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Rüstungswettlauf

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Rüstungswettlauf, politischer Begriff, der den Vorgang der wechselseitigen Erhöhung des militärischen Potentials zweier oder mehrerer politisch gegensätzlicher Staaten bzw. Staatenbündnisse bezeichnet.

Rüstungswettläufe fanden u. a. zwischen Deutschland und Großbritannien im Vorfeld des 1. Weltkrieges sowie zwischen Iran und Irak vor dem 1980 begonnenen Golfkrieg statt. Meist wird unter dem Begriff jedoch der Rüstungswettlauf der USA und der UdSSR und der jeweils mit ihnen verbündeten Staaten im Rahmen des Ost-West-Konflikts verstanden.

Aus den starken Interessengegensätzen zwischen den USA und der UdSSR heraus entwickelte sich nach dem 2. Weltkrieg der so genannte Kalte Krieg. In den westlichen Staaten wurde dabei die konventionelle Rüstung der Gegenseite, in der UdSSR und den Staaten des Ostblocks die alleinige Verfügbarkeit von Atomwaffen durch die USA als Bedrohung empfunden. Nach dem ersten Atombombentest der Sowjetunion 1949, der den Verlust des Kernwaffenmonopols der USA bedeutete, kam es zu einem bislang beispiellosen Wettrüsten, in dem beide Seiten die Strategie der atomaren Abschreckung verfolgten. In den SALT-I- und SALT-II-Abkommen von 1972 bzw. 1979 (Strategic Arms Limitation Talks: Gespräche über die Begrenzung strategischer Waffen) verständigten sich die USA und die UdSSR auf eine Begrenzung der Rüstung. Im gleichen Zeitraum wurden durch Weiterentwicklungen der Rüstungstechnologie die Vernichtungskapazitäten weiter gesteigert. Der NATO-Doppelbeschluss (1979) machte die Nachrüstung des Westens von der Bereitschaft des Warschauer Paktes abhängig, sein Potential an Mittelstreckenraketen abzubauen. Nach der Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen von 1980 an kam es ab der Mitte der achtziger Jahre wieder verstärkt zu Abrüstungsverhandlungen. Mit dem weltpolitischen Umbruch 1989/90 gingen erstmals seit langer Zeit die weltweiten Rüstungsausgaben geringfügig zurück. Anstelle des Ost-West-Rüstungswettlaufs trat seit der Auflösung des Warschauer Paktes (1.7.1991) die Kontrolle der Weiterverbreitung von Nuklearwaffentechnologie als ein Problem der Rüstungspolitik in den Vordergrund.

Für die Ursachen von Rüstungswettläufen wurden verschiedene Erklärungsansätze erarbeitet. Das traditionelle Modell sieht in der Rüstungskonkurrenz einen außengeleiteten Aktions-Reaktions-Prozess, d. h., die Parteien reagieren wechselseitig auf die Schritte der jeweiligen Gegenseite. Demgegenüber interpretiert die Friedensforschung den Rüstungsvorgang als innengeleiteten, eigendynamischen Prozess, der primär durch das Zusammentreffen verschiedener innergesellschaftlicher Faktoren vorangetrieben werde (so genannter „militärisch-industrieller Komplex”) und die Außenpolitik lediglich zur Rechtfertigung heranziehe. Neuere Theorien versuchen, gleichermaßen inner- und außerstaatliche Faktoren zu berücksichtigen. Unabhängig von solchen Erklärungsmodellen sind die Folgen von Rüstung und Rüstungswettläufen für die tatsächliche Sicherheit sowie für Ökonomie und Ökologie bislang weitgehend ungeklärt.

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