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Tugend, das beständige Bestreben, das eigene Handeln auf das Sittlich-Gute auszurichten. In der Frühantike war die Tugend (griechisch arete) das von den Eltern auf ihre Kinder häuslich zu übertragene Erziehungsideal der Aristokratie. Mit dem Aufkommen der Demokratie im klassischen Griechenland boten sich die Sophisten den wohlhabenden Politikern aus Handel und Gewerbe als Tugendlehrer an. Sokrates warf die Frage auf, ob die arete überhaupt lehrbar sei. Nach sokratisch-platonischer Auffassung kann nur derjenige tugendhaft handeln, der weiß, was die Tugend ist. Platon unterschied fünf einzelne Tugenden: Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit. Nach Aristoteles wird die arete durch tugendhaftes Handeln erworben. Aristoteles unterscheidet die theoretischen (dianoetischen) Tugenden (Vernunft, Wissenschaft, Weisheit, Kunst, Einsicht) von den ethischen Tugenden (Besonnenheit, Gerechtigkeit, Freigebigkeit, Großherzigkeit, Freundschaft, Wahrhaftigkeit, Milde, Gewandtheit, Tapferkeit), wobei die ethischen Tugenden auf Mitte und Maß (z. B. bei der Freigebigkeit zwischen Geiz und Verschwendung) gerichtet sind. In der Stoa bezeichnete die Tugend (lateinisch virtus) das zugleich naturgemäße wie vernunftgeleitete Handeln. Das frühe Christentum griff den Begriff virtus zur Kennzeichnung von Frömmigkeit und Demut auf. Dem mittelalterlichen Adel galt die courtesia (deutsch Höflichkeit, französisch courtoisie, englisch courtesy) als ritterliche Tugend und standesgemäßes Verhalten bei Hofe.
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