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Windows Live® Suchergebnisse ProsaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Prosa (zu lateinisch prosa oratio: die geradeaus gerichtete, schlichte Rede), Bezeichnung für alle sprachlichen Mitteilungsformen, die nicht durch formale Aspekte wie Metrik oder Vers gebunden sind. Dabei reicht die Spannweite von der Alltags- über Wissenschaftsprosa bis hin zur kunstvoll gestalteten Form (Erzählung, Kurzgeschichte, Roman, Novelle, Essay etc.). Mit der Kunstprosa der Rede befasst sich die Rhetorik. Als Gestaltungsmittel bedient sich die literarische Kunstprosa etwa der Betonung der Sprachmelodie und des Rhythmus sowie einer ausgeprägten Metaphorik. Eine Zwischenform zwischen Prosa und Lyrik sind die freien Verse bzw. das Prosagedicht.
Die frühe literarische Mitteilung war zunächst an den Vers gebunden: Grund hierfür ist vermutlich, dass die klangliche und rhythmische Ausbildung dieser zunächst mündlich tradierten Texte und Lieder besser im Gedächtnis haften blieb. Prosa hingegen setzt zu ihrem Bestand schriftliche Fixierung voraus und umfasst in ihrer frühesten Zeit vor allem zweckbetonte Texte wie Inschriften, Chroniken, Gesetzessammlungen, Verträge usw.
In der Antike wurde die Prosa als literarische Darstellungsform erstmals in Ionien im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Vorsokratikern zur philosophisch-wissenschaftlichen Welterfassung genutzt. Weitere philosophische Prosawerke waren die von Heraklit, Demokrit und Hippokrates, während Herodot, Thukydides und Xenophon die Form für ihre Geschichtsschreibung nutzten. Ein Höhepunkt früher Prosakunst sind die sokratischen Dialoge Platons und die Reden der griechischen Rhetoren. Die Sophisten steigerten die Wirkung ihrer Texte durch rhythmisch-stilistische Regeln (Rhetorik). So wirkte die griechische Prosa jahrhundertelang stilbildend, etwa auf die historische Prosa (Caesar, Livius, Tacitus, Sallust) und die philosophisch-rhetorische Prosa Roms. Danach wurde Cicero mit seinen durch Klarheit, Präzision und Kürze charakterisierten Reden maßgeblich. In der Spätantike (170 n. Chr.) beginnt sich die Prosaform in der Satire (etwa bei Lukian und Apuleius) zu etablieren.
Im Mittelalter war die schon in der Antike für wertvoller gehaltene versgebundene Literatur vorherrschend. Eine Ausnahme stellten vermutlich die aus eigenständiger mündlicher Erzähltradition entwickelten isländischen Sagas (Sögur) dar, die seit dem 13. Jahrhundert in Prosa überliefert sind. Durch Übersetzungen aus dem Lateinischen entstand erst im späteren Mittelalter eine literarische Prosatradition. Zu ihr gehören Rechtsbücher wie Eike von Repkows Sachsenspiegel, Chroniken, Predigten (Berthold von Regensburg), Schriften der Mystiker (Meister Eckhart, Johannes Tauler, Heinrich Seuse), Kunstbriefe und Prosafassungen der hochmittelalterlichen Epen in den Volksbüchern. Gerade die Volksbücher fanden nach der Erfindung des Buchdrucks in den neu aufgestiegenen sozialen Schichten Verbreitung. Der Humanismus schließlich bemühte sich um eine Erneuerung der deutschen Prosa in Anschluss an die antike Kunstprosatradition (Zentrum hierbei war die Prager Hofkanzlei Karls IV.). Erstes literarisches Glanzstück dieser Zeit ist das neuhochdeutsche Streitgespräch Der Ackermann und der Tod des Johannes von Tepl (1400). Von der Bibelübersetzung Martin Luthers ging dann der entscheidende Impuls zur weiteren Entwicklung aus.
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