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Windows Live® Suchergebnisse Johannes SchlafEnzyklopädieartikel
Johannes Schlaf (1862-1941), Schriftsteller. Gemeinsam mit Arno Holz etablierte er nach französischem Vorbild den „konsequenten Naturalismus” in Deutschland (siehe Naturalismus). Schlaf wurde am 21. Juli 1862 als Sohn eines Kaufmanns im sächsischen Querfurt geboren. Bereits in seiner Schulzeit kam er mit dem späteren Naturalisten Hermann Conradi in Kontakt, der ihn mit den Schriften Émile Zolas bekannt machte. Nach 1884 studierte Schlaf zunächst in Halle, später dann in Berlin Germanistik und Altphilologie. In Berlin befreundete er sich mit Arno Holz, mit dem er von 1888 bis 1889 in einem engen Studierzimmer zusammenlebte. Hier entstanden erste Zeugnisse des von Theodor Fontane als äußerst innovativ gelobten „konsequenten Naturalismus”. Unter dem gemeinsamen Pseudonym Bjarne Peter Holmsen veröffentlichten beide theoretische Schriften und programmatische Musterdichtungen wie Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze (1891/92), den Novellenband Papa Hamlet (1889) und das Drama Die Familie Selicke (1890). Die minuziöse und detaillierte Wiedergabe gesellschaftlicher Verhältnisse (siehe Sekundenstil) deckte auch soziales Elend schonungslos auf, was nicht zuletzt in Schlafs eigenem, an Zolas Thérèse Raquin geschultem und formal an Henrik Ibsen anschließendem analytischen Drama Meister Oelze (1892) zum Ausdruck kommt. Nach Spannungen mit dem ungleich begabteren Holz, aus dessen Schatten er zu treten suchte, wandte sich Schlaf zunehmend vom Naturalismus ab und vollzog in den populären Prosatexten In Dingsda (1892) und Frühling (1896) den Übergang zum lyrischen Impressionismus. Dessen Naturverbundenheit kombinierte er mit dem pathetischen Monismus eines Walt Whitman (1897 übertrug Schlaf Whitmans Grashalme ins Deutsche). Der bisweilen krampfhafte Versuch einer Loslösung und dichterischen Neupositionierung führte 1893 u. a. dazu, dass sich der Autor aufgrund von psychischer Zerrüttung für vier Jahre in Nervenheilanstalten aufhalten musste. Nach dem endgültigen Zerwürfnis zwischen Holz und Schlaf bekämpften sich beide in zahlreichen Pamphleten, wobei jeder die eigene dichterische Leistung an den gemeinsamen Werken herausheben und die des anderen zu schmälern suchte. In Schlafs Romanen wie Das Dritte Reich (1900), Der Kleine (1904) und Der Prinz (1908) fand dieser Dichterkrieg seinen Niederschlag. Nach der Jahrhundertwende nahm die idyllische Naturverbundenheit Schlafs mystische, teils apokalyptisch-depressive Züge an (Am toten Punkt, 1922). Sein Wunsch nach einem „neuen Menschen”, der die düstere Realität durch „religiöse Individualität” transzendieren kann (Die Wandlung, 1922), näherte sich dem neuen Pathos zahlreicher Expressionisten. Das Spätwerk versuchte an den Erfolg der frühen Jahre anzuknüpfen, was mit den naturalistischen Prosa Miele (1920) und Neues aus Dingsda (1933) auch gelang. Schlaf starb am 2. Februar 1941 in Querfurt. Seine Autobiographie erschien unter dem Titel Aus meinem Leben in seinem Todesjahr.
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