Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Orthodoxie

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Orthodoxie

Enzyklopädieartikel

Orthodoxie, Rechtgläubigkeit; geht im Christen- und Judentum sowie Islam mit einer fundamentalistischen, d. h. wortwörtlichen Schriftenauslegung einher; der praktizierte Glaube steht in völliger Übereinstimmung mit der Lehre.

Vornehmlich bei den Ostkirchen spielt der Begriff eine große Rolle, bereits Eusebius von Caesarea verwendete ihn erstmals 338 im alexandrinischen Synodalbrief. Am „Herrentag der Orthodoxie”, der am ersten Sonntag der Fastenzeit begangen wird, wurden diejenigen öffentlich genannt, die für die Orthodoxie eingetreten waren, aber auch deren Gegner (Häretiker).

Mehrere wichtige Einzelkomponenten kennzeichnen die altchristliche bzw. ostkirchliche Orthodoxie: zunächst die „rechte Lehre”, die ihren Ausdruck im ersten ökumenischen Glaubensbekenntnis fand und in der Person des Bischofs Athanasius als Verkörperung der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist vertreten wurde. Auf diesen ging auch die Auffassung zurück, nach der die Verwirklichung des „vollkommenen Lebens” – ein zweites wichtiges Element der Orthodoxie – im Mönchtum liegt. Die Liturgie (hier „Doxologie” genannt), aus der unmittelbar der Heilige Geist spricht, wurde als weitere Stütze angesehen. Schließlich ist der so genannte „Caesaropapismus” zu nennen: Die Identität von weltlichem und geistlichem Oberhaupt, die aber gerade deshalb eine große, historische Problematik in sich birgt, weil mit einem politischen oder geistlichen Konflikt jeweils auch die andere Funktion gleichzeitig verbunden ist, was letztlich auch im Untergang des Byzantinischen Reiches 1453 zum Tragen kam.

Im abendländischen Mittelalter und im römischen Katholizismus spielte die Orthodoxie keine Rolle. Im Protestantismus entwickelte sich aus der Reformation heraus eine Erneuerung der Orthodoxie. Die fundamentalistische Offenbarungslehre, Merkmal der von Martin Chemnitz im 16. Jahrhundert begründeten altprotestantischen Orthodoxie, setzte den Wortlaut der Bibel mit dem Wort Gottes gleich. In der Folge entstand eine streng systematische Lehre, die erst Ende des 17. Jahrhunderts gelockert wurde. In der Neuzeit ist die Bedeutung der protestantischen Orthodoxie u. a. durch den Einfluss der Aufklärung und der liberalen Theologie stark zurückgegangen.

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft