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Alfred Polgar

Enzyklopädieartikel

Alfred Polgar, ursprünglich (bis 1914) Alfred Polak, (1873-1955), österreichischer Schriftsteller und Kritiker, ein Meister des Feuilletons. Seine Kurzprosatexte stehen deutlich in der Tradition Peter Altenbergs, dessen Nachlaß (1925) er herausgab, von dessen Arbeiten er sich allerdings durch bissige Ironie und aggressiven Sprachwitz abzusetzen suchte. Außerdem schrieb Polgar Essays, Skizzen und Novellen.

Polgar wurde am 17. Oktober 1873 in Wien geboren und arbeitete nach der Handelsschule ab 1895 vor allem als Redakteur und Theaterkritiker, u. a. für die Wiener Allgemeine Zeitung, die Berliner Schaubühne, die Weltbühne und das Tagebuch (seine dortigen Glossen erschienen zum Teil gesammelt in Ja und Nein, 1926). 1925 zog er nach Berlin. In dieser Zeit etablierte er sich neben Alfred Kerr, Siegfried Jacobsohn und Herbert Ihring als einflussreichster und profiliertester deutscher Theaterkritiker seiner Zeit. Für das Wiener Kabarett Fledermaus schrieb Polgar mit Egon Friedell die außerordentlich erfolgreiche Philologensatire Goethe (1908), die 300-mal hintereinander zur Aufführung kam. Wenig später veröffentlichte die Satirezeitschrift Simplicissimus erste Erzählungen über die Bohème im Wiener Kaffeehausmilieu, namentlich im Café Central, darunter Bewegung ist alles (1909) und Hiob (1912).

Durch die Erfahrung des 1. Weltkrieges wurde Polgars Arbeit zunehmend gesellschaftskritischer, wobei er sich nicht dem Grauen des Krieges, sondern dem Leid im heimatlichen Hinterland verschrieb (Kleine Zeit, 1919; Schwarz auf Weiß, 1929). Auch seine Essays waren nun skeptischer (An den Rand geschrieben, 1926). 1931 veröffentlichte Polgar gemeinsam mit dem Expressionisten Franz Theodor Csokor die Komödie Die Defraudanten. Nach dem Reichstagsbrand zog er von Berlin zurück nach Wien, wo er bis 1938 blieb. Dort konnte er in Emigrantenzeitschriften weiterhin seine politischen Texte publizieren. Über Paris gelangte Polgar 1940 in die USA. Dort bestritt er seinen Lebensunterhalt – wie etwa auch Alfred Döblin, den er im Exil traf – vor allem als Drehbuchautor und Übersetzer in Hollywood. 1951 bekam Polgar als Erster den neu geschaffenen Preis für Publizistik der Stadt Wien zugesprochen. Er starb am 24. April 1955 in Zürich.

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