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Presse

Enzyklopädieartikel

Presse, abgeleitet von der Bezeichnung der Druckerpresse, Sammelbegriff für regelmäßig erscheinende Druckereierzeugnisse wie Zeitungen, Zeitschriften und Magazine, die als Massenmedien die öffentliche Meinung beeinflussen oder bilden.

Die Presse erfüllt wichtige soziale Funktionen. Medien sind der Ausdruck der in Rechtsstaaten garantierten Meinungsfreiheit und somit eine wichtige Institution der politischen Öffentlichkeit. Oft ist daher die Pressefreiheit als Teil der Meinungsfreiheit durch besondere Gesetze geschützt. So können beispielsweise die Strafverfolgungsbehörden (Gerichte, Polizei) nur in Ausnahmefällen von Journalisten verlangen, dass diese ihre Informanten preisgeben. Die Presse fördert durch Informations- und Meinungsaustausch in Teilbereichen der Gesellschaft oder bestimmten Regionen die kulturelle und soziale Integration. Sie legt aber auch kulturelle und soziale Missstände offen. Die Presse versorgt die Öffentlichkeit mit aktuellen Informationen, die zur Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung in verschiedenen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bereichen wichtig sind. Die Presse diskutiert und artikuliert die in der Gesellschaft anerkannten oder sich entwickelnden Werte, Ziele, Interessen und Meinungen. Sie befriedigt soziale Bedürfnisse nach Unterhaltung, Entspannung, Bildung und Information.

Eine mit regelmäßiger Berichterstattung erscheinende Presse entstand aus meist bebilderten Flug-, Protest- und Schmähschriften, die bereits im Mittelalter verbreitet wurden. In Deutschland entstanden erste kritische Presseerzeugnisse im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die Französische Revolution von 1789. Ein bekanntes Beispiel ist Georg Büchner (1813-1837), der eine „Gesellschaft für Menschenrechte” gründete und die Schrift Hessischer Landbote verfasste. Bald erkannten auch die Industriellen die Einflussmöglichkeiten der Presse. Vorreiter war der Vorsitzende des Direktoriums der Krupp-Werke, Alfred Hugenberg (1895-1951). Hugenberg kaufte u. a. mit Krupp-Geldern 1916 den Scherl-Verlag und baute diesen zum größten deutschen Zeitungskonzern aus. 1927 erwarb er die größte Filmproduktionsgesellschaft, die Ufa in Berlin, und schuf so den ersten modernen Medienkonzern Deutschlands. Hugenberg war Parteiführer deutsch-nationaler Parteien und arbeitete als Minister im Kabinett unter Adolf Hitler (1889-1945), trat jedoch noch 1933 von seinem Amt zurück. Die Nationalsozialisten nutzen in den Jahren ihrer Herrschaft (1933-1945) den von Hugenberg geschaffenen Medienkonzern zur gezielten Beeinflussung der öffentlichen Meinung und zur Kriegspropaganda.

Die Presse ist vorrangig Forschungsgegenstand der Publizistik und der Medienwissenschaften. Die Soziologie der Presse untersucht vor allem den Einfluss der Presse auf politische Gruppen, Organisationen, Gebiete und Gebietskörperschaften sowie allgemein auf gesellschaftliche, politische, soziale und kulturelle Prozesse. Die dabei verwendeten Methoden sind meistens Inhaltsanalysen sowie Leser- oder Zielgruppenanalysen, in denen der Zusammenhang von Einstellungen, sozialer Schicht und politischer Willensbildung untersucht wird. Wirkungsanalysen versuchen nicht nur die Informationsfunktion der Presse zu erfassen, sondern auch darüber hinausgehende psychische und politische Prozesse. Hier stehen Zusammenhänge von Lesegewohnheiten, sozialen Verhaltensweisen und Gesellschaftsbildern verschiedener Gruppen im Vordergrund. Untersucht wird auch der Einfluss der verschiedenen an der Pressearbeit beteiligten Gruppen, wie Journalisten, Redakteure und Herausgeber bzw. Verleger sowie der Versuch gesellschaftlicher Gruppen, die Berichterstattung in der Presse zu beeinflussen.

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