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Boris Eichenbaum

Enzyklopädieartikel

Boris Eichenbaum (1886-1959), russischer Literaturwissenschaftler und Filmtheoretiker. Mit Wiktor Schklowskij, Jurij Tynjanow und Roman Jakobson gehört er zu den führenden Vertretern des Russischen Formalismus.

Boris Eichenbaum wurde am 16. Oktober 1886 in Krasnoe bei Smolensk geboren. 1914 gehörte er zu den Mitbegründern der bis 1923 in Petersburg bestehenden Gesellschaft Opojaz (Obschtschestwo isutschenija poetitscheskowo jasyka) zur Erforschung der poetischen Sprache. In den zwanziger Jahren publizierte Eichenbaum entscheidende Studien zur Gattungsproblematik und zur Literaturtheorie, darunter Melodika russkogo liriceskogo sticha (1922, Die Melodie des russischen lyrischen Verses,) Skvoz’ Literaturu (1924, Durch die Literatur) und Teorija formal’nogo metoda (1925, Die Theorie der formalen Methode.) Unter Verzicht auf biographische, soziologische, psychologische und kulturgeschichtliche Aspekte suchte er hier die spezifischen Konstruktionsprinzipien von Literatur mit Hilfe der morphologischen Methode zu bestimmen und lieferte damit einen wesentlichen Beitrag zur Herausbildung der modernen Literaturwissenschaft. Herausragend war auch Eichenbaums Studie zur Prosa Nikolaj Gogols (Kak sdelana „Šinel’” Gogolja, 1919, Wie Gogols „Mantel” gemacht ist), in der er das Verfahren einer wortwitzigen Nachbildung von Dialekt, Volks- und Alltagssprache in der russischen Erzählgattung des skaz herausstellte. Eine weitere wichtige Arbeit legte Eichenbaum mit seiner dreibändigen Biographie über Lew Tolstoj (1928-1960) vor. Darüber hinaus arbeitete er über Michail Lermontow. Der von Eichenbaum 1927 herausgegebene Sammelband Poétika Kino (Poetik des Films), ein Hauptwerk der formalistischen Filmtheorie, unternimmt einen der international ersten Versuche einer grundlegenden Kinematologie. Boris Eichenbaum starb am 24. September 1959 in Leningrad (heute Sankt Petersburg).

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