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Erlösung

Enzyklopädieartikel

Erlösung, Begriff, der in der Religionswissenschaft und insbesondere in der christlichen Theologie eine zentrale Rolle spielt. Erlösung setzt eine existentielle Unheilssituation voraus, die in den Universalreligionen, d. h. den Religionen, die das Heil für alle Menschen verkünden, unterschiedlich bezeichnet wird. Im Buddhismus heißt sie Leiden (Dukkha), im Christentum Sünde, wobei nicht in erster Linie konkrete Sünden gemeint sind, sondern der „Zustand der Sünde”, die Grundsituation, in die alle Menschen hineingeboren werden (siehe Erbsünde).

In der christlichen Theologie bedeutet Erlösung die Befreiung aus dieser Unheilssituation und ist untrennbar mit Jesus Christus, insbesondere seinem Leiden und seiner Auferstehung, verbunden. Im Neuen Testament wird der Tod Jesu mit Hilfe verschiedener alttestamentlicher Vorstellungen gedeutet: Neben der Vorstellung vom Sühneopfer stehen diejenigen vom Loskauf, von der Versöhnung sowie vom wechselseitigen Tausch.

Im Christentum entwickelten sich auf dieser Grundlage verschiedene theologische Ansätze. Die ostkirchliche Theologie orientiert sich vor allem an der Menschwerdung Gottes (Inkarnation) in Christus sowie die Gottwerdung des Menschen. Dies kommt in dem Ausspruch Athanasios’ zum Ausdruck: „Gott wurde Mensch, damit wir göttlich werden.” Demgegenüber versteht das abendländische Christentum das Gott-Mensch-Verhältnis vor allem als ein rechtliches. Aufgrund seiner schuldhaften Rebellion befindet sich der ungehorsame Mensch fern von Gott und hat als Strafe für seine Schuld sein jenseitiges Heil eingebüßt. Da der sündhafte Mensch nicht dazu in der Lage ist, für seine Schuld zu büßen, um den erzürnten Gott zu versöhnen, half ihm Gott dadurch, dass er Jesus Christus schickte. Dieser „Gott-Mensch” macht es der Menschheit möglich, die erforderliche Genugtuung, das verlangte Opfer, zu erbringen.

In der Reformation trat die neutestamentliche Rechtfertigungslehre in den Mittelpunkt. Sie besagt, dass der Mensch durch den Gnadenakt Gottes, der sich in Christus ereignete, gerechtfertigt und allein durch den Glauben das rechte Verhältnis zu Gott hergestellt werde. 1999 legten Katholiken und Lutheraner ihre Differenzen über die so genannte Rechtfertigungslehre nach rund 500 Jahren bei. Wie der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Ishmael Noko, und der Präsident des Vatikanischen Einheitsrates, Kardinal Edward Cassidy, am 11. Juni 1999 in Genf erklärten, herrsche von nun an konfessionsübergreifender Konsens darüber, dass ein Mensch von Gott allein aus Gnade und nicht auch aufgrund von Verdiensten angenommen werde.

In der neueren Theologie ist Kritik an der individuellen Erlösung geübt und der Gedanke der politischen Befreiung hervorgehoben worden (siehe Befreiungstheologie).

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