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Sachsen-AnhaltEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In Sachsen-Anhalt gibt es Universitäten in Halle-Wittenberg und Magdeburg, Fachhochschulen in (Dessau-Bernburg-)Köthen, Wernigerode, Magdeburg, Merseburg, Aschersleben und Ballenstedt. Halle hat eine Hochschule für Kunst und Design und eine Evangelische Hochschule für Kirchenmusik. Von der Universität Wittenberg (1817 mit der Universität Halle zusammengelegt) im Osten des Bundeslandes gingen entscheidende Impulse der Reformation aus. Der in Eisleben geborene Martin Luther übernahm hier 1512 eine Professur; 1517 brachte er am Tor der Schlosskirche seine 95 Thesen gegen die Erteilung von Ablassbriefen an. Die Stadt Halle war im 18. und 19. Jahrhundert ein Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens. Hier lehrten u. a. Christian Thomasius und Christian Freiherr von Wolff. Hier studierten mit Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano und Johann Ludwig Tieck führende Vertreter der deutschen literarischen Romantik und 1754 promovierte hier die erste Frau Deutschlands. 1685 wurde in Halle der Komponist Georg Friedrich Händel geboren. Dessau war von 1925 bis 1932 Sitz des Bauhauses, der Hochschule und der Werkstätten für gestaltendes Handwerk, Architektur und bildende Künste, die entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der modernen Architektur und des modernen Industriedesigns ausübten. Hier lehrten u. a. Wassily Kandinsky und Paul Klee. Kurt Weill, der Komponist der Dreigroschenoper, wurde im Jahr 1900 in Dessau geboren. In Sachsen-Anhalt gibt es etliche große Stiftskirchen und Kathedralen (hauptsächlich aus der Zeit der ottonischen Reichsherrschaft) von historisch-kultureller Bedeutung, z. B. die Dome in Magdeburg, Naumburg und Merseburg sowie die Kirchen in Gernrode und Quedlinburg. Der von Goethe in seinem Faust beschriebene höchste Berg des Harzes, der Brocken (der mythologische Blocksberg und Schauplatz der Walpurgisnacht), war ein im Mittelalter berüchtigter „Hexentreffpunkt”, der der Verächtlichmachung der Hexerei bezichtigter Menschen diente.
Die Magdeburger Börde gehört zu den fruchtbarsten Gebieten Deutschlands, ihre Lößböden werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Hauptanbauprodukte sind Weizen und Zuckerrüben; darüber hinaus sind Rinder- und Schweinehaltung von Bedeutung. Während im Harz überwiegend Grünlandwirtschaft betrieben wird, werden im Süden des Bundeslandes auch Sonderkulturen wie Wein und Obst kultiviert. In der Altmark werden vor allem Roggen und Kartoffeln angebaut. Industrielle Ballungsgebiete gibt es in den südlichen und südöstlichen Landesteilen in den Räumen Halle/Merseburg/Bitterfeld, Magdeburg/Schönebeck und Sangerhausen/Hettstedt. Vorherrschender Industriezweig ist die Herstellung chemischer Erzeugnisse; daneben sind Maschinenbau, Energiegewinnung und die Herstellung von Baustoffen von überregionaler Bedeutung. Die Industrie Sachsen-Anhalts hatte stark unter den Schwierigkeiten beim Übergang von staatlich gelenkter Planwirtschaft zu sozialer Marktwirtschaft zu leiden. Seit 1990 mussten viele Anlagen stillgelegt werden. Die Förderung von Rohstoffen (Braunkohle, Stein- und Kalisalz) und die industrielle Produktion verursachten in Sachsen-Anhalt schwerwiegende Umweltschäden. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Hauptanziehungspunkt des Fremdenverkehrs ist der Harz. Entsprechend der industriellen Entwicklung ist das Verkehrsnetz im Süden dichter als im Norden. Halle und Magdeburg sind wichtige Eisenbahnknotenpunkte. Binnenschifffahrt wird auf Elbe und Saale betrieben. Der Mittellandkanal verbindet die Elbe mit dem rheinisch-westfälischen Flusssystem. Über den Elbe-Havel-Kanal hat Sachsen-Anhalt Anschluss an das Wasserstraßennetz in Berlin und an die Oder.
Sachsen-Anhalt ist seit 1990 Bundesland. Aus der Provinz Sachsen und dem ehemaligen Freistaat Anhalt zusammengefügt, bestand Sachsen-Anhalt als Land vorher nur von 1947 bis 1952. Aber mit ihren teilweise mehr als 1 000 Jahre alten historischen Stätten gehört die Region seit dem Mittelalter zu den Kernländern Deutschlands.
Menschen gab es in der Region bereits vor 400 000 Jahren, wie dies Funde u. a. in der Nähe von Halle belegen. Seit der Altsteinzeit gehörte die Lößlandschaft an Mittelelbe, unterer Saale und Harz zu den dichtestbesiedelten Räumen Mitteleuropas. Hier entstand zur Bronzezeit die hoch entwickelte Aunjetitzer Kultur, wie die etwa 3 600 Jahre alte, nicht weit von Halle gefundene Himmelsscheibe von Nebra bezeugt. Seit etwa 500 v. Chr. besiedelten Germanen Mitteldeutschland, ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. verbreiteten sich hier die elbgermanischen Hermunduren, die bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. mit anderen zuwandernden Völkern zum Stamm der Thüringer verschmolzen und im 5. Jahrhundert das mächtige Königreich der Thüringer bildeten, das bis zu seiner Unterwerfung durch das expandierende Frankenreich 531 auch den größten Teil Sachsen-Anhalts umfasste.
Nach 531 konnten die Sachsen ihr Stammesgebiet im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt bis zu Helme und Unstrut im Süden ausdehnen; östlich von Elbe und Saale siedelten Slawen, u. a. Daleminzier und Sorben. Ab 772 begann die Eroberung, Christianisierung und Eingliederung des sächsischen Gebiets in das Frankenreich durch Karl den Großen. Um 800 bei Halle und Magdeburg errichtete Burgen sicherten die Ostgrenze gegen die eindrängenden Slawen. Als erstes Bistum zwischen Mittelelbe und Saale wurde 804/818 das Bistum Halberstadt gegründet, das als geistlicher Sprengel wenig später bereits weite Teile Sachsen-Anhalts umfasste.
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