bedrohungsszenarien in den Vordergrund geschoben haben. Die Bevölkerungsexplosion in den Entwicklungsländern provoziert in Verbindung mit einer wachsenden Verarmung vor Ort politische Instabilität. Damit wächst die Anzahl der Menschen, die aus Not ihre Heimat verlassen. Noch beschränken sich diese Wanderungsbewegungen zum größten Teil auf die Länder des Südens. Dennoch nimmt auch der Druck auf die Industrieländer zu. Kriminalität, vor allem im Bereich des Drogenschmuggels, sowie Terrorismus, oft in Verbindung mit fundamentalistischen Bewegungen, sind längst zu konfliktträchtigen Bestandteilen der Nord-Süd-Beziehungen geworden. Ein weiteres Problem liegt in der unkontrollierten Verbreitung von atomaren, chemischen und bakteriologischen Massenvernichtungswaffen. Wie die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro und die Berliner Klimakonferenz 1995 zeigen, hat der Nord-Süd-Konflikt inzwischen auch eine ökologische Dimension bekommen. Aus der Erkenntnis, dass die Auswirkungen von Umweltkatastrophen nicht national begrenzt werden können, fordern die Industrieländer eine globale Umweltpolitik. Die Entwicklungsländer wiederum vermuten dahinter primär die Absicht, ihre eigenen Entwicklungschancen zu beeinträchtigen. Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts fordert der Norden vom Süden eine stärkere Respektierung der Menschenrechte. Die Höhe der Entwicklungshilfe wird heute oft von einer Demokratisierung der politischen Systeme abhängig gemacht. Dem halten die Entwicklungsländer das Recht auf eine Entwicklung entgegen, in der ihre eigenen kulturellen Traditionen stärker zum Tragen kommen. Insgesamt sind die Strukturen des Nord-Süd-Konflikts komplexer geworden. Einige der aktuellen Themen entziehen sich staatlicher Kontrolle und Steuerung und können somit nur unzureichend als Gegenstand in internationale Verhandlungen eingebracht werden. Daneben hat sich die Anzahl der Akteure im Nord-Süd-Konflikt vervielfacht. Heute treten neben den Regierungen auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NRO) aus dem Norden wie aus dem Süden als Interessenvertreter bestimmter gesellschaftlicher Gruppen auf.
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