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Windows Live® Suchergebnisse Deutsche Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Karolingische Kunst; Romanik; Gotik (Mitte des 13. bis 15. Jahrhunderts); Renaissance (Mitte des 15. bis 16. Jahrhunderts); Barock (17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts); Mitte 18. bis 19. Jahrhundert; Moderne
Deutsche Kunst und Architektur, die Kunstproduktion im überwiegend deutschsprachigen Kulturraum. Die Kunstgeschichte der deutschen Kunst untersucht den Ursprung und die Entwicklung kultureller Kontinuitäten des Kunstschaffens, die territorial begrenzt sind, sowie ferner die Wechselwirkung mit der Kunstproduktion anderer Länder, insbesondere der Nachbarländer.
Im Fränkischen Reich entfaltete sich die karolingische Kunst in den neu eingerichteten Hof-, Dom- und Klosterschulen. Im Zuge der so genannten karolingischen Renaissance, die als Maßstab die christliche Spätantike anlegte, begann mit dem am Hof Karls des Großen (768-814) entstandenen Godescalc-Evangeliar (781-783) eine rege Produktion von Handschriften mit Buchmalereien. Im Wiener Krönungsevangeliar (Hof Karls des Großen, spätes 8. Jahrhundert) kommt die klassische Auffassung des Menschen in den würdevollen, plastisch durchmodellierten Philosophengestalten der Evangelistenbilder zum Ausdruck. Die Landschaften und die Bauten im klassischen Stil des Utrecht-Psalters und des Ebo-Evangeliars (beide 816-835) der Handschriftengruppe von Reims erinnern an Wandbilder und Stuckreliefs römischer Villen, gleichzeitig wurde der malerisch-illusionistische Stil der Spätantike in einen graphisch-skizzenhaften Zeichenstil umgesetzt. Es folgen Tours, Metz und die Hofschule Karls des Kahlen mit dem prunkvollen Soissons-Evangeliar (frühes 9. Jahrhundert). Eine enge stilistische Verbindung besteht zwischen der Buchmalerei und der Kleinplastik. Deutlich wird dies beim Vergleich eines Elfenbeinreliefs der Liuthard-Gruppe, welches heute den Einband des Perikopenbuches Heinrichs II. ziert, mit den Zeichnungen des Utrecht-Psalters. Mit der Pfalzkapelle in Aachen, 805 geweiht, ist der erste große Steinbau deutscher Kunst entstanden, der heute noch erhalten ist. Für den Zentralbau mit kuppelüberdecktem, achteckigem Innenraum und Umgang mit Empore diente die Kirche San Vitale in Ravenna als Vorbild. Eine neuartige Lösung für den Eingangsbereich wurde mit dem Westwerk, einem im Westen vorgelagerten mehrgeschossigen Querbau mit zwei Seitentürmen und Mittelturm, geschaffen. Die kaiserliche Loge im Westen der Emporen stellt eine Parallele zu byzantinischen Palastkirchen dar. Die Torhalle des ehemaligen Reichsklosters Lorsch (letztes Drittel des 8. Jahrhunderts) nahm die Idee römischer Triumphalarchitektur in Form eines Triumphbogens auf, erzeugt aber durch die zarte Gliederung der Blendarchitektur aus weißem und rotem Sandstein ein neuartiges Spannungsverhältnis. Die Weiterbildung der frühchristlichen dreischiffigen Basilika mit durchgehendem Querhaus und zum Teil doppelchörigen Anlagen wurde in der karolingischen Architektur fortgesetzt (Fulda 791-819, Sankt Gallen).
Romanik ist ein Überbegriff für die nachkarolingische Kunst des Mittelalters, die in Deutschland die Zeitspanne von der Mitte des 10. bis um die Mitte des 13. Jahrhunderts umfasst. In Deutschland bezeichnet man die Phase der Frühromanik als ottonische Kunst.
Nach der Konsolidierung des sächsischen Kaiserhauses erlebte das Ottonenreich einen kulturellen Aufschwung, die so genannte ottonische Renaissance. Diese geistige Neubelebung geht nicht mehr wie bei den Karolingern direkt vom Hof aus, sondern von den Reichsklöstern (Reichenau, Sankt Gallen, Sankt Maximin in Trier, Corvey, Gandersheim). So war die älteste ottonische Prunkhandschrift, der Gero-Codex (um 969), nicht für einen weltlichen Herrscher, sondern für den Erzbischof Gero, einen hohen geistlichen Würdenträger, bestimmt. In der ottonischen Buchmalerei – Zentrum war das Kloster Reichenau – wurde die Räumlichkeit des spätantiken bzw. karolingischen Illusionismus, das Bestreben, eine dreidimensionale Figur im Raum darzustellen, durch einen „Schichtenraum” (Staffelung von Bildebenen) ersetzt (Gregor der Große und sein Schreiber, Registrum Gregorii, Trier, um 984). In der reifen Phase der ottonischen Buchmalerei wurden die Szenen ihres illusionistischen Charakters enthoben, indem die Figuren mit Purpurflächen oder reinem Gold hinterlegt wurden (Evangeliar Ottos, Reichenau, Ende des 10. Jahrhunderts; Evangeliar von Echternach, Mitte des 11. Jahrhunderts). Mit dem Perikopenbuch Heinrichs II. (1007-1012) der Liuthard-Gruppe erreicht die Buchmalerei in Reichenau ihren Höhepunkt. Die Monumentalmalerei auf der Insel Reichenau (Sankt Georg in Oberzell, Ende des 10. Jahrhunderts) ist von der Buchmalerei des Klosters nicht zu trennen. Zwischen 1015 und 1025 entstanden in Süddeutschland das Baseler Antependium (Altar-Vorhang oder -Vorsatz), das Reichskreuz (Kunsthistorisches Museum, Wien) und das Antependium der Pala d’oro für das Aachener Münster als kaiserliche Auftragsarbeiten Heinrichs II. Diese bildeten eine geschlossene Gruppe, die den höfischen, repräsentativen Stil vertrat. In der Großplastik führte der Weg vom leiderfüllt auf dem Kreuz zusammengesunkenen Jesus, dem Gerokreuz im Kölner Dom (um 970), zur strengen Form der Goldenen Madonna in Essen (980) und der, diesem Figurentyp folgenden, Madonna des Bischofs Imad in Paderborn (Mitte des 11. Jahrhunderts). Die Klosterkirche Sankt Michael in Hildesheim (1007-1033), Bauherr war Bischof Bernward (Bernwardskunst), folgte der klassischen Proportionslehre. Das Quadrat der durch Mauervorlagen und Bögen ausgeschiedenen Vierung bildet das Modul (Grundelement) für die Gesamtplanung. Hier finden wir die frühesten datierbaren Würfel-Kapitelle und erstmals den doppelten (sächsischen) Stützenwechsel (siehe Säule, zwei Pfeilern folgt eine Säule), der mehr den horizontalen Aufbau betont und zum Merkmal der sächsischen Bauschule wurde. Die Werkstatt Bernwards zeigt ihre Stärke auch in den aus einem Stück gegossenen Bronzetüren (1015) für Sankt Michael.
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