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Stalinnote

Enzyklopädieartikel

Stalinnote, Bezeichnung für den sowjetischen Vorschlag vom 10. März 1952 an die drei westlichen Siegermächte des 2. Weltkrieges, zusammen mit einer gesamtdeutschen Vertretung über einen Friedensvertrag mit Deutschland zu verhandeln.

Vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Ost-West-Konflikts und einer immer klareren Bindung Westeuropas an die Vereinigten Staaten fühlte sich die UdSSR Anfang der fünfziger Jahre durch die geplante Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unter Beteiligung der Bundesrepublik bedroht. In seiner ersten Note vom 10. März 1952 schlug Jossif W. Stalin daher den Abschluss eines Friedensvertrags mit Deutschland vor: Deutschland sollte ein einheitlicher, souveräner Staat mit demokratischer Verfassung werden und innerhalb der im Potsdamer Abkommen festgelegten Grenzen bestehen; es sollte in begrenztem Umfang Streitkräfte aufstellen dürfen; aber es sollte sich auch verpflichten, keine Bündnisse abzuschließen, die gegen andere Staaten gerichtet wären. Intendiert war überdies der Abzug sämtlicher Besatzungstruppen innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Friedensvertrags. Am 9. April 1952 stimmte Stalin in einer zweiten Note auch gesamtdeutschen Wahlen unter Aufsicht der Alliierten zu. Der Vorschlag eines neutralisierten Deutschland stellte das weitreichendste Angebot der Sowjetunion dar, mit dem sie einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag im Rahmen der EVG zu verhindern suchte. Die Westmächte und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer lehnten die Offerte jedoch vollständig und ohne jede Verhandlungsbereitschaft ab; sie interpretierten die Stalinnote primär als einen Versuch Stalins, den europäischen Integrationsprozess und die EVG-Gründung zu verzögern. Die bundesdeutsche Opposition und Teile der Öffentlichkeit sowie einige Historiker späterer Jahre werteten die Ablehnung von Friedensverhandlungen durch den Westen als verpasste Gelegenheit zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten.

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