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Sachsen-AnhaltEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Nach dem Wiener Kongress entstand 1815 die preußische Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg und thüringischen Gebieten um Erfurt, einem großen Teil Sachsen-Anhalts, den Landen um Magdeburg, Halberstadt und Querfurt, der Altmark, der Grafschaft Mansfeld und den ehemaligen Stiftsgebieten von Quedlinburg, Merseburg und Naumburg. In diese Provinz eingebettet lag Anhalt. Die preußische Provinz Sachsen bestand bis 1944, als die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg eingerichtet wurden; die Gebiete um Erfurt kamen an Thüringen.
Der raschen Industrialisierung Mitteldeutschlands im 19. Jahrhundert entsprechend hatte die Sozialdemokratie auch in Sachsen-Anhalt eine lange Tradition, die sich in der Weimarer Republik fortsetzte. Bis 1932 bekamen die Linksparteien hier mehr als 40 Prozent der Stimmen. Halle galt als „rotes Herz Mitteldeutschlands” und war die Hochburg der KPD und Zentrum von Arbeiterkämpfen in den Anfangsjahren der Weimarer Republik; der Rote Frontkämpferbund und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold waren in Halle bzw. Magdeburg fest verankert. Bei den Landtagswahlen April 1932 erhielt die NSDAP in Anhalt die Mehrheit und bildete mit der DNVP eine Koalitionsregierung unter Alfred Freyberg (NSDAP), dem ersten nationalsozialistischen Ministerpräsidenten in Deutschland. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen schloss die NSDAP-DNVP-Koalition das Staatliche Bauhaus in Dessau. Der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 folgte die Gleichschaltung Anhalts und der Provinz Sachsen. Regimegegner wurden in zügig errichteten Konzentrationslagern (KZ) wie dem ab Juni 1933 betriebenen KZ Lichtenburg bei Torgau ausgeschaltet. Antifaschistischen Widerstand leisteten einzelne Vertreter der Kirchen, Mitglieder der Arbeiterbewegung und der KPD, die im Kampf gegen das NS-Regime besonders viele Opfer zu verzeichnen hatte. Ab Mitte der dreißiger Jahre wurde die Rüstungsproduktion (z. B. Leuna-Werke) in der hoch entwickelten Industrie Sachsen-Anhalts ausgeweitet. Vor allem diese Industriereviere, aber auch Städte wie Magdeburg, Dessau, Halberstadt und Merseburg, wurden im 2. Weltkrieg (1939-1945) zerstört.
Ende des 2. Weltkrieges zunächst von amerikanischen und britischen, dann von sowjetischen Truppen besetzt, wurden Anhalt und die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) 1945 zur Provinz Sachsen-Anhalt vereinigt, die 1947 – mit der Hauptstadt Halle – den Status eines Landes erhielt. Seit 1949 gehörte Sachsen-Anhalt zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wurde aber 1952, wie alle Länder der DDR, aufgelöst und in die Bezirke Magdeburg und Halle unterteilt.
Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung als Land wiederhergestellt, wurde Sachsen-Anhalt im Oktober 1990 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Nach den Landtagswahlen vom Oktober 1990 bildete die CDU als stärkste Fraktion eine Koalition mit der FDP, der drittstärksten Partei; Ministerpräsident wurde Gerd Gies (CDU). Bei den Landtagswahlen vom Juni 1994 wurde zwar die CDU erneut knapp stärkste Fraktion, ihr Koalitionspartner FDP scheiterte jedoch an der Fünfprozenthürde. In der Folge bildete die SPD eine Minderheitsregierung mit Bündnis 90/Die Grünen, die im so genannten „Magdeburger Modell” von der PDS, der drittstärksten Fraktion im Landtag, toleriert wurde. Ministerpräsident wurde Reinhard Höppner (SPD). Aus den Landtagswahlen vom April 1998 ging die SPD klar als stärkste Partei hervor, aber auch sie verlor ihren Koalitionspartner, dem der Wiedereinzug in den Landtag nicht gelang. Höppner führte das „Magdeburger Modell”, d. h. eine von der PDS tolerierte SPD-Minderheitsregierung, fort. Für Bestürzung sorgte der Wahlerfolg der rechtsextremen DVU, die fast 13 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Trotz aller Kritik und Angriffe der Opposition im Land wie im Bund funktionierte das „Magdeburger Modell” relativ gut; was die Wirtschaftsdaten anbelangte, so bildete Sachsen-Anhalt allerdings das Schlusslicht unter den fünf neuen Bundesländern. Die Lage verbesserte sich in Maßen, als nach den Landtagswahlen vom April 2002 wieder die CDU klar stärkste Fraktion wurde und in einer Koalition mit der FDP und mit Wolfgang Böhmer als Ministerpräsidenten die Regierung übernahm. Sachsen-Anhalt gab nun den Schlusslicht-Status an Mecklenburg-Vorpommern ab. Die Landtagswahlen vom März 2006 bestätigten die CDU unter leichten Verlusten als stärkste Kraft, die nun, da die großen Verluste der FDP eine Fortsetzung der christlich-liberalen Koalition unmöglich machten, ein Regierungsbündnis mit der SPD bildete. Ministerpräsident blieb Wolfgang Böhmer.
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