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Deutsche Geschichte

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Adolf Hitler: „Deutschland, Sieg Heil!”Adolf Hitler: „Deutschland, Sieg Heil!”
Artikelgliederung
1

Einleitung

Deutsche Geschichte, die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Reiches von seiner Konsolidierung im 10. Jahrhundert bis zum Ende des 2. Weltkrieges 1945. Zur weiteren Geschichte Besatzungszeit in Deutschland, Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik.

Das deutsche Reich kristallisierte sich im Lauf etwa eines halben Jahrhunderts aus dem größeren Verband des Frankenreiches Karls des Großen heraus. 843 teilten die drei Söhne Ludwigs des Frommen, die Enkel Karls des Großen, das Frankenreich im Vertrag von Verdun unter sich auf; Ludwig, im Nachhinein „der Deutsche” genannt, erhielt das Ostfränkische Reich, d. h. den östlich von Rhein und Aare gelegenen Reichsteil. Mit dieser Reichsteilung wurde der Zerfall des Karolingerreiches und die eigenständige Entwicklung des Ostfränkischen Reiches eingeleitet. Durch den Vertrag von Meerssen erhielt Ludwig 870 noch die Osthälfte Lotharingiens (siehe Lothringen), und 880 kam ganz Lotharingien an das Ostfränkische Reich.

Mit dem Tod des letzten ostfränkischen Karolingers, Ludwigs des Kindes, 911 und der Wahl Konrads I. (Regierungszeit 911-918) aus dem fränkischen Geschlecht der Konradiner zum König im Ostfränkischen Reich begann die endgültige Ablösung des Ostteils vom Frankenreich und seine Entwicklung zum „Reich der Deutschen”; zum Jahr 920 taucht der Begriff Regnum teutonicorum (Reich der Deutschen) erstmals in einer Quelle auf. Allerdings verstanden zu diesem Zeitpunkt weder die Bevölkerung noch die Herrscher ihr Reich als „deutsches”, sondern noch als Teilreich des fränkischen, wenngleich sich die Zeitgenossen vor allem der Nachfolger Konrads, Heinrichs I. und Ottos I., durchaus bewusst waren, dass mit deren Herrschaftsantritt eine neue Epoche in der Staatenbildung begonnen hatte. Erst um die Jahrtausendwende ist von den Stämmen – Alemannen, Baiern, Franken, Lothringer und Sachsen – nicht mehr nur als gesonderten Einheiten die Rede, sondern bereits als den „Deutschen” als Volk, und ab dem 11. Jahrhundert taucht zunächst vereinzelt, dann immer häufiger die Bezeichnung Regnum teutonicum (deutsches Reich) bzw. Regnum teutonicorum auf.

Für die mittelalterlichen Kaiser jedoch war das deutsche nur ein Teil ihres Gesamtreiches, zu dem außer Deutschland noch Reichsitalien und Burgund gehörten; sie sahen sich zudem in der von Karl dem Großen begründeten Tradition des Römischen Reiches, nannten sich ab etwa 1100 „König der Römer” und bezeichneten seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ihr Reich als Heiliges Römisches Reich. Dem Verlust ihrer Herrschaftsgewalt über die nichtdeutschen Teile des Reiches trug ab dem 15. Jahrhundert die neue, bis zum Ende des alten Reiches 1806 offizielle Bezeichnung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation” Rechnung.

Ende des 9. Jahrhunderts hatten sich im Ostfränkischen Reich, bedingt durch die Schwäche des Königtums und durch Angriffe von außen, relativ starke Stammesherzogtümer – Sachsen, Bayern, Schwaben und Franken – herausgebildet. Die vier Herzogtümer – Lothringen hatte sich 911 dem Westfränkischen Reich angeschlossen – hatten Konrad zu ihrem König gewählt und sich mit dem aus germanischer Tradition stammenden Wahlkönigtum zugleich für die Unteilbarkeit des Reiches entschieden. Allerdings beanspruchten sie auch, ebenfalls entsprechend germanischem Recht, weit reichendes Mitspracherecht im Reich – ein Grund, weshalb es Konrad nicht gelang, trotz der Unterstützung seitens der Kirche, die Königsgewalt im Reich durchzusetzen. Der Dualismus zwischen der Zentralgewalt und den gegen alle zentralstaatliche Tendenzen opponierenden Fürsten sollte bis zum Ende des alten Reiches 1806 bestimmend bleiben. Noch kurz vor seinem Tod designierte Konrad den sächsischen Herzog Heinrich aus dem Geschlecht der Ottonen zum Nachfolger.

2

Die Zeit der Ottonen (919-1024)

919 wurde Heinrich I. (919-936) von den Franken und den Sachsen zum König gewählt; bis 921 konnte er auch die Zustimmung der Schwaben und der Bayern erringen. 921 anerkannte der westfränkische karolingische König Karl III. im Bonner Vertrag Heinrich als „König der Ostfranken” und trug damit der Tatsache Rechnung, dass auf ostfränkischem Boden ein eigenständiges Staatswesen im Entstehen begriffen war. 925 gewann Heinrich Lothringen vom Westfränkischen Reich zurück, 928/29 brachte er die Elbslawen und die Böhmen unter die Oberhoheit des Reiches, und 933 besiegte er an der Spitze eines stammesübergreifenden Heeres die Ungarn bei Riade. Dieser von allen Stammesherzogtümern gemeinsam errungene Sieg trug wesentlich zur inneren Konsolidierung des Reiches und zur Festigung der ottonischen Königsmacht bei. Obwohl Heinrich mehrere Söhne hatte, bestimmte er seinen ältesten legitimen Sohn Otto zum alleinigen Nachfolger im Reich und ging damit vom karolingischen Brauch der Reichsteilung ab.

936 wurde Otto der Große (936-973) zum König gewählt und in der Tradition Karls des Großen in Aachen gekrönt. Anders als sein Vater Heinrich strebte er nicht den Ausgleich und das Zusammenwirken mit den Stammesherzögen und dem Hochadel im Reich an, sondern suchte deren Unterordnung unter die königliche Gewalt durchzusetzen. Sein Versuch, die Herzogtümer durch die Vergabe an Familienangehörige enger an die Krone zu binden, schlug jedoch fehl. Als Gegengewicht zu den Herzögen und als Machtbasis für die Krone begann er nun, die Reichskirche zu einem umfassenden Herrschaftsinstrument auszubauen.

Außenpolitisch setzte Otto das Werk seines Vaters fort: Er dehnte das Reich nach Osten aus und gründete die Bistümer Meißen und Magdeburg; 950 unterwarf er Böhmen, 955 fügte er den Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg eine entscheidende Niederlage zu, und 963 brachte er Polen unter die Oberhoheit des Reiches. 951 unternahm er seinen ersten Italienfeldzug und gewann die Herrschaft über das Regnum Italiae (Ober- und Mittelitalien ohne die päpstlichen Gebiete); er nannte sich nun Rex Francorum et Langobardorum (König der Franken und der Langobarden).

Während seines zweiten Italienfeldzuges (961-965), auf ein Hilfeersuchen des Papstes hin unternommen, wurde er in Anknüpfung an die Reichsidee Karls des Großen am 2. Februar 962 in Rom vom Papst zum „Römischen Kaiser” gekrönt, und auf seinem dritten Italienfeldzug (966-972) konnte er auch die langobardischen Herzogtümer in Süditalien unter seine Oberhoheit bringen und seinen bereits 961 zum Mitkönig gewählten Sohn Otto II. zum Mitkaiser krönen lassen.

Otto II. (973-983) führte das Konsolidierungswerk seines Vaters fort, sicherte die Nordgrenze gegen die Dänen und die Westgrenze, d. h. Lothringen, gegen Frankreich, scheiterte allerdings 982 gegen die Sarazenen in Süditalien und verlor alle Gebiete östlich der Elbe an die Slawen.

Otto III. (983-1002) hatte die Renovatio imperii Romanorum, die Erneuerung des Römischen Reiches, zum Ziel; er wollte ein christliches Universalreich schaffen, das von der Hauptstadt Rom aus von Kaiser und Papst gemeinsam regiert werden, das Regnum in seiner bisherigen Ausdehnung umfassen und die neu entstehenden Staaten im Osten (Ungarn, Polen) an das christliche Abendland anbinden sollte. Letzteres leitete er mit der Gündung der Erzbistümer Gnesen und Gran ein. Gestützt wurde Ottos Reichsidee u. a. von zweien seiner engsten Berater, die er beide zu Päpsten ernannte: von seinem Verwandten Brun, als Gregor V. der erste Papst deutscher Herkunft, und von seinem Lehrer Gerbert von Aurillac, dem späteren Papst Silvester II. Otto starb, bevor er seine Reichsidee hatte verwirklichen können, und hinterließ keinen direkten Erben.

Sein Nachfolger Heinrich II. (1002-1024) aus einer Nebenlinie der Ottonen – erst nach zähen Verhandlungen gegen andere Thronanwärter zum König gewählt – ging von der universalen Reichsidee seines Vorgängers ab und konzentrierte sich auf die Konsolidierung des Reiches im Inneren, sowohl in Deutschland als auch in Italien. Dabei bediente er sich in erster Linie der Reichskirche, die er reichlich privilegierte und begüterte und die unter Heinrich II. ihren Höhepunkt als Herrschaftsinstrument erreichte (z. B. 1007 Gründung des Bistums Bamberg als Herrschafts- und Missionszentrum für den Osten).

3

Die Zeit der Salier (1024-1125)

Nach dem Aussterben der Ottonen wurde mit Konrad II. (1024-1039) der erste Salier zum König gewählt. Er verteidigte erfolgreich die Ostgrenze des Reiches gegen Ungarn und Polen; daneben bemühte er sich vor allem um eine festere Anbindung Italiens an das Reich, die ihm jedoch nur teilweise gelang. Im Inneren schuf er mit den Ministerialen und mit der Förderung des niederen Adels ein Gegengewicht zu den mächtigen Herzögen. Durch einen Erbvertrag erwarb Konrad 1033 das Königreich Burgund für das Reich.

Sein Sohn Heinrich III. (1039-1056), bereits 1026 zum König gewählt, erreichte die Unterwerfung Böhmens und Ungarns und erklärte die beiden Länder zu Reichslehen; in Unteritalien machte er die normannischen Fürsten zu Vasallen des Reiches. In Fortsetzung der Politik seines Vaters erweiterte er das Reichsgut, d. h. den dem König zur Verfügung stehenden Grundbesitz des Reiches, und baute mit Hilfe von Ministerialen die Verwaltung aus, was ihn in Konflikt mit dem Hochadel brachte.

Stark geprägt von der kluniazensischen Reformbewegung, strebte Heinrich die Beseitigung der Missstände in der Kirche (Ämterkauf, Verweltlichung des Klerus, Verletzung des Zölibats usw.) an sowie die Reform von Kirche und Papsttum; zu diesem Zweck setzte er nicht nur im Reich reformorientierte Bischöfe und Äbte ein, sondern brachte auch Reformer auf den päpstlichen Stuhl, u. a. Leo IX. (1049-1054), der die Reform der Kirche zu seinem zentralen Anliegen erhob.

Die lange Phase der Regentschaft für den zunächst noch unmündigen Heinrich IV. (1056-1106) förderte das Erstarken der Fürstenopposition im Reich sowie die Tendenz des Reformpapsttums, sich vom Kaisertum zu emanzipieren; die kirchliche Reformbewegung begann sich zu verselbständigen und in der Folge gegen den König bzw. Kaiser zu wenden. Das Papsttum forderte nun die Loslösung der Kirche von jeglicher weltlicher Verfügungsgewalt; Papst Gregor VII. (1073-1085) bestritt dem König 1075 sogar das Recht auf Einsetzung der Reichsbischöfe und -äbte und löste damit den Investiturstreit aus, der nachhaltige Wirkungen auf die Herrschaftsstrukturen und auf die Machtposition des Königs haben sollte.

Bereits vor dem Investiturverbot des Papstes hatte sich die Opposition der Fürsten im Reich gegen Heinrich 1073 in einem Aufstand unter sächsischer Führung entladen; 1076 fand sich der inzwischen vom Papst gebannte König einer gemeinsamen Opposition von Fürsten und Papsttum gegenüber und war weitgehend isoliert. 1077 sah sich Heinrich schließlich u. a. auf Druck der Fürsten gezwungen, in Canossa vor Papst Gregor VII. Kirchenbuße zu tun. Damit hatte er seine Position im Reich wieder weitgehend gefestigt, zumindest so weit, dass er sich gegen die von Opposition und Papsttum erhobenen Gegenkönige Rudolf von Rheinfelden und Hermann von Salm durchsetzen konnte.

Mit dem Papsttum erreichte er jedoch keine Einigung, und auch mit seinen Söhnen geriet er in Konflikt: Sein ältester Sohn Konrad führte einen Aufstand der oberitalienischen Städte gegen Heinrich an und beendete damit dessen Herrschaft in Italien; sein zweiter Sohn, der spätere Heinrich V., stellte sich 1105 an die Spitze einer neuerlichen Erhebung der Fürsten und zwang den König zur Abdankung.

Mehr noch als seine Vorgänger hatte sich Heinrich IV. in seiner Auseinandersetzung mit den Fürsten auf die Ministerialen gestützt und erstmals auch auf die aufstrebenden Städte. Seit dem 11. Jahrhundert, verstärkt seit dem 12. Jahrhundert, nahm das Städtewesen in Deutschland seinen Aufstieg. Die heranwachsenden Städte entwickelten eigenständige Verwaltungs- und Rechtsformen und bildeten ein selbstbewusstes Bürgertum heraus; außerdem wurden sie zu Zentren von Handel und Gewerbe sowie zum Motor der wirtschaftlichen Weiterentwicklung; und mit ihrem Aufstieg ging der Aufschwung der Geldwirtschaft einher. Vereinzelt ab dem 11. Jahrhundert, verstärkt dann ab dem 13. Jahrhundert, erreichten einige Städte die Freiheit von ihrem geistlichen oder weltlichen Herrn und nahmen zum Teil großen Einfluss auf die Reichspolitik. Auch auf dem Land vollzogen sich tief greifende Veränderungen: Bevölkerungswachstum führte zu größerer Nachfrage, die wiederum Verbesserungen bei Anbau- und Produktionsmethoden sowie Erweiterungen der Anbauflächen – sowohl z. B. durch Rodungen im Altsiedlungsland als auch im Zuge der Ostkolonisation – nach sich zog; parallel dazu kam es durch die Lockerung der Grundherrschaft zu einer Verbesserung der Stellung der Bauern.

Heinrich V. (1106-1125), dem letzten Salier, gelang es, die königliche Autorität im Reich wieder zu festigen; außerdem erreichte er im Wormser Konkordat von 1122 mit dem Papsttum eine Einigung im Investiturstreit. Das Wormser Konkordat gestand dem König in Deutschland die letzte Entscheidung bei der Einsetzung der Bischöfe und Äbte zu; in Italien und Burgund entzog es dem König beinahe jeden Einfluss auf die Besetzung der kirchlichen Ämter. In Deutschland stand die Reichskirche dem Königtum nun nicht mehr als uneingeschränktes Herrschaftsinstrument zur Verfügung; in der Folge wandten sich die Könige immer mehr den Ministerialen und allmählich auch den Städten als den neuen Stützen ihrer Herrschaft zu.

Nach dem Tod Heinrichs V. wählten weltliche und geistliche Fürsten 1125 erstmals in freier Wahl, d. h. ohne Rücksicht auf Geblütsrecht und Designation, Lothar von Supplinburg (1125-1137), den Herzog von Sachsen, zum König; 1127 erhob die staufische Opposition Konrad von Schwaben, den späteren Konrad III., zum Gegenkönig. In der folgenden Auseinandersetzung um die Krone wurde Lothar von den Welfen unterstützt, insbesondere von dem mächtigen bayerischen Herzog, seinem Schwiegersohn Heinrich dem Stolzen, und konnte sich schließlich gegen Konrad durchsetzen. Dieser Konflikt begründete den staufisch-welfischen Gegensatz, der zeitweise die Politik im Reich dominierte.

4

Die Zeit der Staufer (1138-1254)

Obwohl Lothar Heinrich den Stolzen zum Nachfolger im Reich designiert hatte, wählten die Fürsten unter Führung einer kirchlichen Partei Konrad III. (1138-1152) zum König. Unter Konrad verschärfte sich der staufisch-welfische Konflikt: Konrad erkannte die Übertragung des Herzogtums Sachsen an Heinrich den Stolzen durch Lothar nicht an, ächtete Heinrich und übertrug Sachsen Albrecht dem Bären und Bayern den Babenbergern. Die Belehnung Heinrichs des Löwen, des Sohnes von Heinrich dem Stolzen, mit dem Herzogtum Sachsen im Jahr 1142 konnte den Streit vorübergehend beruhigen, aber nicht beenden.

Nach Konrads Tod wählten die Fürsten 1152 dessen Neffen Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) zum König. Den immer wieder aufflackernden Konflikt mit den Welfen legte Friedrich bei, indem er Heinrich dem Löwen auch Bayern übertrug, allerdings ohne die Markgrafschaft Österreich, die im Privilegium minus zum selbständigen Herzogtum erhoben wurde und als Lehen bei den Babenbergern blieb. Nachdem sich das Verhältnis zu Heinrich wieder deutlich verschlechtert hatte, ließ Friedrich ihm in einem lehnsrechtlichen Verfahren 1180 die Herzogtümer Sachsen und Bayern aberkennen; Bayern, verkleinert um die Steiermark und Meranien, ging an die Wittelsbacher, Sachsen an die Askanier. Daneben baute Friedrich vor allem in Mitteldeutschland Königsgut und staufisches Hausgut konsequent aus und schuf sich damit und mit der Gründung neuer Städte ein stabiles Fundament für sein Königtum.

Mit weniger Erfolg versuchte Friedrich, die Reichsmacht in Italien und seine Vorherrschaft gegenüber dem Papsttum wieder herzustellen: Zwar konnte in Mittelitalien eine effiziente Verwaltung errichtet werden, die oberitalienischen Städte (siehe Lombardenbund) dagegen erkämpften sich in einer langwierigen Auseinandersetzung mit dem Kaiser im Frieden von Konstanz 1183 schließlich weitgehende Selbständigkeit, die kaiserliche Oberhoheit war nur noch formal. Der Versuch, nach ottonisch-salischem Vorbild die Herrschaft des Kaisertums über das Papsttum wieder herzustellen, scheiterte.

Unter Heinrich VI. (1190-1197), der über seine Gemahlin Konstanze das normannische Königreich Sizilien erbte, erreichte das staufische Reich seine größte Ausdehnung. Sein früher Tod stürzte das Reich in eine Krise: 1198 wurden infolge des noch immer virulenten staufisch-welfischen Konflikts in einer Doppelwahl Philipp von Schwaben, der Bruder Heinrichs VI., und Otto IV., der Sohn Heinrichs des Löwen, zu Königen gewählt. Der Kampf um die Krone, der zuungunsten des vom Papsttum unterstützten Welfen auszugehen schien, endete 1208 mit der Ermordung Philipps. Als Otto dann jedoch versuchte, in den päpstlichen Einflussbereich Sizilien einzudringen, veranlasste der Papst die Wahl Friedrichs II. (1212-1250), des Sohnes von Heinrich VI., zum Gegenkönig.

Der staufisch-welfische Thronstreit wurde im Rahmen des englisch-französischen Konflikts in der Schlacht von Bouvines 1214 endgültig zugunsten des Staufers entschieden. In seinem Erbreich Sizilien schuf Friedrich ein modernes, zentralisiertes, straff organisiertes Staatswesen, in Deutschland dagegen, wo er sich insgesamt nur etwa zehn Jahre aufhielt, überließ er die Gewalt weitgehend den Fürsten. Mit den Privilegien für die geistlichen und die weltlichen Fürsten (1220 bzw. 1232) bestätigte er den Fürsten weit reichende landesherrliche Rechte und verfestigte damit den im Gange befindlichen Prozess der Territorialisierung des Reiches. Mit einem weiteren Privileg, der Goldbulle von Rimini von 1226, ermächtigte Friedrich den Deutschen Orden zur Unterwerfung der Pruzzen (Preußen) und zur Herrschaft in den eroberten Gebieten und gab damit der Ausdehnung des deutschen Herrschaftsbereichs nach Osten einen entscheidenden Impuls.

Obwohl sich infolge von Friedrichs Auseinandersetzung mit dem Papsttum ein Großteil der deutschen Fürsten der päpstlichen Partei anschloss und Gegenkönige aufstellte (Heinrich Raspe 1246, Wilhelm von Holland 1247) und trotz des Kampfes mit dem Lombardenbund in Oberitalien, in dessen Verlauf sich die Parteien der Guelfen und Ghibellinen herausbildeten, behauptete Friedrich sein Kaisertum; die Umsetzung seiner universalen Kaiseridee scheiterte jedoch vor allem an dem Konflikt mit dem Papsttum. Friedrichs Sohn Konrad IV. (1250-1254) konnte sich im Reich kaum mehr behaupten, und dessen Sohn Konradin, der letzte Staufer, gelangte nicht mehr auf den römisch-deutschen Thron und verlor auch das staufische Erbe in Süditalien.

Mehr noch als ihre Vorgänger betrieben die Staufer, besonders Friedrich I., die Auflösung der alten Stammesherzogtümer und die Ablösung der mächtigen Stammesherzöge durch territorial weniger reich ausgestattete und daher politisch weniger einflussreiche Fürsten. Es bildeten sich nun neue, kleinere Herrschaftsbereiche heraus, deren Inhabern es gelang, ihre Herrschaften nach und nach zu relativ selbständigen Landesherrschaften auszubauen. Als Gegengewicht zu diesen sich verfestigenden Territorien und als Grundlage für ihre Herrschaft versuchten die staufischen Könige, einen zusammenhängenden Reichsgutkomplex aufzubauen, zu dessen Verwaltung unfreie, unmittelbar dem König unterstellte Ministerialen herangezogen wurden; diese Reichslandpolitik erfuhr jedoch einen Rückschlag durch den Thronstreit von 1198 und wurde nach dem Ende der Stauferzeit nicht mehr weitergeführt.

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