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Zentrum

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Konstantin FehrenbachKonstantin Fehrenbach

Zentrum (Deutsche Zentrumspartei), katholische politische Partei im Deutschen Reich, die von 1870 bis 1933 bestand.

Vorläuferin der Deutschen Zentrumspartei war die „Katholische Fraktion“ im Preußischen Landtag, die sich 1852 formiert hatte, aber wenige Jahre später bereits wieder zerfiel. Erst im Oktober 1870, im Vorfeld der Reichsgründung, fand sich der politische Katholizismus in Preußen mit dem Soester Programm wieder zu einem festen Bündnis zusammen; im Dezember 1870 schlossen sich im Preußischen Landtag 58 Abgeordnete zur Zentrumsfraktion zusammen, und im März 1871 konstituierten sich im Deutschen Reichstag 62 Abgeordnete als Zentrumsfraktion. Das Zentrum verstand sich von Beginn an als Gegengewicht bzw. Opposition gegen die protestantisch-preußisch dominierte und kleindeutsch ausgerichtete Reichsregierung. Ihren Namen hat die Partei von ihrer Platzierung in der Mitte des Sitzungssaales, zwischen den „Rechten“ und den „Linken“, und wegen ihrer Programmatik, angesiedelt zwischen Konservativen und Liberalen. Mit ihrer großen, stabilen Wählerschaft stellte die Zentrumspartei von 1881 bis 1912 und 1916 bis 1918 mit etwa einem Viertel der Abgeordneten die stärkste Fraktion im Reichstag.

Ihre innere Konsolidierung sowie einen bedeutenden Wählerzuwachs erfuhr die Zentrumspartei unter der Führung von Ludwig Windthorst im Kulturkampf, den der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck unmittelbar nach der Reichsgründung 1871 gegen die katholische Kirche und ihre politische Vertretung in Deutschland eingeleitet hatte. Im Kulturkampf profilierte sich das Zentrum als Hauptkraft der bürgerlichen Opposition gegen die preußisch-protestantische Vorherrschaft im Reich, erlebte aber, obwohl ursprünglich interkonfessionell konzipiert, zugleich die konfessionelle Verengung auf den Katholizismus. Ab 1878 gab die Partei ihre Oppositionsrolle mehr und mehr auf und unterstützte Bismarcks Schutzzoll- und später auch seine Sozialpolitik, während auf der anderen Seite Bismarck den Kulturkampf beendete. Nach Bismarcks Entlassung 1890 gewann das Zentrum eine Schlüsselrolle im Parlament, stützte die wilhelminische Politik in allen wesentlichen Belangen und fungierte de facto als Regierungspartei. Und auch im 1. Weltkrieg trug die Partei zunächst noch die expansionistischen Kriegsziele der Reichsregierung mit, verabschiedete dann aber im Juli 1917 zusammen mit der SPD und der Fortschrittlichen Volkspartei die Friedensresolution, in der die Reichsleitung zu einem „Verständigungsfrieden“ statt eines „Siegfriedens“ aufgefordert wurde. Maßgeblich mitgestaltet hatte die Friedensresolution Matthias Erzberger, die führende Persönlichkeit des Zentrums und Exponent seines linken Flügels. Von November 1917 bis September 1918 hatte mit Georg von Hertling erstmals ein Zentrumspolitiker das Amt des Reichskanzlers inne.

Einen revolutionären Umsturz, wie er in der Novemberrevolution versucht worden war, lehnte die Zentrumspartei strikt ab; sie befürwortete aber – zwar nach heftigen inneren Auseinandersetzungen – die am 9. November 1918 ausgerufene Republik. Wenige Tage nach Ausrufung der Republik spaltete sich allerdings der ausgesprochen konservative bayerische Landesverband als Bayerische Volkspartei (BVP) vom Zentrum ab. Aus den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung am 19. Januar 1919 ging das Zentrum mit 19,7 Prozent der Stimmen (91 Mandate) als zweitstärkste Fraktion hinter der SPD hervor und bildete mit der SPD und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP, die Nachfolgerin der Fortschrittlichen Volkspartei) die Weimarer Koalition. Diese Zusammenarbeit ging zurück auf den Interfraktionellen Ausschuss, den die drei Parteien 1917 im Umfeld der Friedensresolution gebildet hatten. Im Rahmen der Weimarer Koalition war das Zentrum in der Nationalversammlung maßgeblich an der Ausarbeitung und Verabschiedung der Weimarer Verfassung beteiligt.

In der Weimarer Republik gestaltete die Zentrumspartei wesentlich die Politik mit, war von 1920 bis 1932 an allen Regierungen beteiligt und stellte in neun Kabinetten insgesamt vier Reichskanzler: Konstantin Fehrenbach (1920/21), Joseph Wirth (1921/22), Wilhelm Marx (1923 bis 1925 und 1926 bis 1928) und Heinrich Brüning (1930-1932). 1925 kandidierte Wilhelm Marx zudem für das Amt des Reichspräsidenten, unterlag jedoch Paul von Hindenburg, da die BVP ihre Stimmen Letzterem gegeben hatte. Und auch in einigen Ländern hatte das Zentrum während der gesamten Weimarer Republik Regierungsverantwortung inne, so z. B. in Preußen, Württemberg und Baden. Der Wähleranteil der Partei blieb auf Reichsebene relativ stabil, sank während der Weimarer Republik nur wenig von 13,6 Prozent 1920 auf 11,9 Prozent im November 1932. Programmatisch stand das Zentrum, insbesondere unter dem Vorsitz von Wilhelm Marx (1920-1928), fest auf dem Boden der Weimarer Verfassung; nachdem der Prälat Ludwig Kaas 1928 an die Parteispitze trat, schlug die Partei jedoch einen rechtskonservativen Kurs ein und unterstützte die zunehmend autoritäre Politik ihres Reichskanzlers Brüning, die allerdings eher den Zerfall der Weimarer Republik förderte, als den Vormarsch der Radikalen auf der rechten wie der linken Seite, insbesondere der NSDAP, stoppte. Nach dem Sturz Brünings plädierte das Zentrum für eine Beteiligung der NSDAP an der Regierungsverantwortung, um sie so unter Kontrolle zu halten und zu „zähmen“.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 trat das Zentrum nicht offen in Opposition zu Adolf Hitler, verhielt sich vielmehr abwartend und taktierend. Die letzten relativ freien Reichstagswahlen am 5. März 1933 erbrachten nochmals 11,2 Prozent für das Zentrum. Am 23. März 1933 stimmte die Reichstagsfraktion des Zentrums dem Ermächtigungsgesetz zu, nachdem die Partei von Hitler einige unverbindliche Zusagen erhalten hatte, die mit Ausnahme des Reichskonkordats nicht umgesetzt wurden. Am 5. Juli 1933 löste sich das Zentrum als letzte der nicht nationalsozialistischen Parteien selbst auf und kam damit dem im Zuge der Gleichschaltung drohenden Verbot zuvor.

Nach dem 2. Weltkrieg wandte sich der Großteil der ehemaligen Zentrumspolitiker der CDU zu. Lediglich im späteren Nordrhein-Westfalen gab es einen Versuch, die Zentrumspartei wiederzubeleben: Hier gründeten am 14. Oktober 1945 in Soest (in Anknüpfung an das Soester Programm von 1870) einige ehemalige Zentrumsabgeordnete, darunter Helene Wessel, die Deutsche Zentrumspartei. Das neue Zentrum erlangte jedoch nur regionale Bedeutung, was wohl auf ihre wenig klare und teilweise nicht sehr zeitgemäße Programmatik und ihre Flügelkämpfe zurückzuführen ist sowie auf die übermächtige Konkurrenz der CDU. In Nordrhein-Westfalen war die Partei immerhin bis 1958 im Landtag vertreten und an der Regierung beteiligt. In den ersten Deutschen Bundestag entsandte sie noch zehn Vertreter; 1953 erreichte sie nur mehr zwei Mandate, und 1957 schied sie aus dem Bundestag aus. Der Großteil der Mitglieder und Wähler der Deutschen Zentrumspartei wechselten in der Folgezeit zur CDU, andere schlossen sich der SPD an, wie etwa Helen Wessel, Vorsitzende des neuen Zentrums von 1949 bis 1952, die bereits 1952 die Partei verlassen und über die Gesamtdeutsche Volkspartei zur SPD gelangt war.

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