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Windows Live® Suchergebnisse Bruno GanzEnzyklopädieartikel
Bruno Ganz (*1941), Schweizer Schauspieler. Er ist einer der namhaftesten und bedeutendsten deutschsprachigen Theater- und Filmdarsteller der Nachkriegszeit. Ganz wurde am 22. März 1941 in Zürich geboren. Nach dem Besuch der Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt, an deren Kursen er nur sporadisch teilnahm und die er ohne Abschluss wieder verließ, übernahm er Anfang der sechziger Jahre erste Filmrollen und erhielt ein Engagement am Göttinger Jungen Theater. 1964 wechselte er ans Bremer Theater, das mit Regisseuren wie Peter Zadek und später Peter Stein die Avantgarde eines neuen deutschen Theaterstils darstellte. Hier spielte er u. a. den Moritz Stiefel in Wedekinds Frühlings Erwachen (1965), den Titelhelden in Shakespeares Hamlet (1965), den Franz Moor in Schillers Die Räuber (1966), die Titelrolle in Shakespeares Macbeth (1967), den Wurm in Schillers Kabale und Liebe (1967) und den Garga in Brechts Im Dickicht der Städte (1968); 1969 brillierte er an der Seite von Edith Clever und Jutta Lampe als Titelheld in Peter Steins Inszenierung von Goethes Torquato Tasso, die mit ihrem revolutionären Impuls zum Grundstein für die Gründung der Berliner Schaubühne wurde. 1969/70 war Ganz am Schauspielhaus Zürich unter Vertrag, wo er wiederum mit Peter Stein zusammenarbeitete, mit dem er in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Projekte realisierte; ab 1970 gehörte Ganz für fünf Spielzeiten zum Ensemble der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer, dessen künstlerische Leitung Stein übernommen hatte. Hier spielte er unter Steins Regie u. a. in Ibsens Peer Gynt, in Kleists Traum vom Prinzen von Homburg (eine Bearbeitung von Kleists Prinz von Homburg durch den damaligen Schaubühnen-Dramaturgen Botho Strauß) und in Maksim Gorkijs Sommergäste; unter Klaus Michael Grüber gab er u. a. den Oskar in Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald, den Pentheus in Euripides’ Die Bakchen und den Empedokles in Tod des Empedokles nach Friedrich Hölderlin. 1972 erntete er für seine Darstellung des Arztes in der Uraufführung von Thomas Bernhards Der Ignorant und der Wahnsinnige unter der Regie von Claus Peymann bei den Salzburger Festspielen großen Applaus und wurde dafür zum „Schauspieler des Jahres” gewählt. Thomas Bernhard widmete ihm sein Drama Die Jagdgesellschaft („Für Bruno Ganz, wen sonst”). 1975 wandte sich Ganz für mehrere Jahre von der Theaterarbeit ab, um Filmrollen zu übernehmen. Erst ab 1982 war er wieder gelegentlich auf der Bühne zu sehen, an der Schaubühne u. a. unter der Regie von Grüber als Hamlet, in den beiden Botho-Strauß-Uraufführungen Der Park (Regie: Peter Stein) und Die Fremdenführerin (Regie: Luc Bondy) sowie als Alceste in Bondys Inszenierung von Molières Der Misanthrop. Bei den Salzburger Festspielen trat er 1986 in Peter Handkes Neubearbeitung von Der gefesselte Prometheus nach Aischylos auf; 1993 und 1994 stand er ebenfalls in Salzburg in der Titelrolle von Shakespeares Coriolan auf der Bühne. 1996 wurde Ganz nach dem Tod des vorherigen Trägers Josef Meinrad der Iffland-Ring verliehen, der seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts jeweils von seinem Träger testamentarisch an den „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters” auf Lebenszeit weitergegeben wird. Im selben Jahr war Ganz als Odysseus in Strauß’ Homer-Umdichtung Ithaka unter der Regie von Dieter Dorn in den Münchner Kammerspielen und als Südpolforscher Robert Scott in Nabokovs Der Pol unter der Regie von Grüber an der Schaubühne zu sehen. 2000 sollte Ganz in Peter Steins 20 Stunden dauernder Aufführung der kompletten beiden Teile von Goethes Faust, die im Rahmen der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover stattfinden sollte, die Titelrolle übernehmen; eine Verletzung nach einem Probenunfall verhinderte dies jedoch. Das ehrgeizige Faust-Projekt wurde schließlich Ende Oktober 2000 in Berlin aufgeführt; Ganz erhielt für diese Leistung den Theaterpreis Berlin. Als Leinwanddarsteller arbeitete Ganz seit 1975 mit international bedeutenden Regisseuren und Schauspielkollegen zusammen. Für seinen Part an der Seite von Edith Clever, Edda Seippel und Otto Sander in Eric Rohmers Kleist-Adaption La Marquise d’O (1975; Die Marquise von O.) erhielt er den Deutschen Filmpreis (Filmband in Gold). Es folgten Rollen u. a. in Jeanne Moreaus Lumière (1975; Im Scheinwerferlicht), in Hans Werner Geißendörfers Die Wildente (1976), in Peter Handkes Die linkshändige Frau (1977), in Werner Herzogs Nosferatu (1978, mit Klaus Kinski und Isabelle Adjani), in Reinhard Hauffs Messer im Kopf (1978), in Volker Schlöndorffs Die Fälschung (1981) und in Harun Farockis Etwas wird sichtbar (1981). Nachdem er an der Seite von Dennis Hopper bereits in Wim Wenders’ Patricia-Highsmith-Verfilmung Der amerikanische Freund (1977) die Hauptrolle übernommen hatte, wirkte Ganz in zwei weiteren Projekten des deutschen Autorenfilmers mit: in Der Himmel über Berlin (1987; nach einem Drehbuch unter Mitarbeit von Peter Handke) und dessen Fortsetzung In weiter Ferne, so nah (1993, mit Otto Sander, Horst Buchholz, Nastassja Kinski und Peter Falk). Ganz war gelegentlich auch in Fernsehrollen zu sehen, u. a. in Bernhard Sinkels Vierteiler Väter und Söhne (1986) nach Iwan Turgenjew, als Privatdetektiv Tassilo S. Grübel in der von Martin Walser verfassten Krimireihe Tassilo – ein Fall für sich (1991), in einer Tatort-Folge (1996) und in Oliver Storz’ Gegen Ende der Nacht (1998). Als Filmschauspieler übernahm er weitere Rollen für Theo Angelopoulos in dem bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Werk Mia eoniotita ke mia mera (1998; Die Ewigkeit und ein Tag) und für Silvio Sondini in Pane e tulipani (2000; Brot und Tulpen). Auf Nebenrollen in den hochkarätig besetzten US-Produktionen Luther (2003; Luther, Regie: Eric Till, mit Joseph Fiennes, Alfred Molina und Peter Ustinov) und The Manchurian Candidate (2004; Der Manchurian Kandidat, Regie: Jonathan Demme, mit Denzel Washington und Meryl Streep) folgte seine eindrucksvolle und überzeugende Darstellung Adolf Hitlers in Oliver Hirschbiegels Der Untergang (2004), einem kontrovers diskutierten Film über die letzten Tage der nationalsozialistischen Führungsriege im Berliner Führerbunker.
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