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Windows Live® Suchergebnisse Maurice BlanchotEnzyklopädieartikel
Maurice Blanchot (1907-2003), französischer Schriftsteller und Literaturkritiker. Sein Werk stellt eine umfangreiche Auseinandersetzung mit der Negativitätsphilosophie sowie mit literarischen und literaturkritischen Strömungen der Moderne dar. Seine Romane gehören ins Umfeld des Nouveau Roman. Blanchot wurde am 22. September 1907 in Quain (heute ein Stadtteil von Devrouze, Departement Saône-et-Loire) geboren und studierte in Straßburg und an der Pariser Sorbonne Philosophie und Literaturwissenschaft. Zwischen 1928 und 1940 arbeitete er als Journalist und danach als freier Schriftsteller. Als Kritiker folgte er keinen systematischen Gesichtspunkten, sondern bestimmte seinen Standpunkt im Dialog mit den jeweils behandelten Philosophen und Schriftstellern, zu denen u. a. Søren Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Claude Lévi-Strauss, Charles Baudelaire, Stéphane Mallarmé, Marcel Proust, Franz Kafka und Robert Musil gehören. Eine der Grundfragen Blanchots ist die, unter welchen Bedingungen literarisches Schreiben möglich sei. Mit dieser Position steht er in einer mit Mallarmé beginnenden Tradition, gemäß der sich die Literatur in einer poetologischen und theoretischen Reflexion jeweils neu bestimmen muss. Blanchot zufolge kann sich Literatur auf keine Gewissheit berufen, weder auf einen referenziellen Bezug zur Welt, noch auf eine metaphysische Gewissheit oder ein authentisches Subjekt. Gerade in der Transformation dieses metaphysischen Mangels bestehe der Ausgangspunkt der modernen Literatur. In Le livre à venir (1959; Der Gesang der Sirenen) sieht Blanchot die Aufgabe des Schriftstellers in Anlehnung an Kafka darin, das Raunen zum Schweigen zu bringen. Das Raunen meint hier die Sprache des Niemand, die reproduzierte Sprache. Erst aus diesem Schweigen heraus könne wirkliche Literatur entstehen. Das erzählerische Werk Blanchots ist eng mit seinem literaturkritischen Denken verknüpft. Der Roman Thomas L’obscur (1941, Neufassung 1950; Thomas der Dunkle) beginnt mit einer scheinbar realistischen Szene, in der der Titelheld aufs Meer hinausschwimmt. Dann jedoch wandelt sich der Roman in ein sprachimmanentes imaginäres Gefüge, in dem es nicht mehr gelingt, das unergründliche Subjekt zu begreifen. Gegenstand der Darstellung ist keine eigentliche Handlung, sondern der Akt des Schreibens selbst. Damit schuf der Schriftsteller einen wichtigen Vorläufer des so genannten Anti-Romans. Blanchot starb am 20. Februar 2003 in Paris. Weitere wichtige Werke sind die Fabel Aminadab (1942), die Romane L’arrêt de mort (1948; Die Frist), Le très-haut (1948; Der Höchste), L’attente l’oubli (1962; Warten Vergessen), La folie du jour (1973; Der Wahnsinn des Tages) sowie die Essaybände Faux pas (1943; Fehltritt), La solitude essentielle (1953; Die wesentliche Einsamkeit), L’espace littéraire (1955; Der literarische Raum), L’entretien infini (1969; Die unendliche Unterhaltung), La littérature et le droit à la mort (1982; Die Literatur und das Recht auf den Tod) und De Kafka à Kafka (1982; Von Kafka zu Kafka).
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