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Einstellung

Enzyklopädieartikel

Einstellung, relativ dauerhafte, durch Umwelteinflüsse und Erfahrungen erworbene komplexe Systeme von Anschauungen, Meinungen und Überzeugungen, die sich in bestimmten Situationen auf die Wahrnehmung von Reizen, Objekten und Personen und die daraus folgenden Verhaltensweisen auswirken.

Einstellungen dienen dem Menschen zur Orientierung bei der Wahrnehmung seiner physikalischen und sozialen Umwelt; sie äußern sich in relativ stabilen Handlungstendenzen in seiner Beziehung zur Umwelt. Bei Einstellungen handelt es sich in der Regel nicht um „objektive”, der „Wahrheit” entsprechende Überzeugungen, sondern (oft auch in der Wissenschaft) um sozial mehr oder weniger akzeptierte bzw. geteilte Vor-Urteile. Der Vor-Urteils-Charakter von Einstellungen zeigt sich darin, dass die Personen, die sie teilen, sie in der Regel für „wahr” halten und als „objektiv” erleben.

Einstellungen müssen dabei nicht im üblichen Sinn des Vorurteilsbegriffs Stereotype oder Klischees sein; sie sind vielmehr zumeist Meinungen vor einem Urteil oder, Alfred Schütz zufolge, „natürliche Einstellungen”: unhinterfragte, nicht reflektierte „Selbstverständlichkeiten”, die von der sozialen Umwelt geteilt werden. Wird diese Selbstverständlichkeit erschüttert durch der Einstellung widersprechende Erfahrungen oder Informationen, durch andere Überzeugungen oder Widersprüche im System der Einstellungen, kann dies zu einer Reflexion der Einstellung führen – aber auch zu einem rigiden Festhalten und zur Abwehr der Unstimmigkeiten (siehe kognitive Dissonanz).

Eine Einstellung besteht aus drei Komponenten: Die kognitive bezieht sich auf die Wahrnehmungen, Vorstellungen und Meinungen über ein Objekt (z. B. Arbeitslose als „Drückeberger” oder aber als Opfer). Die affektive Komponente beschreibt die gefühlsmäßigen Regungen gegenüber dem Objekt (z. B. Neid, Ärger, Mitleid oder Sorge). Die Verhaltenskomponente beinhaltet das tatsächliche Verhalten (z. B. Ignorieren oder Sichinteressieren, Vermeiden oder Suchen von Kontakten mit Arbeitslosen, Diskriminieren oder Engagieren) und verstärkt wiederum die kognitive und affektive Komponente.

Einstellungsbildung bezeichnet den Lernprozess, in dem durch Erfahrung und/oder durch Vermittlung anderer Personen (z. B. Erziehung, Sozialisation) bestimmte Denk- und Wahrnehmungs- (kognitive), Gefühls- (affektive) und Verhaltensdispositionen erworben werden. Anstöße für Einstellungsänderungen gehen meistens vom kognitiven, aber auch vom emotionalen Bereich aus.

Siehe auch Einstellung (Psychologie)

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