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August Stramm

Enzyklopädieartikel

August Stramm (1874-1915), Schriftsteller. Mit seiner ausdrucksstarken, durch Reihung von Einwortzeilen geprägten Lyrik avancierte er zu einer der markantesten Gestalten des literarischen Expressionismus.

Stramm wurde am 29. Juli 1877 in Münster geboren und wuchs in kleinbürgerlichen, religiös geprägten Verhältnissen auf. Zunächst Postbeamter, begann er in Berlin und Halle (Saale) Philosophie zu studieren und promovierte 1909. Dabei eignete er sich eine umfassende Bildung an, erwarb als Zivilist den Rang eines Hauptmanns der Reserve und ging gleichzeitig seinen literarischen Neigungen nach. 1914 wurde Stramm Postdirektor im Reichspostministerium. Ausgehend von einigen dramatischen Arbeiten im Stil des Naturalismus (Die Bauern, entstanden 1904/1905, Uraufführung 1929) fand er im gleichen Jahr als Mitarbeiter von Herwarth Waldens Zeitschrift Der Sturm zu einem neuen Sprachstil. Hier entwickelte sich Stramm zum Meister der Wortverkürzung und sprachlichen Abstraktion. Um dem einzelnen Wort größtmögliche Aussageintensität zu gewähren, wurde alles grammatikalische Beiwerk – die „gemachte Ordnung” der Sprache – gestrichen. Dadurch entstand der Duktus einer aggressiven, emotional-übersteigerten Literatur, so etwa im Gedicht „Trieb”, das sich in einer Strophe quasi trichterförmig zum Objekt der Begierde hin verengt: „Schrecken Sträuben / Wehren Ringen / Ächzen Schluchzen / Stürzen / Du!”.

Zwischen 1912 und 1914 schrieb Stramm mehrere zeitkritische naturalistische Einakter, darunter Die Unfruchtbaren, Rudimentär und Die Haidebraut. Die Wende im dramatischen Schaffen vollzog sich mit den expressionistischen Dramen Erwachen (1914, Uraufführung 1921), das das Geschehen um die abstrahierten Figuren („Er”, „Sie” etc.) weitgehend reduziert, und Sancta Susanna. Ein Gesang der Mainacht (1914, Uraufführung 1918), in dem das Atmosphärische gegenüber der Handlung dominant gesetzt ist. Der Gedichtband Du. Liebesgedichte wurde 1915 im Sturm-Verlag veröffentlicht. Weitere Sammlungen, die von Kriegserlebnissen geprägte Lyrik enthalten, erschienen posthum 1917 bzw. 1919 unter den Titeln Die Menschheit und Tropfblut. Stramm fiel am 1. September 1915 durch einen Kopfschuss bei Brest-Litowsk. Mit seiner sprachexperimentellen Dichtung (weniger bekannt sind die ähnlich gearteten Prosatexte) übte er beträchtlichen Einfluss auf die avantgardistischen Dichter etwa des Dadaismus aus. Nach 1945 beriefen sich u. a. Arno Schmidt, Ernst Jandl und Gerhard Rühm auf ihr Vorbild. Eine August-Stramm-Werkausgabe wurde 1963 herausgegeben.

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