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Windows Live® Suchergebnisse BewegungEnzyklopädieartikel
Bewegung, im allgemeinen Sprachgebrauch und in der Soziologie Begriff für kollektive Anstrengungen mit dem Ziel, sozialen Wandel herbeizuführen. Dabei wird das Bewusstsein vorausgesetzt, dass bestehende Sozialordnungen prinzipiell veränderbar sind und dass Kollektive in der Lage sind, sozialen Wandel bewusst und geplant herbeizuführen. In der Soziologie erfährt der Begriff eine mehrdeutige Verwendung. Zum einen bezeichnet man mit Bewegung die räumliche und soziale Mobilität innerhalb einer Bevölkerung, zum anderen wird der Begriff zur Bestimmung so genannter sozialer Bewegungen eingesetzt. Die zweite Bedeutung geht auf den österreichischen Nationalökonomen Lorenz von Stein zurück, der diese Bewegungen in Anlehnung an die Hegel’sche Dialektik aus dem Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital ableitete: „Das erste Gebiet, auf welchem jener Widerspruch sich zur Geltung bringt, ist das des arbeitenden Gedankens. Das zweite Gebiet ist das der wirklichen Tat. Auf dem ersten entstehen die sozialen Theorien, auf dem zweiten das, was wir die sozialen Bewegungen nennen werden.” Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde lediglich die Arbeiterbewegung, die sich infolge der Industrialisierung zu formieren begann, als soziale Bewegung definiert. Im Lauf der Zeit erweiterte sich aber die Bedeutung des Begriffs: Zielorientierte Bemühungen sozialer, politischer oder weltanschaulicher Natur und ihre Träger wurden nun mehr und mehr als Bewegungen definiert. Solche Bewegungen formieren sich aus dem Protest gegen bestehende soziale, wirtschaftliche oder politische Verhältnisse (siehe Frauenbewegung; Studentenbewegung; Gewerkschaften; Französische Revolution). Sie sind religiös motiviert, wie chiliastische (millenaristische) oder charismatische Bewegungen, können aber auch allgemein weltanschaulicher Art sein (siehe Liberalismus; Sozialismus; Kommunismus; Esoterikwelle). Die aus der Studentenbewegung von 1968 resultierenden sozialen Aktivitäten werden als „Neue Soziale Bewegungen” charakterisiert, um sie von der traditionellen Arbeiterbewegung abzugrenzen (z. B. Frauen-, Umwelt-, Friedens-, Anti-Atomkraft-Bewegung). Typisch für die meisten, aber nicht alle dieser Bewegungen ist, dass sie sich nicht in einer stark hierarchisch geordneten Organisation (wie einer Kaderpartei) engagieren möchten, deshalb in ihren konkreten Formen und Projekten (z. B. regionalen oder lokalen Initiativen) aber auch instabil und kurzlebig sein können. Die Vergänglichkeit sozialer Bewegungen zeigt sich nicht nur beim Verfehlen, sondern auch beim Erreichen ihrer jeweiligen Ziele: Entweder sie lösen sich auf, oder sie gehen in eine andere Bewegung über (siehe Bürgerinitiativen; Jugendbewegung; Ökologiebewegung). Die soziologische Forschung beschäftigt sich mit den Leitideen und -motiven, der Struktur und Organisation der Bewegungen, der sozialen Position der Anhänger sowie den zum Erreichen der Ziele eingesetzten Strategien und Taktiken.
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