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Brutalismus

Enzyklopädieartikel

Brutalismus, 1953 von dem englischen Architektenehepaar Alison und Peter Smithson geprägter Begriff (New Brutalism) zur Kennzeichnung einer Idee in der Baukunst der Gegenwart; sein Bestandteil „brutal” war einem abwertenden Artikel über Le Corbusiers Unité d’Habitation in Marseille (1948-1952) entnommen. Brutalismus bezeichnet nicht eine Ästhetik, sondern eine Ethik, eine geistige Grundeinstellung, die um Begriffe wie Verantwortung, Wahrheit, Objektivität, Material- und Konstruktionsgerechtigkeit und Ablesbarkeit in der Architektur kreist. Das Gebäude soll seine Herstellungsart zeigen, kompromisslos Konstruktion und Material sichtbar machen: Leitungen können frei vor der Wand verlegt werden, Funktionselemente werden als bestimmende Gestaltungselemente herausgestellt, Materialien wie rauer Sichtbeton und unregelmäßige Ziegelsteine zweiter Wahl kommen zur Anwendung. Ausgehend von dem Bau der Secondary School in Hunstanton (England, 1954 vollendet) des Ehepaares Smithson, deren Charakteristikum das Stahltragewerk mit Ziegeln und Glas und frei liegenden Installationen ist, verbreitete sich das Konzept des Brutalismus international. 1958 errichteten James Stirling und James Gowan die Wohnhäuser in Ham Common (London) orientiert an Le Corbusiers Jaoul-Häusern in Neuilly bei Paris (1954-1956) und an dessen Unité d’Habitation in Marseille. Weitere Vertreter des englischen Brutalismus sind Richard Sheppard und Denys Lasdun. Ende der fünfziger Jahre wurde der Brutalismus zu einer weltweiten Bewegung, der sich zeitweilig auch Tange Kenzo und Gottfried Böhm anschlossen.

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